Postproduction, Test, Top-Story: 29.08.2000

Starkes Doppel

Fast Multimedia hat mit dem Schnittsystem Silver und dessen kleinem Bruder Purple jetzt zwei professionelle Schnittsysteme im Angebot. Jedes der Systeme zielt auf einen anderen Teilmarkt und das macht auch die verwendete Technologie deutlich: Silver basiert auf MPEG-, Purple auf DV-Technologie. Was bieten die beiden Testkandidaten?

Eine wichtige Gemeinsamkeit von Silver und Purple: Die Software ist in der Grundversion identisch und bietet die gleiche Funktionalität. Auch das von Fast entwickelte Sony-Schnittsystem ES-3 nutzt diese Software, die in der jüngsten Version auch Voice-Over bietet, also das nachträgliche Aufsprechen von Kommentaren zum geschnittenen Bild erlaubt. Unterschiede gibt es dagegen bei der Hardware der beiden Systeme: Während Silver mit MPEG-Technologie arbeitet, basiert das wesentlich preisgünstigere Purple auf DV-Technologie.

SILVER: ECKDATEN, GRUNDFUNKTIONALITÄT

Silver ist für die Bearbeitung von qualitativ hochwertigem Bildmaterial konzipiert. Die Grundversion des Systems kann mit verschiedenen Hard- und Software-Optionen erweitert werden.
In der Grundversion arbeitet das System mit MPEG-Technologie (MPEG-2 422P@ML, I-Frames only) und bietet in diesem Format eine variable Datenrate von 5 bis 50 Mbps. Silver ist in der Standard-Ausführung mit Ein- und Ausgängen für SDI-, FBAS- und Y/C-Signale bestückt. Die Grundkomponenten des Systems sind die Fast-Studio-Software, das PCI-Board und die Anschlussbox. Händler bieten Silver als Komplettsystem an, das nach Kundenwünschen konfiguriert wird.
Der Einstiegspreis für ein Komplettsystem liegt bei rund 30.000 Mark, mit allen Optionen und gut ausgestattetem Rechner kommt man bei einem Komplettsystem leicht auf einen Gesamtpreis von 50.000 bis 60.000 Mark oder mehr.
Das Testsystem bestand aus einem Dual-Intel-Pentium-III-Rechner von Intergraph mit 700-MHz-Taktrate (256 MB RAM, 4 x 18 GB Video-RAID), das mit dem Beschleuniger-Board InTime, einer DV-Option und der Software Fast Studio 2.5 ausgerüstet war.

PURPLE: ECKDATEN, GRUNDFUNKTIONALITÄT

Purple ist für DV- und DVCAM-Editing konzipiert. Während Silver intern stets mit MPEG-Kodierung arbeitet und alle ankommenden Signale in dieses Format umwandelt, arbeitet Purple durchgängig auf DV-Basis. Die von einem DV- oder DVCAM-Gerät zugespielten Signale werden also in ihrem ursprünglichen Format gespeichert. Ein Purple-Komplettsystem inklusive Rechner (667-MHz-Pentium, 128 MB RAM, 18-GB-Festplatte) kostet 9.900 Mark netto. Als Rechnerbasis von Purple kommen Kayak-PCs von HP zum Einsatz. Wie für Silver, gibt es auch für Purple verschiedene Optionen (siehe Kasten). Rüstet man das System mit allen Optionen auf und baut es damit zu höherer Leistungsfähigkeit aus, kommt man in Preisregionen um rund 30.000 Mark.
Fast nutzt bei Purple einen echtzeit-fähigen Software-DV-Codec, wodurch keine spezielle DV-Hardware mehr erforderlich ist. Fürs Einspielen der DV-Signale ist lediglich noch ein IEEE-1394-Board für die Verbindung zwischen PC und DV-Peripherie notwendig.
Das Purple-Testsystem bestand aus einem Dual-Pentium-III-Rechner mit 600 MHz (256 MB RAM, 2 x 18 GB Video-RAID) und der Software Fast Studio 2.5 Purple.XL.

