Branche: 06.02.2019

»Deal« oder »No Deal«?

1.039 TV-Programme haben eine Lizenz der britischen Regulierungsbehörde Ofcom, die bisher für alle EU-Länder gültig ist. Mit dem Brexit verlieren 700 Kanäle mit Ofcom-Zulassung, die auf Publikum in anderen Ländern zielen, ihre internationalen Lizenzen.

»Das Vereinigte Königreich profitierte Dank seiner Mitgliedschaft in der EU am meisten von der Explosion im europäischen Geschäft mit Kabel- und Satelliten-Programmen der vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte«, schätzt IHS-Markit-Direktor Tim Westcott ein. »Der wahrscheinliche Verlust eines Großteils dieses Geschäfts ist eine der vielen unbeabsichtigten Konsequenzen des Brexit.«

Grafik; IHS Markit, 1/2019.
Nur etwa jedes Dritte in England zugelassene TV-Programm benötigt nach dem Brexit keine EU-weite Sendeerlaubnis.

Die betroffenen Unternehmen müssen nun eine Niederlassung in einem EU-Land einrichten und bei der dortigen Medienbehörde eine dann EU-weit gültige Sendelizenz beantragen. Dass sich einige britische Unternehmen bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, zeigen u.a. Discovery (100 Kanäle), Sky und Sony (je 40 Kanäle), Discovery und DAZN, die bereits EU-Lizenzen haben und ihre Europazentralen verlegen. Die BBC sucht derzeit in den Niederlanden oder Belgien einen EU-Sitz. Laut IHS Markit zielen 260 Kanäle auf eines, 46 Kanäle auf mehrere EU-Länder. Weitere 218 Programme suchen ihr Publikum in Drittstaaten. Nicht zuletzt: 136 ausschließlich im UK und Irland verbreitete Kanäle müssen eine zweite Lizenz beantragen, um ihr gesamtes Verbreitungsgebiet zu erhalten.

In England lizenzierte Veranstalter, die Programme im Ausland anbieten, benötigen neue Zulassungen für die Verbreitung in die Länder Kontinentaleuropas. Im Falle »No Deal« würde deren von Ofcom ausgestellte Sendeberechtigung für den Kontinent sofort erlöschen. Ein geregelter Austritt Großbritanniens verschafft den betroffenen TV-Veranstaltern eine Gnadenfrist: Die neuen Lizenzen sind dann erst nach der im Brexit-Vertrag vereinbarten Übergangsperiode – also ab 2021 – erforderlich.

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