Broadcast: 15.10.2018

Media Broadcast: Viertage-Woche und Lohnverzicht?

Media Broadcast, Sendenetzbetreiber und Anbieter von Broadcast-Services, ist in erheblichen wirtschaftlichen Nöten. Die Gewerkschaft Verdi (NRW) hat dem Ersuchen der Geschäftsleitung entsprochen, Verhandlungen über eine Viertage-Woche und Lohnreduzierungen aufzunehmen.

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Media Broadcast ist seit 2017 eine Tochter der Freenet AG.

Die zuvor von der Geschäftsleitung gegebene Darstellung fasst Verdi NRW so zusammen: »Es besteht keine realistische Hoffnung, die dauerhaft sinkende Umsatz- und Erlösperspektive durch Neugeschäft in einer entsprechenden Größenordnung auch nur mittelfristig zu kompensieren.« Die Geschäftsleitung halte eine Sanierung durch einen sozialverträglichen Personalabbau mittels Abfindungen, Altersteilzeit usw. für unmöglich. »Durch die dauerhafte Einführung einer 4-Tage Woche, bei einer Kürzung der Wochenarbeitszeit um 20% ohne Lohnausgleich für das gesamte Unternehmen, sieht die Arbeitgeberseite eine Möglichkeit, das Unternehmen für die Zukunft stabil auszurichten und auf einen massiven Personalabbau inklusive betriebsbedingter Kündigungen zu verzichten.«

Aus Gewerkschaftssicht haben Management und Shareholder die Lage durch »Fehlentscheidungen bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens« zu verantworten. Ein weiterer Hintergrund seien »die technischen Entwicklungen des Marktsegmentes und die fehlenden Kompensationsmöglichkeiten.« Die Folgen dürften nicht den Mitarbeitern durch Lohnverzicht, Nachteile bei der Altersversorgung usw. auferlegt werden. Verdi werde daher Alternativen zu den Plänen der Firmenleitung prüfen.

Media Broadcast bestätigte inzwischen die Darstellung von Verdi. Ergänzend hieß es, die weniger wartungsintensive digitale Technik führe zu anhaltend niedrigerer Arbeitsauslastung. Zudem werde Mitte 2019 der Netzausbau des digitalen Antennenfernsehens mit DVB-T2 HD beendet. Einzige Alternative zur Viertage-Woche für alle sei der Abbau von bis zu 25 Prozent der Arbeitsplätze.

Die Geschäftstätigkeit geht aber weiter. Anlässlich der Landtagswahlen in Bayern am 14. Oktober 2018 wurden für die ARD, den Bayerischen Rundfunk, die Deutsche Welle sowie Regionalsender Parteizentralen, Sendestudios und Regien mit SNGs, Richtfunk und Glasfaserverbindungen zur Signalübertragung vernetzt. Produktionstechnik wie Kameras und breitbandige Internetverbindungen wurden an den Produktionsstätten bereitgestellt.

Regiefahrzeug von Media Broadcast.
Ein Regiefahrzeug von Media Broadcast im Einsatz – hier in Berlin während der Wahlnacht 2017.

Media Broadcast ging 1994 aus dem Rundfunkbereich der Bundespost hervor. Das Unternehmen betreibt Sendenetze für die digitale Verbreitung von Radio (DAB+) und Fernsehen (DVB-T2 HD) sowie einige Programmplattformen, darunter Freenet TV mit HDTV-Programmen privater TV-Sender. Rundfunkveranstaltern werden außerdem sendetechnische Dienstleistungen für Außenübertragungen angeboten. Seit März 2016 ist Media Broadcast der Rundfunkbereich der Freenet AG. Im Frühjahr 2018 hatte man sich aus dem UKW-Sendemarkt zurückgezogen und verkaufte Sendetechnik und Antennen. Einige Erwerber drohten im Sommer mit Abschaltungen von Programmen und dem Abbau von Sendeantennen, würde ihren – von den Geschäftspartnern als überhöht bewerteten – Forderungen für Nutzungsgebühren nicht nachgekommen. Im Zusammenhang damit wurden gesetzliche Massnahmen gefordert, um die – auch für Information und demokratische Meinungsbildung wichtigen – Radio- und Fernsehprogramme vor solchen Drohungen zu schützen.

Die Muttergesellschaft Freenet AG hatte am 4. Oktober das Ausscheiden ihres Finanzchefs »auf eigenen Wunsch« zum Jahresende bekannt gegeben.

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Fotos: Media Broadcast, Dehn.
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