Postproduction, Test, Top-Story: 14.12.2010

Vegas Pro – nun auch in Stereo-3D

Sony bietet mit Vegas Pro Version 10 die jüngste Variante seiner Schnitt-Software Vegas an. Die Consumer-Versionen Vegas Movie Studio HD und Vegas Movie Studio HD Platinum sind schon seit längerem verfügbar. Sie wollen vor allem durch mehr Bild und Toneffekte die potenziellen Käufer überzeugen. Die Pro-Version bietet im Unterschied zu den Consumer-Varianten viele neue Möglichkeiten, um Stereo-3D-Material zu bearbeiten.

Sony versucht seit einiger Zeit, die aufgebohrte Version seines Consumer-Schnittprogramms Vegas unter dem Namen Vegas Pro als Editing-Alternative für Profis zu etablieren. Auch bei der neuen Version geht der Hersteller weiter diesen Weg und hat einige Funktionen aufgenommen, die sich speziell an Profis richten.

System

Vegas Pro 10 läuft auf Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Für die beiden letzteren Betriebssysteme kann zwischen der 32- und 64-Bit-Version gewählt werden. Für XP gibt es natürlich nur die 32-Bit-Version. Wer auf dem zwar etwas alten, aber von vielen noch geliebten XP installieren will, muss zuerst den Service-Pack 3 installieren, sofern nicht schon geschehen. Wer die Software über das Internet heruntergeladen hat – um sie für 30 Tage zu testen – muss außerdem noch Microsoft .Net Framework 3.0 und Windows Installer 4.5 herunterladen. Das kann auch automatisch geschehen, da Vegas Pro 10 bei der Installation die fehlenden Komponenten selbst herunterladenund installieren kann. Hardwareseitig wird mindestens ein 2-GHz-Prozessor vorausgesetzt, zur Bearbeitung von HD und stereoskopischem Material wird ein Mehrkern- oder Mehrprozessorsystem empfohlen.

Stereo-3D-Bearbeitung

Für den Praxistest der Software stellte Sony einige Stereo-3D-Clips zur Verfügung. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Stereo-3D-Material zu speichern und dieses dann zu bearbeiten: Entweder sind die beiden Streams für das linke und echte Auge getrennt und werden dann auf der Timeline zu einem Subclip zusammen gefügt, oder die beiden Streams sind in einem AVI- oder MOV-Wrapper oder einer CineForm Neo 3D Datei verbunden und können als ein Clip auf die Timeline gelegt werden. Vegas kann mit allen drei Formen umgehen. Zum Abspielen von Neo 3D wird jedoch ein Cine-Form Produkt oder der kostenlose Neo-Player benötigt. Bei den Beispiel-Clips des Praxistests handelte es sich um getrennte Streams.

In jedem Falle muss in den Projekt-Eigenschaften zuerst der gewünschte Stereo-3D-Modus ausgewählt werden. Für diejenigen, die keinen 3D-Monitor besitzen, stehen drei Anaglyph-Modi (rot/cyan, blau/gelb oder grün/magenta) zur Verfügung. Wer also erst mal nur ein wenig experimentieren will, besorgt sich für wenig Geld eine entsprechende zweifarbige Brille — und schon kann es los gehen. Wer richtig in Stereo-3D einsteigen will, muss aber investieren: in einen 3D-Monitor und eine passende Grafik- oder Ausgabekarte.

Material, bei dem beide Streams nicht ganz genau die gleiche Länge haben, muss vor der Bearbeitung synchronisiert und entsprechend getrimmt werden. Bei der Aufnahme von Szenen mit schnellen Bewegungen sollte darauf geachtet werden, dass die beiden Kameras per Genlock verkoppelt sind, damit sich durch den möglichen Versatz von bis zu einem halben Frame bei nicht verkoppelten Kameras, keine Probleme in der Verarbeitung entstehen. Wenn Stereo-3D-Material vorliegt, bei dessen Aufnahmen die Kameras nicht ganz korrekt justiert waren, kann dieses mit dem vorhandenen Plug-In »Stereoskopische 3D-Anpassung« in der Postproduktion korrigiert werden. Verschiedene Korrekturen, wie horizontale und vertikale Keystone-Verzerrung, können entweder manuell vorgenommen oder automatisch von Vegas Pro ausgeführt werden. Das Plug-In kann, wie alle Video-Plug-Ins auch, auf einzelne Events, Tracks oder den ganzen Film angewendet werden. Gerade für Unerfahrene ist diese Funktion sehr nützlich und hilft,  ein brauchbares Ergebnis zu bekommen.

