Branche, Broadcast, Top-Story: 28.07.2015

Das war der Gipfel: TV-Übertragung des G7-Treffens

Im Juni 2015 fand das Gipfeltreffen der Staatschefs der großen Industrienationen (G7) statt. Die TV-Übertragung dieses politischen Groß-Events aus den bayerischen Bergen realisierten ARD, ZDF, DWTV, Phoenix, N-TV und N24 gemeinsam. Tragende Rollen innerhalb der ARD kamen dabei dem BR und dem ARD-Hauptstadtstudio zu. film-tv-video.de hat mit Jörg Teufel, dem Technischen Leiter des Projekts beim BR, über die Produktion gesprochen.

Über die politische Bedeutung des jüngsten G7-Gipfels auf Schloss Elmau gehen die Meinungen auseinander — aber damit befasst sich dieser Artikel auch gar nicht, sondern er konzentriert sich auf die technische Umsetzung der TV-Berichterstattung von dieser Veranstaltung. Dabei spielten nicht nur fernsehtechnische Herausforderungen eine Rolle, sondern in besonderem Maß auch deren Wechselwirkung mit den extrem hohen Sicherheitsanforderungen beim Gipfeltreffen der Staatschefs.

Mit dem Luxushotel »Schloss Elmau« hatte sich Deutschland als Gastgeber für den G7-Gipfel 2015 einen besonderen Veranstaltungsort ausgesucht: Das Anwesen liegt sehr idyllisch in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen, inmitten des Wettersteingebirges. Es ist vom nächstgelegenen Ort Krün nur über eine Mautstraße zu erreichen.

Die Lage des Hotels im einigermaßen unübersichtlichen, gebirgigen Terrain forderte die Sicherheitsexperten, aber auch die Logistiker, denn es mussten ja nicht nur die sieben Staatschefs sicher vom Flughafen München nach Schloss Elmau und zurück transportiert werden, sondern es mussten auch die unzähligen Mitarbeiter der Regierungschefs untergebracht und transportiert werden, wie auch die internationalen Berichterstatter. Allein US-Staatschef Barack Obama brachte eine Entourage von insgesamt rund 1.000 Mitarbeitern mit nach Bayern, rund 5.000 Journalisten aus aller Welt reisten an, um über den Gipfel zu berichten.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurde Schloss Elmau mehr oder weniger vollständig von der Außenwelt abgeschottet und das umliegende Gebiet großräumig abgeriegelt. Selbst die Autobahn, die von München nach Garmisch-Partenkirchen führt, durfte während des Gipfels nach halber Strecke nicht mehr befahren werden, wenn man sich nicht als Anwohner ausweisen konnte.

Die Sicherheitsbehörden rechneten mit zahlreichen Demonstranten und mussten auch Vorkehrungen treffen, um einen möglichen Anschlag wirkungsvoll zu verhindern. Kurzum: Für den Gipfel auf Schloss Elmau galt die höchste Sicherheitsstufe — und diesen hohen Sicherheitsanforderungen musste sich auch die TV-Produktion des Gipfels unterordnen.

»Für uns bedeutete das, dass wir einerseits sehr eng mit dem Bundespresseamt, dem Protokoll und dem Bundeskriminalamt zusammenarbeiten und andererseits noch sehr viel genauer und detaillierter vorplanen mussten als bei anderen Live-Produktionen. Alle Produktionsschritte mussten eng mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden«, erläutert Jörg Teufel, der als Technischer Leiter die Produktion für den BR verantwortete und plante.

Um nur einige der besonderen Rahmenbedingungen zu nennen: So war anfangs unklar, ob Sicherheitserwägungen und Platzverhältnisse überhaupt die Stationierung eines Ü-Wagens auf dem Gelände von Schloss Elmau erlauben würden. Komplette, detaillierte Kabelpläne unterlagen der Geheimhaltung, eine genaue Agenda der Veranstaltung wurde aus Sicherheitsgründen im Vorfeld nicht bekanntgegeben.

