Kamera, Messe, Top-Story: 02.10.2001

IBC2001-Produkte, Teil 06: Camcorder

Eine Auswahl neuer Produkte der IBC2001.

Ikegami: IMX-Disk-Camcorder verfügbar, HD mit DVCPROHD
Mit den aktuellen Versionen seines Disk-Camcorders Editcam, den Modellen DNS-21W und DNS-201W, erschließt Ikegami neue Anwendungsfälle: Beide Camcorder beherrschen jetzt auch das D10-Format, das besser unter der Bezeichnung MPEG-IMX bekannt ist. Damit bietet Ikegami die auf Wechsel-Festplatten aufzeichnenden Camcorder mit insgesamt acht verschiedenen Auflösungsstufen und Kompressionsverfahren an. Neben den Avid-Auflösungen AVR-70BH und AVR-75 stehen JFIF mit 3:1- und 10:1-Kompression zur Verfügung, aber auch DVCAM, DVCPRO25, DVCPRO50 und nun eben zusätzlich IMX.
Prinzipiell beherrschen die beiden Editcams alle diese Verfahren, aber Ikegami hat sich zu einem neuen Vermarktungsprinzip entschlossen: Der Kunde entscheidet, welche Verfahren er nutzen will und bezahlt auch nur dafür. Entscheidet er sich später, auch andere Formate nutzen zu wollen, kann er diese freischalten lassen, was per Software-Upgrade möglich ist. Die Freischaltungs-Software wird per FieldPak angeliefert und in den Camcorder übertragen.
Auch der Dock-Diskrecorder DNR-20, der sich per 50- oder 79-Pin-Schnittstelle mit verschiedenen Kameras kombinieren lässt, beherrscht nun die genannten Auflösungen und Kompressionsverfahren.
Generell sieht man bei Ikegami, ganz im Unterschied zu anderen Anbietern, eine zunehmend positivere Haltung im Markt gegenüber Disk-Camcordern. Die Kunden und Interessenten schätzen demnach besonders die Flexibilität und die hohe Arbeitsgeschwindigkeit, die Disk-Systeme mit sich bringen.
Im HD-Bereich setzt Ikegami auf die Kooperation mit Panasonic und bietet mit dem HDL-V90 einen Single-Piece-HD-Camcorder mit DVCPROHD-Laufwerk an. Der Camcorder ist mit drei 2/3″-FIT-CCDs bestückt, die 2,2 Millionen Pixel aufweisen. Damit lassen sich 1080i-Aufnahmen realisieren. Die Bildsignale der CCD-Chips werden mit 12-Bit quantisiert, die weitere Signalverarbeitung erfolgt mit 30 Bit. Äußerlich, von der Bedienung und auch von der Leistungsaufnahme (35 W im Aufnahmebetrieb) gleicht der HDL-V90 dem DVCPRO50-Camcorder von Ikegami, der Body wiegt laut Hersteller rund 4,8 kg. Einen Variable-Speed-Camcorder will Ikegami auf der Basis dieses Geräts ebenfalls entwickeln.

JVC: GY-DV300 als VX2000-Alternative
Mit einem neuen Camcorder im DV-Format rundet JVC seine Profi-Palette nach unten ab und will ein Konkurrenzmodell zum DCR-VX2000 und dessen Profi-Variante DSR-PD150 von Sony auf den Markt bringen.
Das Silberrohr von JVC erinnert nicht nur von der Farb- und Formgebung an den Sony-Camcorder DCR-VX2000 und dessen Variante DSR-PD150 (einen Doppeltest dieser beiden Geräte finden Sie in der Info-Zone). Der GY-DV300E zielt mit seinem Listenpreis von rund 4.000 Euro und der umfangreichen Ausstattung auch auf das gleiche Marktsegment: Der Camcorder bietet ein 14fach-Zoom-Objektiv, ist mit drei 1/3-Zoll-CCD-Bildsensoren bestückt und verarbeitet die Signale intern im 12-Bit-Modus. Das ausklappbare LC-Display und auch der integrierte Sucher sind als Farbschirme ausgeführt. XLR-Tonbuchsen erlauben den Anschluss von professionellem Audio-Equipment, die DV-Buchse (IEEE-1394) ist als Ein- und Ausgang für digitale Bild- und Tonsignale nutzbar. Das Laufwerk soll dem des größeren JVC-DV-Camcorders GY-DV500 (einen Test des GY-DV500 finden sie in der Info-Zone) entsprechen und damit robuster sein als normale Consumer-DV-Laufwerke.
Zusätzlich zur DV-Aufnahme soll es der neue GY-DV300 auch erlauben, im MPEG-4-Format mit reduzierter Bildqualität auf Speicherkarten im FlashCard-Format aufzuzeichnen. Hiermit sollen Streaming-Anwendungen direkt vom Camcorder aus möglich werden, ohne die aufgenommenen Sequenzen nachträglich komprimieren und bearbeiten zu müssen.
Im Handel soll der neue JVC-Camcorder eventuell schon ab Ende 2001 verfügbar sein, es wurde an anderer Stelle aber auch der Januar 2002 als Lieferstart genannt. Während der IBC2001 war am JVC-Stand noch kein funktionsfähiger Prototyp oder gar ein verkaufsnahes Vorserienmodell zu sehen, sondern lediglich ein nicht funktionsfähiges Design-Modell.
Nicht am JVC-Stand zu sehen: der Disk-Camcorder und der Dock-Diskrecorder den das Unternehmen zur IBC2000 und zur NAB2001 gezeigt hatte. Beide Produktlinien sind dem Vernehmen nach vorerst auf Eis gelegt, weil die Kundenresonanz nicht gut war.