Untertitel

Die Möglichkeit Untertitel zu erstellen, ist eine weitere Neuerung. Sie erlaubt es, Untertitel auf der Timeline zu erstellen, die dann vom Endkunden eingeblendet werden können. Bislang hauptsächlich bei DVDs bekannt, können mit Vegas Pro 10 auch Untertitel für die verschiedenen Youtube-, Real Player-, Quicktime– und Windows-Media-Player-Formate erstellt und ausgegeben werden. Zwei verschiedene Untertitelspuren — etwa für zwei Sprachversionen — sind möglich. Die Untertitel können in der Videovorschau — getrennt nach Sprachen — angesehen werden.

Die Ansicht in Vegas Pro ist jedoch eingeschränkt: Nur ein Font steht zur Verfügung und die Schrift steht per Vorgabe auf schwarzem Hintergrund, dessen Größe automatisch erstellt wird. Zwar nennt die Vegas Pro-Online-Hilfe Befehle, die es ermöglichen, die Text- und Hintergrundfarbe (in Grenzen) zu verändern, aber eine Syntax zu den Befehlen ist leider nicht zu finden. Wie die Anzeige bei der endgültigen Wiedergabe aussieht, hängt ohnehin vom benutzen Player ab. Verwendet man den VLC-Player, können verschiedene Untertitelformate gelesen und angezeigt werden.

Weitere neue Funktionen

Das neue Plug-In-SDK für Videoeffekte auf Basis der Open-Effects-Association-Plattform sorgt dafür, dass mehr Videoeffekte von Drittanbietern verwendet werden können. Dass in diesem Bereich etwas getan werden muss, ist offensichtlich. Die vorhanden Videoeffekte und Transitions sind einerseits schon etwas in die Jahre gekommen und entsprechen andererseits nicht den Anforderungen professioneller Anwender — sowohl was die Bedienoberfläche als auch die einstellbaren Parameter betrifft. Wenn Sony es wirklich ernst meint mit der Professionalisierung von Vegas, sollte hier auch bei den vorhandenen Effekten angesetzt werden und zumindest müssten die »Spielzeugeffekte« herausgenommen werden.

Das neue Feature »Medium stabilisieren« konnte durchaus überzeugen. Selbst stark verwackelte Einstellungen konnten damit gut und sehr zügig stabilisiert werden. Es geht so schnell, dass man getrost bei der Genauigkeit immer auf optimal stellen kann. Es gibt neun verschiedene Voreinstellungen, die für unterschiedlich stark bewegtes Material gedacht sind. Die vorhandenen Parameter Schwenk/Neige- und Roll-Stabilisierung können jedoch auch manuell nach eigenen Bedürfnissen justiert werden. Zusätzlich können auch noch Rolling-Shutter-Effekte korrigiert werden. Dass zur Korrektur das Video automatisch beschnitten wird und deshalb die Auflösung des neu errechneten Clips — je nach Amplitude der Bewegung — sehr in die Knie gehen kann, versteht sich von selbst. Trotz dieser Einschränkung ist diese Funktion interessant für alle, die kein Stativ verwenden können oder wollen, aber dennoch relativ stabiles Bildmaterial benötigen.

Wird eine Aja-Karte oder -Box verwendet, kann jetzt Vegas Pro auch an einen gemeinsamen Haustakt angeschlossen werden. Zur Taktung stehen »Free Run«, »Reference In« und »Video In« zu Verfügung. Ein gutes Feature, dass jedoch wohl nur von wenigen genutzt werden wird. Weit mehr Nutzer werden sich darüber freuen, dass ab dieser Version 720p50/p60 Projektvorlagen und AVI-Render-Vorlagen bereitstehen sind. Schließlich gibt es mittlerweile immer mehr Kameras, die die höheren progressiven Bildraten unterstützen.