Journalisten und technische Mitarbeiter durften sich auf dem Gelände von Schloss Elmau während der gesamten heißen Phase nicht allein bewegen, sondern mussten stets von Sicherheitskräften eskortiert werden.

Eine Planung und Abwicklung, wie man sie etwa von der Produktion großer Sport-Events her kennt, war unter diesen Umständen natürlich nicht möglich, sondern man musste sich von Senderseite mit ganz anderen Vorgaben arrangieren.

Das war mitunter aufreibend und herausfordernd, aber mit dem Ergebnis ist Jörg Teufel zufrieden: »Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen war hervorragend und sehr professionell. Wir haben für alle Herausforderungen auch Lösungen gefunden, und von technischer Seite aus war der G7-Gipfel in Elmau ein voller Erfolg.«

Vorplanung

Die ersten groben Vorplanungen und die Beschäftigung mit dem Gipfel begannen schon, als die Olympischen Winterspiele in Sotschi noch liefen, also im Februar 2014. Ab September 2014 war Jörg Teufel in Vollzeit mit der Vorbereitung, Planung und Koordination der Gipfelübertragung befasst. »Dabei hatte die Planung für das Weltbild natürlich Priorität, und wir setzten hier das so genannte Berliner Modell um.« Im Senderjargon steht das für eine Aufgabenteilung zwischen ARD, ZDF, DWTV, Phoenix, N-TV und N24, sowie innerhalb der ARD für die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sendern — in diesem Fall dem BR — und dem ARD-Hauptstadtstudio.

Weltbild-Produktion

Das Weltbild des G7-Gipfels wurde also im »Berliner Modell« produziert. In der Praxis bedeutet das, dass es nicht nur einen einzigen Host-Broadcaster gibt, der alles umsetzt, sondern dass mehrere Beteiligte das Weltbild gemeinsam produzieren und alle Beteiligten dann auch dieses Weltbild nutzen können.

Direkt am Schloss Elmau baute der BR seinen HD-Ü-Wagen FÜ1 auf. »Alles, was vom Hotelgelände selbst on Air ging, kam aus unserem Ü-Wagen«, erläutert Jörg Teufel.

In direkter Nachbarschaft zum eigentlichen Schloss Elmau war das Briefing-Center mit mehreren Konferenzsälen angesiedelt. »Dort hielten die Staatschefs ihre Pressekonferenzen ab. Das war bei Bedarf auch parallel möglich«, berichtet Jörg Teufel. Für die TV-Bilder speziell von dort war N24 zuständig und beauftragte damit den Berliner TV-Dienstleister Topvision. Das Briefing-Center war für maximal 500 Teilnehmer dimensioniert.

Journalisten, die dafür eine Akkreditierung erhalten hatten, durften sich ausschließlich im Bereich des Briefing-Centers, nicht aber auf dem restlichen Hotelgelände bewegen.

Eine weitere Weltbild-Quelle war der Flughafen München, wo es galt, Bilder von der Ankunft und Abreise der Staatschefs einzufangen. Für diesen Teil der Produktion war der Sender N-TV verantwortlich, der dabei mit zwei SNGs von Ü-Tec arbeitete.

Weiterer Bestandteil der Weltbildproduktion war auch das vom offiziellen Gipfelgeschehen abgekoppelte und im Vorfeld lange geheim gehaltene Treffen von Angela Merkel und Barack Obama im beschaulichen Ort Krün. Dort waren zwei SNGs von Phoenix und der Deutschen Welle im Einsatz.

»All diese Weltbildsignale, komplett in 1080i produziert, wurden im ZDF-Ü-Wagen MP4 zusammengeführt, der während des Gipfels in Garmisch stationiert war. In Garmisch befanden sich das Pressezentrum und letztlich auch eine Art »Broadcast Compound«. Der dort aufgebaute MP4 des ZDF fungierte als zentrale Weltregie. Von dort aus konnten die Sender, die berichteten, das Weltbildsignal abgreifen. Zusätzlich wurde es von der EBU verteilt«, erläutert Jörg Teufel. Diesen Bereich, der sozusagen die zentrale Fernsehregie des Gipfels darstellte, verantwortete Jörg Bösendörfer als Technischer Leiter des ZDF.

