Test, Top-Story, Zubehör: 27.01.2009

Ausprobiert: Sonys neue Audio-Funkstrecken

Sony bietet mit der analogen UWP-Serie neues Funk-Audiozubehör zu günstigen Preisen an. film-tv-video.de hat die neue Serie einem Praxistest unterzogen.

Schon der erste Eindruck der neuen UWP-Serie fällt positiv aus: Sony hat sich für sehr robuste und kompakte Metallgehäuse entschieden und nicht wie bei den Vorgängermodellen für vergleichsweise unförmige und weniger wertige Plastikgehäuse. Dennoch bietet der Hersteller die Komponenten der UWP-Serie zu vergleichsweise günstigen Preisen an: Zum Nettopreis von rund 690 Euro sollen die Varianten UWP-V1 (Taschensender, Ansteckmikro, Empfänger) und UWP-V2 (Handfunkmikro, Empfänger) über den Ladentisch gehen, das Set UWP-V6 (Taschensender, XLR-Andocksender, Ansteckmikro, Empfänger) bietet der Hersteller für rund 1.150 Euro an.

Basics

Das generelle Prinzip aller UWP-Sets: Sie basieren auf einem Mikro, einem Sender am Mikro und einem Empfänger am Camcorder.

Zentrale und immer identische Einheit der Sets ist dabei der Diversity-Empfänger URX-P2. Er wird am Camcorder angebracht und empfängt die Audiodaten des jeweils eingesetzten Mikrosenders, der entweder direkt in das Handmikrofon eingebaut, als Taschensender oder als Mikro-Andocksender ausgeführt ist.

Für diesen Praxistest wählte film-tv-video.de drei Sets aus, die besonders für Videoreporter interessant sind. Je nach Modellreihe besteht die Wahl zwischen der Version CE62 (Sendefrequenz: 798 MHz bis 822 MHz) und CE67 (838 MHz bis 862 MHz), beide stellen jeweils 189 Kanäle zur Verfügung.

Set-Up

Der Audio-Empfänger kann über einen Clip an der Kleidung des Videoreporters oder an der Griffschlaufe des Camcorders befestigt werden, alternativ — und meistens praktischer — steht ein Adapter für den Zubehörschuh des Camcorders bereit. Das Aufstecken des Empfängers auf den Adapter ist zwar etwas fummelig, aber die Befestigung am Zubehörschuh des Camcorders hält gut und es gab in puncto Befestigung im Praxistest keine Probleme. Das Batteriefach für die beiden AA-Batterien sitzt gut zugänglich an der Seite des Empfängers. Für das direkte Abhören des ankommenden Tons gibt es eine 3,5-mm-Klinkenbuchse. Auch der Audioausgang für den Anschluss an den Camcorder ist als 3,5-mm-Klinke ausgeführt. Eine Überwurfmutter am beiliegenden Anschlusskabel (Klinke auf XLR) verhindert, dass der Stecker versehentlich abgezogen wird. Die beiden Antennen des Empfängers sind drehbar und mit Gelenken ausgestattet, so dass eine optimale Ausrichtung bei vertikaler wie horizontaler Befestigung des Empfängers gewährleistet ist. Neben dem An- und Ausschalter gibt es nur noch drei kleine Schaltelemente und ein beleuchtetes LC-Display.

Die gedruckte Anleitung ist zwar etwas dürftig, aber dank der einfachen Bedienung lässt sich das Set selbst von weniger erfahrenen Anwendern recht schnell und einfach in Betrieb nehmen. Allerdings fehlen auch einige wichtige Informationen in der Anleitung, etwa über die Input-Levels — hier muss man ein wenig experimentieren um das passende Set-Up im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Camcorder zu finden. Auch die Anzeige »Audio Frequency« wird nicht erklärt. Diese zeigt an, ob das Eingangssignal ausreichend stark ist, um eine störungsfreie Übertragung zu gewährleisten. Um das zu ermitteln, sendet die Funkstrecke ein Referenzsignal mit dem geringst möglichen Pegel aus, der sicherstellt, dass darunter keine Übertragung von Störgeräuschen stattfindet.

Das PLL-Synthesis-System, das auch bei Sonys wesentlich teurerer DWR-Serie eingesetzt wird, soll Überschneidungen mit anderen Sendern verhindern. Dazu sendet es einen Referenzton mit dem Audiosignal, und nur wenn auch dieser empfangen wird, gibt der Empfänger ein Signal ab.

