Kamera, Test, Top-Story: 15.10.2004

Praxistest: Panasonic-DV-Camcorder AG-DVC30

Der kleine Bruder des AG-DVC100A hat Großes zu bieten: Dreichip-DV-Funktionalität gepaart mit vielen professionellen Funktionen. Ein Praxistest.

AG-DVX100A minus 25P ergibt AG-DVC30: So lautet die stark verkürzte Faustformel für den DVC30. Wie jede Faustformel ergibt sie aber nur einen Näherungswert: Die Unterschiede sind größer, als ein flüchtiger Blick vermuten ließe. Panasonic hat nicht einfach nur die 25P-Funktionalität des DVX100A weggelassen, um mit dem DVC30 dessen kleinen Bruder zu kreieren. Bei aller Ähnlichkeit fehlt dem Kleinen mehr als nur ein Feature, um zum Erfolgsmodell DVX100A (siehe Testbeitrag) auf zu schließen. Dafür ist der DVC30 auch kleiner, leichter und preisgünstiger.

Basis-Infos
Design, Leica-Dicomar-Objektiv, drei CCD-Chips und ein Nettopreis von 2.690 Euro machen klar: Der DVC30 wendet sich an eine Klientel, die zu einem vernünftigen Preis professionell im DV-Format arbeiten will. Die Verwandtschaft zum DVX100A kann der DVC30 nicht verleugnen, seine Feature-Liste ist fast so eindrucksvoll, wenn auch nicht ganz so umfangreich: So stehen neben zahlreichen Funktionen, mit denen sich das Bild manuell beeinflussen und anpassen lässt, beim DVC30 manuelle Tonaussteuerung, Synchro Scan für flimmerfreies Abfilmen von Monitoren und eine infrarotgestützte Low-Light-Funktion zur Verfügung. Der multifunktionale, nicht mechanisch verkoppelte Objektivring dient zum manuellen Scharfstellen, Zoomen und Blendenregeln, wenn die entsprechenden Automatiken abgeschaltet sind. Weitere Funktionen aus der Profiwelt: Per Knopfdruck lässt sich ein Falbbalken einblenden, die integrierte Zebra-Funktion markiert überbelichtungsgefährdete Stellen des Motivs im Sucher schraffiert.