Das Weltbildsignal wurde via Satellit und im Pressezentrum in Garmisch direkt an die übertragenden Sender verteilt. »Auch wir selbst, als BR, haben das fertige Weltbildsignal an dieser Stelle für unsere eigene Berichterstattung übernommen, die wir aber zusätzlich mit weiteren, nur für uns nutzbaren Signalen von mobilen Teams anreicherten — so wie viele andere auch«, erläutert Jörg Teufel.

Die Weltbildproduktion begann am Sonntagmorgen um 6:00 Uhr morgens mit der Landung von US-Präsident Obama und dauerte bis Montagabend, wobei nachts zwischen circa 23:00 und 7:00 Uhr keine Übertragungen stattfanden.

Sicherheitsaspekte

Eine der Sicherheitsanforderungen verlangte, dass möglichst wenige Personen in die Detailplanung des Gipfels involviert wurden. Die Logik dahinter: Je weniger Personen überhaupt etwas wissen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Informationen an Dritte gelangen, die den Gipfel stören wollen oder die womöglich einen Anschlag planen.

Am striktesten waren die Vorgaben natürlich auf dem Tagungsgelände selbst, also unmittelbar im Umfeld von Schloss Elmau. Hier war man von der Organisationsseite aus auf höchste Sicherheit bedacht, aber auch darauf, dass keine Bilder entstehen konnten, wenn sich die Gipfelteilnehmer zu Beratungen oder Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trafen.

Jörg Teufel erinnert sich: »Im Vorfeld zeigte man uns lediglich grobe Pläne, die wir aber nicht mitnehmen und auch nicht fotografieren durften. Wir konnten zwar unsere Wünsche vortragen und erhielten irgendwann auch die Rückmeldung, dass es in etwa so passen könnte, aber sehr viel detaillierter wurde es zunächst nicht.« Letztlich mussten sich die Fernsehmacher damit arrangieren, anders zu arbeiten als üblich und mündlichen Zusagen zu vertrauen. »Üblicherweise geht man bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung so vor, dass es lange vorher schon einen minutiösen Ablaufplan gibt, auf dessen Basis dann Kamerapositionen und -abläufe festgelegt werden. Solche Angaben gab es beim Gipfel hingegen erst sehr spät, und wir mussten auch während des laufenden Gipfels mit einigen kurzfristigen Änderungen klarkommen«, berichtet Jörg Teufel.

»Es lief letztlich so, dass wir uns mit dem Bundespresseamt im Vorfeld auf bestimmte Bildpositionen geeinigt hatten und wir im direkten Umfeld des Hotels auch nur an diesen Positionen zu bestimmten Zeiten Bilder produzierten«, so Jörg Teufel. »Wir konnten also keine durchgängige Geschichte über den gesamten Gipfel erzählen, sondern lediglich mit definierten Bildpositionen arbeiten und infolgedessen auch nur dann Bilder liefern, wenn sich die Staatschefs an einer bestimmten Bildposition befanden.« Diese Arbeitsweise war für die Teams zwar ungewohnt, hat aber letztlich trotzdem gut funktioniert, resümiert Jörg Teufel.

Kamerapositionen Elmau

Im unmittelbaren Umfeld von Schloss Elmau gab es 21 Kamerapositionen. Die meisten davon waren als Bildpositionen im Vorfeld bestätigt. Beim Aufbau der Kameras galt es dann aber einiges zu beachten, was die Produktionstechnik vor ungewohnte Herausforderungen stellte. »Die Kabelwege mussten wir so führen, dass niemals ein Staatschef über ein Kabel steigen musste. Deshalb legten wir Bereiche fest und definierten dann, von welcher Seite diese Bereiche verkabelt werden durften. Um das sinnvoll realisieren zu können, muss man aber eigentlich wissen, wie die Staatschefs gehen werden, oder erahnen, wie sie gehen könnten – schwierig, weil der genaue Ablauf lange unklar blieb. Wir planten also sehr vorsichtig und mussten teilweise sehr lange Kabelwege in Kauf nehmen, um das "Kreuzungsverbot“ garantieren zu können. Zudem mussten wir innerhalb bestimmter Grenzen auch darauf vorbereitet sein, dass an Stellen, wo zuvor Kabelwege geplant waren, plötzlich kurzfristig doch keine Kabel liegen durften. Aus diesem Grund haben wir schlussendlich auf dem eigentlich gar nicht so großen Hotelgelände rund 15 km Kamerakabel verlegt und einige zusätzliche Anschlusspunkte für uns eingeplant«, so Jörg Teufel.