Panasonic: DVCPRO-Camcorder mit großer Kassette
Mit dem AJ-D410 bringt PANASONIC einen DVCPRO-Camcorder auf den Markt, den man entweder als DVCPRO-Variante des DV-Camcorders AG-DVC200 betrachten kann, oder als modernisierte und verbesserte Version des AJ-D215H. So oder so: Es handelt sich um einen DVCPRO-Camcorder, in dessen Laufwerk die große Kassette mit maximal 270 Minuten Laufzeit passt und dessen Kamerateil mit drei 1/2″-IT-CCDs bestückt ist.
Ebenfalls noch ziemlich frisch: Der AG-DVC200, ein Standard-DV-Schulter-Camcorder mit allen üblichen Features eines Broadcast-Camcorders und der kompaktere, eher auf Prosumer und den Corporate-Bereich abgestimmten AG-DVC15.
Nicht am Panasonic-Stand zu sehen: der Disk-Dockrecorder, der gemeinsam mit JVC entwickelt und zur NAB2001 vorgestellt worden war, aber offenbar von den Kunden nicht positiv aufgenommen wurde.

Sony: Listenpreis für IMX-Camcorder festgelegt
Als Listenpreis für den neuen Camcorder im IMX-Format hatte SONY ursprünglich 50.000 Euro angedacht. Dieser Preis weckte in der Branche heftige Diskussionen und Widerspruch, nun legte Sony den offiziellen Listenpreis auf 42.000 Euro fest. Dafür bietet der MSW-900P die jüngsten IT-CCD-Bildsensoren in einer umschaltbaren Version (4:3/16:9) mit 12-Bit-Signalverarbeitung und Aufzeichnung im 50-Mbps-IMX-Format.
Als Speichermedium für individuelle Camcorder-Einstellungen nutzt der IMX-Camcorder den aus dem Consumer-Bereich von Sony bekannten Memory-Stick. Optional kann der MSW-900 mit der von Sony bisher nur bei den jüngsten Digi-Beta-Camcorder-Modellen verfügbaren Loop-Recording-Funktion ausgestattet werden. Dabei werden in einer Endlosschleife jeweils 10 Sekunden Bild und Ton in einen Zwischenspeicher geschrieben. Drückt der Kameramann auf den Start/Stopp-Knopf des Camcorders, dann läuft das Band los und es werden alle Bilder und Töne auf Band aufgezeichnet, die von der Kamera im Zeitraum von 10 Sekunden vor dem ersten Knopfdruck bis zum zweiten Knopfdruck erfasst wurden. Außerdem lässt sich der IMX-Camcorder optional mit einem Composite-Input bestücken, damit speziell bei News-Außeneinsätzen auch extern zugespieltes Bildmaterial, etwa von einem Newspool, kopiert und mitgeschnitten werden kann. Der Camcorder soll rund sechs Kilogramm wiegen, den Rauschabstand gibt Sony mit 63 dB an.
Den von einigen deutschen Sendern für das Jahr 2002 erhofften IMX-Disk-Camcorder zeigte Sony im Unterschied zum Band-Camcorder nicht am Stand.

Downloads zum Artikel:

T_1001_IBC2001_Produktstory.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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