Neue Audiofunktionen

Die Stärken von Vegas Pro lagen schon immer im Audiobereich. Auch mit der neuen Version kommen wieder Verbesserungen in diesem Bereich hinzu. Bei der Mischkonsole können nun Eingangsbusse verwendet werden, die es erlauben, externe Signale, beispielsweise von einem Mikrofon, aber auch den Return von einem externen hardware-basierten Effektgerät anzuschließen. Um das so gemischte Signal als Datei aufzeichnen zu können, gibt es ab jetzt die Möglichkeit, das Audiosignal in Echtzeit zu rendern. So kann beispielsweise der gesprochene Kommentar gleich zum IT-Signal hinzugemischt werden.

Ebenfalls in der Mischkonsole lassen sich jetzt VU-Meter zusätzlich zu den schon vorhandenen Peakmetern einschalten. Dies erlaubt aufgrund der trägeren Messung eine bessere Abschätzung der wahrgenommen, durchschnittlichen Lautstärke. Damit nicht immer die Mischkonsole geöffnet werden muss, wenn die Pegel von einzelnen Tracks überprüft werden sollen, haben nun auch die Trackheader jeweils ein zuschaltbares Peakmeter erhalten. Das macht schon während des Schnitts ein grobes Vorpegeln der Signale einfacher. Diese Peakmeter können sowohl horizontal als auch vertikal im Trackheader angeordnet werden. In beiden Fällen passt sich die Skala automatisch an den verfügbaren Platz an. Jeder Peakmeter hat außerdem eine Anzeige für den maximalen Pegel. Das erleichtert das Auffinden von zu hoch gepegelten Stellen. Noch besser wäre es, wenn zusätzlich der Timecode der zu hoch gepegelten Stelle angezeigt würde.

Auf ein weiteres Feature haben sehr viele Vegas Pro Nutzer seit langer Zeit gewarte: Endlich können Audioeffekte auch auf einzelne Events angewendet werden. Dadurch entfällt, dass unnötig viele Tracks angelegt werden und bearbeitet werden müssen, wenn verschiedene Audioeffekte — beispielsweise unterschiedliche Equalizer-Filterungen — zum Einsatz kommen sollen. Die Effekte können natürlich nach wie vor auch auf Track, Bus oder Masterebene angewendet werden.

Der Trackheader hat noch eine weitere Neuerung erfahren: einen Regler um die Signalstärke an einen Bus oder an zuweisbare Effekte einzustellen, die in der Mischkonsole gepegelt werden können. Es handelt sich zwar um nur einen einzigen Regler, aber die Send-Signalstärke lässt sich durch Umschaltung für alle vorhandenen Busse beziehungsweise zuweisbaren Effekte einstellen. Man sollte sich nicht durch den kleinen Schalter, mit dem von »Vorher« auf »Nachher« umgeschaltet werden kann, irritieren lassen: gemeint sind natürlich Pre-Fader und Post-Fader.

Um den Workflow komplexer Projekte übersichtlicher zu gestalten, können nun Tracks in Gruppen zusammengefasst werden, um dann in geschlossener Form nur noch ein Minimum an Platz einzunehmen. Auch nachträglich können weitere Tracks durch Drag-and-Drop zu schon vorhandenen Gruppen hinzugefügt werden. In geschlossener Form lassen sich Events natürlich nicht bearbeiten, aber es werden, dort wo Events vorhanden sind, diese durch graue Balken symbolisiert. Gruppen lassen sich jedoch nicht als Subgruppen zusammenfassen. Versucht man das trotzdem, landen alle Tracks in einer neuen Gruppe, die alten Gruppen gehen dabei verloren. Für die nächste Version könnte dieses gute neue Feature also noch etwas verbessert werden.

Auch im Bereich Editing wurde der Workflow verändert. Nun hat nicht nur das Trim-Fenster eine eigene Transportleiste, sondern auch das Videovorschaufenster. Damit wird wohl auch dem zweifenstrigen Source-/Programm-Fenster Mode, wie aus anderen Editing-Programmen bekannt, ein Stück näher gerückt. Funktional ist die Transportleiste derjenigen unterhalb der Timeline gleich.

Viele weitere kleiner Verbesserungen erleichtern Arbeitsabläufe und verkürzen Bearbeitungszeiten. So wird beispielsweise die bessere Performance und Skalierbarkeit von Quicktime-AVC-Dateien besonders die größer werdende Zahl Nutzer von DSLR-Kameras erfreuen.