Alle 21 Kamerapositionen auf dem Hotelgelände wurden mit BR-Kameras bestückt, vorwiegend Sony HDC-1400R und einige wenige 2400er. Weil nicht alle 21 Positionen parallel genutzt wurden, waren insgesamt 16 Kamerazüge im Einsatz.

»Die Kameras durften nicht dauerhaft auf den festgelegten Positionen installiert bleiben, weil die Staatschefs sich bei ihrem Treffen auch inoffiziell austauschen und eine etwas privatere, persönlichere Atmosphäre gewünscht ist. Es sollte also sichergestellt werden, dass Kameras nicht versehentlich laufen oder ferngesteuert Bilder aufzeichnen, wenn sie es gar nicht dürfen«, erläutert Jörg Teufel.

Nur einige wenige der Kameras durften also durchgängig aufgebaut bleiben, darunter eine, die etwas weitwinkligere Beauty-Shots vom Hotel lieferte. Ebenso die Kamera auf dem Ü-Wagendach und eine weitere Kamera im Eingangsbereich des Hotels, die mit einer 88fach-Optik ausgerüstet war.

»Alle anderen Kameras durften wir jeweils erst eine Stunde, bevor am jeweiligen Ort offiziell etwas geschehen sollte, auf- und dann auch wieder abbauen. Ein Stunde klingt zunächst nicht unbedingt knapp, aber wir konnten ja nicht kreuz und quer über das Gelände gehen und mussten für jeden Gang eine Sicherheitseskorte anfordern, da kann eine Stunde schon knapp werden. Die Kamera mit dem großen 88fach-Zoom durfte stehen bleiben, weil man eine Kamera mit so einer großen Optik nicht mal eben ab- oder aufbauen kann. Sie wurde aber bei Nichtbenutzung blickdicht abgedeckt«, erklärt Jörg Teufel.

Am Ende kam es dann so, dass aufgrund der Wetterlage der geplante Ablauf während des Gipfels kurzfristig verändert wurde und das Gruppenfoto der G7-Teilnehmer statt wie geplant um 16:00 Uhr schon um 14:00 Uhr realisiert wurde. »Das warf natürlich den kompletten Ablauf durcheinander und führte dazu, dass bei uns sogar Leute vom Bundespresseamt mit am Kabel standen, weil es sonst gar nicht gegangen wäre«, berichtet Jörg Teufel, der an dieser Stelle noch einmal hervorhebt, dass die Zusammenarbeit trotz der schwierigen Bedingungen außergewöhnlich gut funktioniert habe.

Die Beschränkungen in der Bewegungsfreiheit galten übrigens auch schon während der Aufbauphase, was natürlich für die BR-Mitarbeiter ebenfalls sehr ungewohnt war. Dies erforderte, dass man sich stets ganz genau überlegte, was man wann umsetzte. Insgesamt rund 100 technische Mitarbeiter des BR waren bei der TV-Übertragung des G7-Gipfels im Einsatz, sie arbeiteten in der heißen Phase im Zweischichtbetrieb.

»Wir haben mit minimalster Besetzung aufgebaut. Erst am Samstag vor dem Gipfel reiste das gesamte Team an. Das war sehr knapp, ich habe deshalb versucht, dass wir zumindest einen Tag in der Vorbereitung mit dem Team die Positionen und die diversen Kabelwege und ähnliches einmal durchgehen konnten, damit jeder ein Gefühl für das Gesamtkonstrukt bekommt, um im Problemfall besser handeln zu können«, berichtet Jörg Teufel.