SOFTWARE: FAST STUDIO 2.5

Die Schnitt-Software Fast-Studio läuft auf Silver wie auf Purple, allerdings bietet Silver aufgrund der Hardware die leistungsfähigere, also schnellere Bearbeitung des Materials. Weiterer Unterschied am Rande: Während die Software-Oberfläche von Silver dezent grau ist und fast schon etwas kontrastarm wirkt, hat die Oberfläche von Purple wie der Name schon sagt einen leichten Stich ins violettfarbene.
Silver wie auch Purple sind als Zwei-Monitor-Systeme ausgelegt. Man kann zwar theoretisch auch mit einem Monitor arbeiten, das ist aber nicht empfehlenswert. Die Aufteilung der Oberfläche ist klassisch und orientiert sich in vielen Punkten am weit verbreiteten Avid-Vorbild: Es gibt ein Source-Fenster, ein Record-Fenster und darunter die Timeline. Beide Systeme bieten aber die Möglichkeit, die Oberfläche individuell anzuordnen, und jeder Editor kann entscheiden, welche Elemente er permanent auf seiner Oberfläche sehen möchte und welche nicht.

Der Schnitt selbst orientiert sich an bekannten Mustern des nonlinearen Editings. Anwender, die schon mal mit einem Avid-System gearbeitet haben, werden sich bei den grundlegenden Funktionen mit Purple und Silver schnell zurechtfinden, auch wenn es in den Details teils größere Bedienunterschiede gibt.

EFFEKT-FUNKTIONEN

Ein echtes Software-Highlight sind die Effekt-Funktionen, darunter der Motion-Editor, der Keyer und die Farbkorrektur. Besonders überzeugend ist die Bedienung dieser Module gelöst. Zum einen kann man die einzelnen Parameter auswählen und dann unterschiedliche Zahlenwerte eingeben, um die verschiedenen Parameter zu verändern. Das ist ein üblicher Weg. Das Besonders an der Fast-Studio-Software besteht aber darin, dass die einzelnen Parameter auch bequem mit der Maus verändert werden können. Ein Beispiel: Wer bei der Farbkorrektur Rot, Grün- und Blauanteile verändern will, muss keine unanschaulichen Zahlenwerte eingeben. Statt dessen lassen sich die Farbanteile direkt im Bild mit der Maus verändern. Das geht so: Bewegt man im linken Drittel des Bildes die Maus nach oben oder unten, erhöht oder senkt man den Rot-Anteil. Im mittleren Drittel des Bildes verändert man den Grün- und im rechten Drittel den Blau-Anteil. Jede Veränderung des Bildes ist also direkt sichtbar. Nach diesem Prinzip wird nicht nur in der Farbkorrektur gearbeitet, sondern auch beim Motion-Editor (etwa um Bilder größer oder kleiner zu ziehen) oder beim Keyer. Dieses Arbeiten ist sehr bequem und intuitiv, und vor allem ist das Ergebnis sofort zu sehen.

FAZIT

Mit den beiden Schnittsystem Silver und Purple entwickelte Fast ein leistungsstarkes Doppel und deckt den Markt mit nur zwei Grund-Systemen und den verschiedenen Optionen auf einer relativ großen Breite ab.
Silver eignet sich für professionelle Anwendungen, bei denen hohe Bildqualität, flexible Anschlussmöglichkeiten und besonders effektive Nachbearbeitung gefordert sind: ein Allround-System, das den Großteil aller Anwendungen und Anforderung im nonlinearen Editing erfüllt.
Purple wiederum ist konsequent als kostengünstiges System für die Nachbearbeitung von DV-Material konzipiert. Das bringt auch Einschränkungen mit sich: Mal schnell noch ein Stück Archiv-Material einspielen, das auf Betacam-SP-Kassetten vorliegt, ist damit nicht möglich. Dafür müßte man zuerst eine DV-Kopie ziehen, oder einen externen Wandler einsetzen, der analoge YUV-Signale in digitale DV-Signale umkodiert, denn Purple akzeptiert Bildmaterial lediglich im DV-Format via IEEE-1394. Auch mit anderen Bandformaten und der Zuspielung von SDI-Signalen sind Umwege unvermeidlich.
Wer die Anschlussvielfalt aber nicht benötigt, sondern durchgängig mit DV-Material arbeitet und mit der dabei erreichbaren Qualitätsstufe zufrieden ist, kann ruhigen Gewissens auf Purple setzen.

Downloads zum Artikel:

T_0800_SilverPurple.pdf