Production Assistant

Mit Vegas Pro 10 kommt auch die neue Version 2 des Production Assistant, der jedoch nicht im Bundle enthalten ist. Der Production Assistant macht sich die Scripting-Fähigkeit von Vegas Pro zunutze. Mit ihm lassen sich ansonsten komplexe Routinen mit nur wenigen Mausklicks erledigen.

Auf den ersten Blick bietet die Version 2.05 nicht viel neues. Schaut man jedoch in die Liste der vorhandenen Prozesse, so ist die Anzahl von 11 auf 24 gestiegen. Bezieht man die Unterpunkte der neuen »Add/Remove Audio FX« oder Video FX mit ein, so sind es sogar noch viel mehr. Die »Add Video oder Audio FX« Prozesse sind deshalb interessant, weil sie nicht nur jeweils einen Filter sondern eine Kombination von mehreren Filtern hinzufügen oder auch wieder entfernen können und damit etwa einen bestimmten Look erzeugen können. Die Kombinationen können vom Nutzer verändert und ergänzt werden.

Leider wurde, wie schon bei der letzten Version, nicht auf die PAL-Nutzer geachtet. So bietet der neue Prozess »Add Timecode«, nur 24/30-Frame-Vorlagen, die jedoch wahlweise auf Projekt, Track, Event oder Media angewendet werden können. Zur Korrektur muss man dann in die jeweilige Effektkette des Events, des Tracks oder ins Master gehen. Auch gibt es Prozesse wie »Change Project Properties«, die zwar funktionieren, aber auf konventionelle Weise genauso schnell erledigt werden können, da dazu nur einmal ein Menüpunkt aufgerufen werden muss.

Interessanter sind schon da schon Prozesse wie »Change Audio Event Properties« oder »Change Video Media Properties«, da diese auf viele Events oder Medien auf einmal angewendet werden können und damit unter Umständen viel Zeit sparen. Wenn beispielsweise das Seitenverhältnis geändert werden muss, weil Vegas es nicht korrekt erkannt hat. Die verschiedenen Prozesse können vom Nutzer auch zu einem Preset kombiniert und später wieder verwendet werden.

Die schon in der Version 1 vorhandenen Funktionen wie »Simple Duck«, »Advanced Duck«, »Channel Split«, »Normalize Audio Tracks« sind natürlich noch vorhanden und unter Umständen sehr nützlich, weil zeitsparend.

DVD Architect

DVD Architect wird mit Vegas Pro 10 im Paket ausgeliefert. Auf den ersten Blick ist auch hier in der aktuellen Version 5.2 mehr oder weniger alles beim alten gebliben. Die Benutzeroberfläche ist noch im alten hellgrau/beige und nicht im professionellen dunkelgrau, das mit der Vegas Pro-Version 9 eingeführt wurde. Auch die Menü-Schaltflächen sind noch die gleichen wie schon seit Generationen und stammen zudem leider aus der Consumer-Ecke.

Neu sind einige neue 16:9-Designs und die Integration der Microsoft Image Mastering API, die der früher sehr geringen Render-Geschwindigkeit etwas auf die Beine hilft.

Nichtsdestotrotz ist DVD Architect ein gutes DVD Authoring-Programm, mit dem sich erheblich viel mehr machen lässt, als mit den immer verspielter werdenden Programmen, die teilweise in Bundles mit DVD-Playern oder für wenige Euro vertrieben werden. Wer zwar professionell arbeiten, aber nicht nur DVDs erstellen will, ist mit DVD Architect 5.2. gut bedient — zumal es auch im Vegas Bundle enthalten ist.

Fazit, Preise

Das neue Vegas Pro 10 bringt wieder einmal gute Verbesserungen: Neben den Funktionen für die Stereo-3D-Bearbeitung und einigen neuen Projektvorlagen liegen diese vor allem im Audiobereich — seit jeher eine der großen Stärken von Vegas.

Wer schon mit Vegas arbeitet, für den lohnen sich also die rund 240 Euro für das Upgrade, um in den Genuss der neuen Features zu kommen. Für diejenigen, die bislang auf einer der Consumer-Versionen von Vegas gearbeitet haben, beträgt der Upgrade-Preis rund 370 Euro. Die Vollversion kostet rund 650 Euro — bei der letzten Version war der Umrechnungskurs zum Dollar fairer. Der nicht im Vegas Bundle enthaltene Production Assistant Version 2 kostet rund 150 Euro, einen Upgrade-Preis gibt es nicht.

Autor
Andreas Frowein
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