Die komplette Verkabelung wurde mit Glasfasertechnik realisiert. »Wir hatten zunächst Bedenken, dass die Kabel bei den notwendigen mehrfachen Umbauarbeiten etwa an den Steckern leicht verschmutzen könnten, aber es hat alles problemlos funktioniert«, bilanziert Jörg Teufel.

Safety first

Nicht immer war es für die Fernsehproduktion ganz einfach, die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, beschreibt Jörg Teufel: »Es gab die Vorgabe, dass die Außenhülle der einzelnen Gebäudeteile nicht durchbrochen werden durfte. Wir konnten also weder durch geöffnete Fenster oder Türen Kamerakabel verlegen, noch durch Löcher, die wir — wie sonst hin und wieder praktiziert — zum Beispiel in eine Glasscheibe gebohrt hätten. Schlussendlich konnten wir aber in einem Gebäude dann doch für zwei Minuten mit der Kamera durch die Tür eintreten, eine bestimmte Aufnahme machen und das Gebäude dann wieder verlassen.«

Auch an anderer Stelle musste sich das Team um Jörg Teufel flexibel zeigen: »Wir haben erst ungefähr zwei Wochen vor der Veranstaltung erfahren, dass es einen Termin von Angela Merkel und Barack Obama außerhalb von Schloss Elmau geben werde, der mit bayerischer Tradition zu tun haben könnte und fünf Bildpositionen bieten würde. Mehr Infos gab es zunächst nicht.« Damit war aber zumindest klar, dass die beiden Staatschefs bei ihrem Treffen auch Wege zurücklegen würden — und somit auch mehrere Kameras benötigt würden.

Eine Woche vor der Veranstaltung erfuhr das Team dann, dass der Termin in Krün stattfinden würde. Zumindest war dann klar, dass man das Weltbild mit SNGs realisieren konnte. Jörg Teufel erzählt: »Ich habe dann bei der Telekom eine Leitung für unsere Kommunikationsanbindung bestellt.« Werner Melzer vom Hauptstadtstudio Berlin organisierte die SNG-Fahrzeuge fürs Weltbild. 

»Am Donnerstag vor dem Gipfel wurde kurzfristig entschieden, dass der Termin nicht wie zunächst avisiert vor der Kirche, sondern vor dem Rathaus in Krün stattfinden solle. »Also mussten wir noch einmal etliches umplanen, neue Kabelwege eruieren, Kamerapositionen festlegen. Das war unter den gegebenen Umständen eine echte Herausforderung — aber es hat ja geklappt«, berichtet Jörg Teufel.

Pro SNG waren in Krün jeweils zwei Kameras im Einsatz, eine davon an einer festen Kameraposition, die andere beweglich. Damit ließ sich das »gemütliche Zusammentreffen« der beiden Staatschefs in traditioneller Atmosphäre gut abdecken, so Jörg Teufel.

Bei den beweglichen Kameras setzte der BR fast ausschließlich auf kabelgebundene Systeme, vor allem aus Gründen der Betriebssicherheit, weil es bei einem Ereignis wie dem G7-Gipfel sehr umfassenden Funkverkehr auf allen Frequenzen gibt — und man auch Störungen des Funkverkehrs nicht ganz ausschließen kann. »Die Erfahrung zeigt einfach, dass bei solchen Events die Funkübertragung von Kamerasignalen nicht hundertprozentig störungsfrei betrieben werden kann. Deshalb haben wir alles, was kabelgebunden möglich war, auch so umgesetzt«, erklärt Jörg Teufel.

Nationale Berichterstattung

Für die nationale Berichterstattung nutzten die deutschen Sender das Weltbild und reicherten es teilweise um zusätzliche, eigene Signale an.

So gab es für die nationale Berichterstattung der ARD einen zusätzlichen, etwas vom Hotelgelände abgesetzten Bereich, von dem aus man im Hintergrund Schloss Elmau sehen konnte. Dort war der SNG-5 von RT1 im Einsatz und bediente zwei Aufsagerpositionen. Der SNG-5 gab das Ganze parallel über zwei Sendewege aus. So konnten ARD und BR parallel mit unterschiedlichen Präsentationen on Air gehen.