Übertragung

Die einzelnen Komponenten der UWP-Serie nutzen analoge Sendetechnik für die drahtlose Tonübertragung. Dabei muss, je nach Signalstärke, die Bandbreite komprimiert übertragen werden. Die Schlagworte »analog« und »komprimiert« klingen natürlich erst einmal negativ und nach Qualitätsverlust — und das ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Doch gerade bei Sprachaufnahmen vor Ort, also bei Interviewsituationen oder Moderationen in einem nicht vollständig kontrollierbaren Umfeld, ist der Qualitätsverlust meist gar nicht der ausschlaggebende Faktor, sondern Betriebs- und Störsicherheit haben größere Bedeutung. Hier können analoge Systeme Vorteile ausspielen: Das große Plus einer analogen Übertragung besteht darin, dass das Signal im Normalfall nicht plötzlich ausfällt oder etwa schlagartig übersteuert und verzerrt. Stattdessen treten Störungen in der Regel nicht abrupt auf, sondern beginnen schwächer und wachsen langsam stufenweise an, so dass das Signal in einem wesentlich breiteren Bereich brauchbar bleibt und man während des weiter laufenden Betriebs korrigieren kann, ohne wiederholen zu müssen.

Die Bandbreite der übertragenen Frequenzen ist von der Datenübertragung her limitiert und kann je nach Signalstärke variieren. Der maximale Frequenzbereich liegt zwischen 40 Hz und 18 kHz. Der Signal/Rausch-Abstand liegt bei 60 dB. Im Zuge der Kompression der Audiofrequenzen für die Übertragung werden die Signale auch limitiert, so dass es nur selten zu Verzerrungseffekten kommen kann. Ein Vorteil analoger Systeme besteht also auch darin, dass die Funkstrecke gleichzeitig eine Art Limiter-Funktion ausübt, was gerade bei Camcordern hilfreich ist, die keinen eigenen Limiter besitzen — wie etwa Sonys EX1.

Die Übertragungsfrequenz für das Audiosignal sucht sich das System entweder automatisch oder sie wird manuell eingegeben. Die hierfür benutzten Schaltelemente sind jedoch mehrfach belegt, da kann es schon mal zu Verwechslungen kommen und nicht immer weiß man auf Anhieb, welche Taste man wie lange drücken muss, um in einen bestimmten Modus zu gelangen. Die Lautstärke des Kopfhörerausgangs wird ebenfalls hier eingestellt. Vor allem das Wechseln der Sendestärke ist umständlich. Daher empfiehlt es sich, das Handbuch anfangs immer parat zu haben.

Die automatische Frequenzsuche funktionierte im Praxistest immer problemlos. Beim Einsatz mehrerer Funkstrecken kann man einfach per Knopfdruck die nächst höhere Frequenz auswählen. Weiter ist es möglich, zwischen zwei Sendestärken zu wählen und entweder mit einem stärkeren Signal zu senden, oder aber mit einem schwächeren Signal Energie zu sparen. Bei freiem Gelände boten beide Modi eine gute Übertragung, aber auch in Messehallen und innerhalb einer Wohnung gab es keinerlei Ausfälle. Die Batterie-Anzeige ist mit zwei Balken zwar nicht besonders exakt aber immerhin hat man einen groben Indikator. Ein normaler Drehtag von sechs bis acht Stunden kann mit der niedrigen Sendeleistung selbst bei häufigem Einsatz der Funkstrecke mit jeweils zwei Batterien absolviert werden.

UWP-V1

Das Paket UWP-V1 enthält zusätzlich zum Empfänger den Taschensender UTX-B2 und wird mit einem Ansteck-Mikrofon ausgeliefert. Der sehr kompakte Sender kann mittels Clip an der Kleidung befestigt werden, passt aber auch in die Hosentasche. Die kleine Antenne ist flexibel und hat sich im Praxistest als robust erwiesen. Der Transmitter wird in den Übertragungsfunktionen letztlich genauso bedient wie der Empfänger. Beim Eingang lässt sich einstellen, ob es sich ein Line-Signal angelegt wurde, das mit 0 db weitergegeben wird, oder um eine Mikrofonsignal, bei dem sich dann eine Pegelanpassung um -21 bis 0 db in 3-db-Schritten einstellen lässt.