Ausstattungs-Vergleich: AG-DVX100A und DVC30
Zunächst zu den wichtigsten Gemeinsamkeiten und Differenzen der Panasonic-Geschwister: Der DVC30 hat eine ganz ähnliche Bauform wie der 100er, auch er ist mit drei CCD-Chips bestückt, zeichnet im DV-Format auf und verfügt über ein 16fach-Leica-Dicomar-Objektiv.
Im Unterschied zum DVX100A werden die Bildsignale im DVC30 jedoch nicht mit 1/3-Zoll-Chips, sondern mit kleineren 1/4-Zoll-Bildwandlern erzeugt.
In puncto Funktionalität hat Panasonic beim DVC30 ein paar Features eingespart. Wichtigster Unterschied ist natürlich die 25P-Aufzeichnung, die lediglich dem DVX100A vorbehalten ist. Die Panasonic-Ingenieure haben dem DVC30 zwar den Modus »Frame Recording« spendiert, in dem er 25 Frames pro Sekunde aufzeichnen kann, dahinter verbirgt sich allerdings die auch aus anderen Camcordern dieser Klasse als »Frame Mode« bekannte Hilfsfunktion und kein echtes 25P.
Etliche sinnvolle Funktionen, die es schon beim 100er gab, stehen auch beim DVC30 zur Verfügung, allerdings teilweise in abgespeckter Form und meist etwas umständlicher in der Bedienung. So gibt es auch beim DVC30 die Möglichkeit, verschiedene Bildparameter als »Scene-Files« zu speichern und später wieder ab zu rufen. Im Unterschied zum DVX100A umfassen die Scene-Files des DVC 30 jedoch weniger Parameter: Knie und Farbmatrix etwa stehen nicht zur Auswahl. Auch sind die verschiedenen Scene-Files beim DVC30 nicht direkt über ein Rändelrad abrufbar wie beim DVX100, sondern nur via Suchermenü. Das ist etwas umständlicher und dauert länger, was vor allem in Drehsituationen auffällt, bei denen man rasch verschiedene der gespeicherten Bildeinstellungen ausprobieren möchte.
Wie der DVX100A ist auch der DVC30 mit individuell belegbaren User-Tasten ausgerüstet. Für jede der Tasten kann aus einer Liste von Funktionen ausgewählt werden, was mit dieser Taste direkt abrufbar sein soll. Das ist sehr nützlich und hilfreich, spart es doch öfter den Umweg übers Einstellmenü. Zur Verfügung stehen hier Backlight, AE-Lock, Push-Autofocus und andere.
Generell lässt sich zur Bedienung sagen: Man kann dem DVC30 in fast allen Drehsituationen sehr ähnliche Bilder entlocken wie dem DVX100, allerdings nicht so schnell und bequem.
Was der DVC30 bietet, dem DVX100A aber fehlt, ist der High-Sensitivity-Aufzeichnungsmodus (SNS = Super Night Shot). Damit lassen sich sogar bei stockdunklen Szenen noch Bilder aufs Videoband bannen. In diesem Modus strahlt der Camcorder das Aufnahmeobjekt aus integrierten Infrarot-LEDs an, die beim DVC30 direkt unterm Objektiv sitzen. Die Reflexionen dieser Infrarotstrahlen werten die Bildwandler des Camcorders dann aus. Das Ergebnis sind Schwarzweiß-Bilder mit Nachtsichtgeräte-Charakter: Diese Funktion eignet sich am ehesten für Überwachungszwecke, Verbrechens- oder Verhaltensdokumentation. Mit einer optional erhältlichen, zusätzlichen Infrarotlampe soll es möglich sein, die Szenerie besser und gleichmäßiger aus zu leuchten, es bleibt aber im SNS-Modus immer bei Schwarzweiß-Bildern.
Ein Ausstattungs-Plus des DVC30 gegenüber anderen Camcordern ähnlicher Bauart: Wie der große Bruder DVX100 bietet auch er analoge und digitale I/Os und es ist ein optischer Bildstabilisator integriert. Positiv fällt auch die Zoomsteuerung des Camcorders auf: Sie bietet einen enorm breiten Geschwindigkeitsbereich; Die komplette Zoom-Range kann bei Bedarf in einer Sekunde, aber auch in bis zu 100 Sekunden »durch fahren« werden.

Bedienung
Der DVC30 ist von der Bauform her etwas kleiner als der DVX100A und daher auch etwas leichter: Er wiegt ohne Akku und Zubehör rund ein Kilogramm weniger. Mit aufgeschraubtem Henkel lässt sich der DVC30 halten und führen wie andere bekannte Henkelmänner, er liegt dabei auch ausgesprochen gut in der Hand. Allerdings sind in dem aufsteckbaren Griff keinerlei Bedienelemente enthalten.
Das ausklappbare Farbdisplay hat eine Diagonale von 3,5 Zoll mit 200.000 Bildpunkten und überrascht mit vergleichsweise kontrastreichen Bildern. Wer das Bild lieber im Sucher betrachtet, hat beim DVC30 die Möglichkeit, zwischen Farb- und Schwarzweißdarstellung um zu schalten. Die Auflösung bleibt dabei zwar unverändert, aber dem einen oder anderen mag es bei einem Schwarzweißbild leichter fallen, die Schärfe zu beurteilen.
Im Unterschied zum DVX100A ist der DVC30 allerdings etwas komplizierter zu bedienen. Das liegt in erster Linie daran, dass etliche Funktionen, die auch der große Bruder bietet, im Menü versteckt und nicht mit direkten Tasten zugänglich sind. Das bedeutet in letzter Konsequenz: Es ist zwar möglich, mit dem DVC30 einen Großteil dessen zu realisieren, was auch der DVX100A kann, aber man muss sich etwas mehr Zeit dafür nehmen.