Auf dem Broadcast Compound in Garmisch hatte der BR für die nationale Berichterstattung eine weitere Presenter-Position eingerichtet und setzte dort den FÜ2 ein.

Auf dem Broadcast Compound war auch die Weltbildregie untergebracht, die das ZDF mit dem MP4 realisierte, und es waren zudem zahlreiche Produktionscontainer der Redaktionen und einige SNG-Fahrzeuge hier aufgebaut. Der SNG-3 des BR etwa diente als Uplink für das Signal des FÜ2, war zusätzlich aber auch mit zwei eigenen Kameras bestückt, um eine weitere Presenter-Position betreiben zu können.

»Auf diese Weise konnten wir in ARD und Bayerischem Fernsehen zeitgleich Unterschiedliches von verschiedenen Presenter-Positionen auf den Sender bringen«, erläutert Jörg Teufel. Der Sendeweg aller nationalen Signale lief über Glasfaser nach Freimann, der SNG war hier lediglich als Backup eingeplant.

Mit dem BR SNG-1 war in Garmisch auf unterschiedlichen Positionen auch noch ein SD-Fahrzeug im Einsatz. Für zusätzliche, nationale Bilder vom Flughafen war im Rahmen der Produktionsbeihilfe, mit der sich die ARD-Anstalten gegenseitig aushelfen, ein SNG-Fahrzeug des NDR vor Ort. In Krün erledigte ein BR-SNG-Fahrzeug aus Nürnberg den Job.

»Es waren auch etliche Gegendemonstrationen angekündigt, und man konnte im Vorfeld nicht wissen, wie sich das entwickeln und ob hier umfassendere Berichterstattung nötig werden würde. Für diese Fälle hatten wir zusätzliche SNGs und ein LiveU-Rucksacksystem eingeplant.«

So waren zwei SNG-Fahrzeuge von Telemobil in Klais und Mittenwald stationiert und auf mobile Einsätze an unterschiedlichen Positionen im Großraum Garmisch vorbereitet und dort auch im Einsatz. Weiter wurde ein Easylink-System des Hauptstadtstudios Berlin für Übertragungen aus dem Protestcamp genutzt. Ergänzend zu den Live-Sendemöglichkeiten waren auch 18 EB-Teams im Umfeld des Gipfeltreffens für den BR unterwegs.

Zur Übertragungssicherheit merkt Jörg Teufel an: »Mit zwei BGAN-Systemen hätten wir auch bei einem Ausfall des Mobilfunknetzes noch mit mobilen Systemen via Satellit senden können.« BGAN ist ein mobiler Dienst des Satellitenbetreibers Inmarsat für Breitband-Internet-Zugang und Telefonie.

Zentralregie nationale Berichterstattung

Als Zentralregie für die nationale Berichterstattung von ARD und BR fungierte das BR-Studio FM3 in Freimann. Dort liefen alle Gipfel-Signale zusammen.

»Um die Signale dort hinzubekommen, hatten wir ein Paket von acht zusammenhängenden Satelliten-Transpondern auf dem Astra-Satelliten gebucht. Dadurch konnten wir mit maximal sieben SNGs und einem Uplink in Freimann einen Signalaustausch zwischen allen jeweils aktiven SNGs bewerkstelligen, da durch den gemeinsamen Satelliten sich alle gegenseitig sehen konnten«, erläutert Jörg Teufel.

Insgesamt waren — etwa durch den überraschenden Zusatztermin in Krün — mehr SNGs im Einsatz als Satellitenverbindungen zur Verfügung standen. Einen Plan zu erstellen, der festlegte, wann welcher SNG auf welchem Transponder senden durfte, wurde deswegen etwas knifflig. »Das war alles recht aufwändig, hat aber fehlerfrei geklappt«, bilanziert Jörg Teufel.