Das von Sony beigelegte Lavaliermikrofon ist mit einer nicht ganz überzeugenden, weil etwas zu lockeren Klemmhalterung und einem kleinen Windschutz mitgeliefert. Weitere Optionen zur Befestigung des Ansteckmikros gibt es bis dato leider nicht. Obwohl das beigelegte Mikrofon mit Kugelcharakteristik von Sony nicht mal einen Namen bekommen hat, bietet es eine passable Klangqualität und ist für Sprachaufnahmen völlig ausreichend. Genaue Daten für den Frequenzbereich und die Empfindlichkeit standen zum Zeitpunkt des Tests nicht zur Verfügung. Als weitere Alternative bietet Sony drei andere Lavalier-Mikrofone an, etwa das EMC-44BMP für 154 Euro (Nettopreis) mit einem maximalen Frequenzgang von 40 Hz bis zu 20 kHz.

UWP-V2

Das Set mit dem Namen UWP-V2 enthält anstelle des Taschensenders das Handmikrofon UTX-H2 mit integriertem Sender, sowie eine zusätzlichen Mikrofonhalterung. Die zum Taschensender identischen Einstellfunktionen sind unter einer Hülse des Mikros versteckt, aber schnell zugänglich. Das Mikrofon hinterlässt mit seinem Aluminium-Gehäuse einen robusten Eindruck. Die dynamische Mikrofonkapsel weist eine Nierencharakteristik auf und verträgt einen maximalen Schallpegel von 151 dB. Der Frequenzbereich des Mikros reicht laut Hersteller von 50 Hz bis 18 kHz, was aber — wie oben erläutert — in der Praxis durch das Übertragungsverfahren limitiert werden kann. Die Einstellungsoptionen gleichen denen des Taschensender UTX-B2. Das Mikrofon hört sich ausgewogen an und die Sprachaufnahmen klingen natürlich. Lediglich die schwache Richtcharakteristik kann einem bei lautem Umfeld, etwa bei einer Messe, Probleme bereiten, da man das Mikrofon sehr nah an der Quelle positionieren muss.

UWP-V6

UWP-V6, das dritte Paket im Test, ist für Reportageteams wahrscheinlich das interessanteste, denn es enthält zusätzlich zum Inhalt des UWP-V1-Sets (Ansteckmikro, Taschensender, Empfänger) einen weiteren Sender mit der Bezeichnung UTX-P1. Er verfügt über einem XLR-Anschluss, und ist so ausgeführt, dass er direkt an ein Mikrofon angedockt werden kann. Die kompakte Einheit ist mit denselben Funktionen wie der Taschensender ausgestattet, nur dass eben die Bauform verändert wurde und anstelle einer Miniklinke ein XLR-Anschluss vorhanden ist. Auch dieser Sender kann zwischen Mic- und Line-Pegel umgeschaltet werden. Das Gehäuse kann allerdings in der Kombination mit manchen Mikrofonen etwas unelegant und klobig wirken. Auch ist es unbequem, wenn man den Sender mit einem kurzen Mikro verbindet und diese Einheit dann am Sendemodul halten muss. Die Sendeleistung und Übertragungsqualität des Andocksenders überzeugen jedoch und stehen der des Taschensenders UTX-B2 nicht nach.

Fazit

In Wohnhäusern, Autohäusern, Messehallen und einem Bowling-Center kamen die UWP-Komponenten im Rahmen des Praxistests zum Einsatz und in allen Fällen haben sich die Funkstrecken bewährt, störungsfreien Betrieb ermöglicht und letztlich auf der ganzen Linie überzeugt. Sie sorgen für eine gute, störungsfreie Übertragung, weisen ein robustes Gehäuse auf, sie sind relativ einfach zu bedienen – und schnell einsatzbereit.

Die UWP-Funkstrecken kommen schon recht nahe an die sehr viel kostspieligere DWR/DWT-Serie von Sony heran. Selbst das mitgelieferte, namenlose Lavalier-Mikrofon bei den Paketen UWP-1 und -6 ist akzeptabel und für Sprachaufnahmen in den meisten Fällen ausreichend.

Neben einem guten Stativ, einem Richtmikrofon und einer Kameraleuchte sollte eine Funkstrecke im Equipment eines Videoreporters nicht fehlen, und hier stellen die UWP-Komponenten eine interessante Möglichkeit dar — auch für den schmaleren Geldbeutel. Vor allem Kameraleute, die viel mit professionellen Einsteiger-Camcordern oder mit Sonys EX1/EX3 arbeiten, profitieren davon, auch wegen der systembedingten Limiter-Funktion.

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Autor
Christoph Harrer
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