Bild & Ton
Wer die Bild- und Tonqualität des DVX100A kennt und in Relation zum Preis des Camcorders setzt, der weiß, dass es hier kaum Ansatzpunkte für Kritik gibt. Das Gleiche gilt letztlich auch für den DVC30: Der DV-Camcorder bietet ein ausgesprochen ausgewogenes und realitätsnahes Bild. Detailreiche Motive löst der Camcorder auch dann noch sehr gut auf, wenn andere Camcorder schon längst einpacken müssen. Dabei setzt der DVC30 nicht auf Effekthascherei, sondern auf innere Werte, die es ihm ermöglichen, kontrast- und auflösungsreiche Bilder auf zu zeichnen, die in der DV-Klasse absolut überzeugend sind. Bei kritischen Motiven kommt der 30er nicht ganz an den DVX100A heran, hier macht sich einfach die größere CCD-Fläche des 100ers bemerkbar.
Auch in puncto Ton gibt es beim DVC30 wenig zu Mäkeln: Er zeichnet sogar mit dem eingebauten Mono-Mikrofon einen ordentlich Ton auf, der in den Bässen auch recht voluminös wirkt und lediglich in den Höhen etwas luftiger klingen könnte. Das gilt allerdings nur für den Bereich in unmittelbarer Nähe des Objektivs: Wenn die Tonquellen jenseits der 3-m-Grenze liegen, reicht der Pegelbereich kaum noch aus, um den Ton auf ein ordentliches Lautstärke-Niveau zu heben. Entsprechend sinkt etwa die Sprachverständlichkeit deutlich ab, was sich wegen des stets vorhandenen Grundrauschens auch in der Postproduktion der Aufnahmen nicht mehr wirklich korrigieren lässt.
Deshalb empfiehlt sich für den DVC30 die Anschaffung des optional erhältlichen Mikrofonadapters AG-MYA30G. Der erlaubt es, an den Camcorder via XLR ein besseres, professionelles Mikrofon an zu schließen. Die beiden XLR-Kanäle des Mikrofonadapters lassen sich auch auf Line-Betrieb umschalten.
Positiv: Handlinggeräusche, die sich per Körperschall auf das Mikrofon übertragen können, fallen beim DVC30 weit weniger ins Gewicht als bei anderen Camcordern seiner Klasse. Störende Laufwerksgeräusche, wie man sie bei der Tonaufzeichnung anderer Camcorder als Störgeräusche ebenfalls kennt, haben die Ingenieure beim DVC30 weitestgehend eliminiert.

Fazit
Der AG-DVC30 eignet sich für Videoprofis, die Wert auf eine gute DV-Bildqualität zu einem vernünftigen Preis legen und dabei einen kompakten, relativ leichten 3-CCD-Camcorder suchen. Im Direktvergleich mit dem DVX100A zieht der DVC30 den Kürzeren, aber bei den wichtigsten Punkten, der Bild- und der Tonqualität, liegen keineswegs Welten zwischen diesen beiden Camcordern. Mit einem ordentlichen Mikrofon bestückt, kann der DVC30 in puncto Bild und Ton in den allermeisten Aufnahmesituationen mit seinem großen Bruder mithalten. Die Defizite im Direktvergleich liegen viel stärker inden Bereichen Funktionalität und Bedienung. Dennoch: Mit einem Nettopreis von rund 2.690 Euro ist der DVC30 rund 1.800 Euro günstiger als der DVX100A – das dürfte für manchen ein absolut überzeugendes Kaufargument sein, das den Verzicht auf 25P und höheren Bedienkomfort rechtfertigt und aufwiegt.

Downloads zum Artikel:

T_1004_DVC30.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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