Das nationale Sendesignal, das dann aus der Zentralregie FM3 abgegeben wurde, ging entweder an den BR, die ARD oder ins Online-Streaming. »In bestimmten Zeitfenstern haben weder die ARD, noch der BR live gesendet, dafür gab es stets ein Live-Streaming«, berichtet Teufel. Der Streaming-Anteil war beim G7-Gipfel vergleichsweise umfangreich.

Beitragsproduktion vor Ort in Garmisch

Ziel der BR-Fernsehredaktion war, dass die komplette Beitragsproduktion vor Ort in Garmisch stattfinden konnte, zumal die Redakteure direkt am Ort des Geschehens sein wollten, um enger am Ball bleiben und schneller reagieren zu können. Letztlich wäre es auch aufwändig gewesen, das komplette ENG-Material der 18 EB-Teams, die im Einsatz waren, zunächst in die BR-Zentrale nach Freimann übertragen zu müssen, um es dann dort zu bearbeiten.

Insgesamt wurden also 36 Container mit 75 Arbeitsplätzen für die ARD-Redaktionen neben dem Eisstadion in Garmisch aufgebaut, dort standen auch die zahlreichen Container der anderen Sender sowie die Weltbild-Zentralregie in Form des MP4 des ZDF.

»Wir haben in Garmisch für alle Redaktionen ein Shared-Storage-Schnittsystem auf Avid-Isis-Basis mit fünf Ingest-Kanälen aufgebaut. Als Ingest-Server dienten EVS-Systeme. Am Isis-System hingen zehn Avid-Schnittplätze. Zusätzlich gab es vier redaktionelle Sichtplätze, zwei Admin- und drei Logger-Plätze, letztere dienten zum sofortigen Verschlagworten des ingestierten Materials«, fasst Jörg Teufel zusammen.

Zwar besitzen auch SWR und ZDF solche Systeme, die man theoretisch im Rahmen der Produktionshilfe hätte nutzen können, die waren aber bereits anderweitig verplant. Deshalb arbeitete der BR beim Aufbau und Betrieb dieses Systems mit dem Dienstleister Malsehn aus Leipzig zusammen, der Schnittmobile betreibt.

»Ein System in dieser Dimension aufzusetzen und zu betreiben, ist nicht ganz einfach, aber durch diese Lösung konnten alle redaktionellen Anforderungen bestens erfüllt werden«, resümiert Jörg Teufel. Insgesamt waren 50 TB Speicherkapazität vor Ort verfügbar, genutzt wurden davon letztlich rund 9 TB.

Filebasiertes, trimediales Arbeiten

Der hohe Grad an filebasierter Vernetzung bei der G7-Produktion hat seinen Vorgänger in der Olympia-Installation von Sotschi (film-tv-video.de hatte darüber berichtet), wo erste wichtige Erfahrungen gesammelt wurden. Beim G7-Gipfel in Garmisch wurde das Konzept weiter ausgefeilt. Jörg Teufel urteilt im Rückblick: »In Sotschi befand sich noch einiges in der Testphase und im Probebetrieb. Bei der Produktion des G7-Gipfels konnten wir es dann richtig nutzen.«

Durch den hohen Vernetzungsgrad konnte jedes System optimal auf alle Komponenten zugreifen, und die Möglichkeit zu Filetransfers zwischen Garmisch, Freimann und ARD-aktuell beim NDR wurde intensiv genutzt.

»Wir haben beim G7-Gipfel das trimediale Arbeiten sehr intensiv betrieben. So gab es einen inhaltlichen Austausch zwischen Fernsehen, Hörfunk und Online, der eigentlich perfekt lief«, erläutert Jörg Teufel.

»Wir haben beispielsweise im Redaktionscontainer der Web-Aktualität einen Schnittplatz installiert. Der dort tätige Cutter konnte auf dem Videoserver des Fernsehens im Material browsen, eigene Beiträge schneiden und diese filebasiert nach Freimann exportieren.« Im Anschluss wurde das entsprechend kodierte File aus dem Avid-Isis-Produktionsnetzwerk in einen bestimmten Ordner auf den Arbeitsplatz-PC in Garmisch überspielt, von wo aus das Material direkt ins Internet gestellt und verbreitet werden konnte. »Die Redakteure waren mit diesem Workflow sehr zufrieden und konnten dadurch einerseits das gesamte Material nutzen, aber völlig unabhängig vom Fernsehen arbeiten und gestalten«, berichtet Jörg Teufel.

