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Realitätsverlust?

Gedanken zur IBC2016.
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Die IBC2016.

In einem ziemlich alten, ziemlich albernen Film mit dem deutschen Titel »Die nackte Kanone« spielte der vor knapp sechs Jahren verstorbenen Leslie Nielsen den sehr ungeschickten, aber umso selbstbewussteren Polizisten Frank Drebin. Der Film strotzt nur so vor Parodien berühmter Filmszenen, vor Slapstick und wahnwitzigen Dialogen. Unter anderem gibt es in dieser Komödie eine Passage, in der eine Feuerwerksfabrik explodiert — natürlich als Folge einer zuvor immer weiter eskalierenden Folge von Missgeschicken und dummen Zufällen.

Frank Drebin stellt sich dann vor die Desasterzone und ruft den Schaulustigen zu: »Also gut Leute, weitergehen, weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nicht das Geringste zu sehen Leute.« Aber im Hintergrund läuft derweil ein einziges katastrophales Armageddon aus immer heftigeren Explosionen ab. (https://youtu.be/nj_DnV0Q7P0)

So ähnlich wie Frank Drebin arbeiten auch manche PR- und Marketingleute: Sie verneinen das Offensichtliche. Das konnte man auch während der IBC2016 an verschiedenen Stellen in der Praxis beobachten. Mag sein, dass die Frank-Drebin-Methode in Einzelfällen schon mal funktioniert hat, in aller Regel ist aber das Gegenteil der Fall.

Nun erwartet niemand ernsthaft, dass der Propagandabeauftragte eines Unternehmens ein objektives, wahrhaftiges Bild zeichnet: Er oder sie wird schließlich dafür bezahlt, das Unternehmen, seine Aktivitäten und Produkte im besten Licht erscheinen zu lassen, das Glänzende noch mehr zum Scheinen zu bringen und die dunklen Punkte im Schatten verschwinden zu lassen. Aber man kann es eben auch einfach übertreiben und in den Realitätsverlust abgleiten.

Der Redaktion begegneten während der Messe etliche solche Fälle, aber nehmen wir als nahezu willkürliches Beispiel einfach mal die Überschrift der Abschlusspressemeldung der IBC: »IBC2016 Triumphs in Transformation«.

Die IBC2016 war, zumindest nach dem Eindruck der Redaktion von film-tv-video.de, tatsächlich unter vielen Aspekten keine schlechte Messe. Aber ein Triumphzug, ein einziger glänzender Erfolg?

Amsterdam ist zweifellos eine anregende, interessante Metropole, die auch als Messestadt einige Attraktionen zu bieten hat: einen internationalen Flughafen, Hotelkapazität und vielfältige Gastronomie etwa — inklusive Rotlichtbezirk und Koffieshops.

Weil aber die Leute sowieso kommen, sehen der Betreiber des Messegeländes RAI und die Stadtverwaltung offenbar gar nicht ein, sich besonders anzustrengen. Überfüllte Trams und Metros, die zu Stoßzeiten in der Kurzzugversion eingesetzt werden, Messehallen die entweder Treibhaus- oder Kühlschranktemperaturen haben, ein offenes W-LAN aus der Steinzeit, ein in weiten Teilen sediert und überfordert wirkendes Catering — und das alles bei immer weiter steigenden Preisen: Mit solchen Aspekten ist die IBC aufgrund des Austragungsorts seit Jahren belastet. Das könnte eine Folge verkrusteter Strukturen hinter den Kulissen sein — und falls es einen Kampf dagegen gibt, blieb dieser bisher ziemlich erfolglos.

Den Triumphzug einer Messe stellen wir uns also — mit Verlaub gesagt — ganz anders vor. Aber das ist vielleicht auch nur unser Problem, denn Frank Drebin lehrt uns ja: »Hier gibt es nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nicht das Geringste zu sehen Leute.« Wir sagen hingegen, seit es diesen Newsletter gibt, gänzlich unbeirrt:

Sie werden sehen.

Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

 

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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