Ähnliche Abläufe konnte auch der Hörfunk umsetzen und sich etwa mit den Kollegen der Webaktualität abstimmen, schneiden und Beiträge exportieren, die dann automatisch im Digas-System des Hörfunks abgelegt wurden, also im digitalen System für die Bearbeitung von Audiomaterial.

Bei besonders wichtigen Interviews, etwa dem Fernsehinterview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, wählte das Hörfunk-Team einen anderen Weg, denn dieses Interview sollte möglichst zeitnah über den Sender gehen. Deshalb wurde es als SDI-Signal via Glasfaser direkt in die Büroräume des Hörfunks übertragen, dort per De-Embedder abgegriffen, ins Digas-System eingespeist und geschnitten. »Schneller hätte sich die Ausstrahlung nicht umsetzen lassen«, meint Jörg Teufel.

Zusätzlich gab es filebasiert die Möglichkeit, Archivmaterial des BR aus Freimann auszusuchen und auf den Server in Garmisch zu übertragen, sodass es dort lokal nutzbar war. Grafiken wurden ebenfalls in der BR-Grafik in Freimann produziert und konnten dann in Garmisch genutzt werden. Dazu mussten die Grafiker in Freimann die Vorlagen an ihrem Arbeitsplatz lediglich in einem bestimmten Ordner ablegen. Sie wurden dann automatisiert nach Garmisch übertragen und dort in einem Ordner auf dem Server abgelegt.

Jörg Teufel resümiert: »Anfangs hatten wir gar nicht vor, das System so weit auszubauen, aber im Verlauf des Projekts stiegen die Anforderungen stetig, sodass wir schlussendlich dieses umfangreiche filebasierte Setup planten, das einen vorbildlichen trimedialen Austausch ermöglichte — und das vergleichsweise kostengünstig.«

Dass dabei die Netzsicherung ein wichtiges Thema darstellte, verschweigt Jörg Teufel nicht: »Dabei geht es um Sendesicherheit, wir müssen uns bei einer solchen Installation natürlich auch vor Hackerangriffen und Sabotage schützen.«

Das Thema Sicherheit wird die Branche wohl auch künftig in ganz unterschiedlichen Facetten bewegen. Nicht nur bei technisch anspruchsvollen Produktionen wie dem G7-Gipfel, sondern auch im regulären Sendebetrieb — das ist spätestens beim Hackerangriff auf die französische Sendergruppe TV5Monde in diesem Jahr klar geworden.

Zahlen und Fakten zum Gipfel

• Programme und Berichterstattung im Überblick

  • 14 Stunden Bilder und Berichte aus Elmau
  • 2 Millionen Zuschauer verfolgten die Berichterstattung
  • Top-Reichweite bei »BR Extra« am Sonntag um 19.00 Uhr: 510.000 Zuschauer
  • 27 Rundschauen, 17 Rundschau-Magazin-Beiträge
  • 45 Tagesschauen, 21 Tagesschau-24-Beiträge
  • 12 Tagesthemen-Stücke, 37 Schalten
  • 2 Stücke für das Europamagazin
  • Schalten für Presseclub und Weltspiegel
  • Außerdem in der ARD: Bericht aus Berlin, Brennpunkt, Münchner Runde
  • 24 Sendestunden Weltbild

• BR-Hörfunkprogramme

  • 200 Beiträge, Nachrichtenminuten, Hintergrundstücke, Reportagen, das sind insgesamt rund 6,5 Stunden kompakte Information
  • 259 Live-Gespräche plus Vor- und Nachberichterstattung, da sind insgesamt mehr als 13 Stunden Live-Gespräche

• Internet-Auftritt

  • Insgesamt 444.139 Visits
  • Am stärksten gefragt war das G7-Dossier mit fast 173.000 Visits
  • Der Event-Stream wurde am Sonntag 23.000 mal aufgerufen, am Montag 800 mal.

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