Audio, Test, Top-Story: 05.11.2021

Praxistest: Wireless-Audio-System Comica BoomX-D

Eine günstige, leichte Audiofunke von Comica im Praxistest: BoomX-D. Eine Alternative zum Wireless Go?



Røde, Wireless Go, Wireless Audio
Erst mit dem Wireless Go zündete 2019 die 2,4-GHz-Wireless-Audio-Idee.

Dass man per WLAN kabellos Audiosignale übertragen kann, ist ein alter Hut. Und eigentlich hat es sogar erstaunlich lang gedauert, bis es auch passende Geräte für Filmer gab, die den gleichen, frei nutzbaren Frequenzbereich von 2,4 GHz für günstige kabellose Audiolösungen nutzen konnten, der auch für WLAN verwendet wird.

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BoomX-Dvon Comica: Wireless Audio zum Anklipsen.

Vor rund sechs Jahren brachte Røde dann mit dem Rødelink Filmmaker Kit ein solches Set auf den Markt. Aber erst 2019 hat diese Idee wirklich gezündet, als Røde das Wireless Go vorstellte. Und natürlich hat es anschließend nicht lange gedauert, bis andere Hersteller ähnliche Produkte anboten. Hierzulande eifern etwa Systeme von Saramonic (Test) und Hollyland dem Erfolg von Røde nach, im folgenden Test stellt film-tv-video.de ein weiteres System vor: BoomX-D von Comica.

Saramonic, Wireless Audio, Blink, Audiofunke, © Nonkonform
Eine der Alternativen zum Wireless Go: Saramonic Blink.
Kurzer Ausflug in Technik und Kostenabwägungen

Oft werden solche Systeme als WLAN-Audiofunke bezeichnet. Das trifft nicht wirklich genau das Funktionsprinzip dieser Systeme, sondern umschreibt eigentlich nur, dass diese Audiofunksysteme im gleichen, frei nutzbaren Frequenzbereich arbeiten, den auch WLAN-Systeme verwenden. Es wird nämlich immer eine direkte Funkverbindung zwischen dem Sender und dem Empfänger des jeweiligen Systems hergestellt, man braucht also gar kein WLAN, um diese Systeme nutzen zu können.

Weil diese Funksysteme aber ähnliche Baugruppen nutzen können, die massenhaft in anderen WLAN-basierten Geräten verwendet werden, sind sie günstig verfügbar und erlauben einen hohen Miniaturisierungsgrad. Die einzelnen Geräte von 2,4-GHz-Funkstrecken sind somit relativ preisgünstig und klein. Meist sind sie auch sehr einfach zu bedienen, und weil die Geräte nicht leistungshungrig sind, hält der Akku relativ lang. Der Nachteil dieser Systeme ist, dass das 2,4-GHz-Frequenzband sehr stark genutzt wird und es deshalb öfter zu Beeinträchtigungen oder Störungen kommen kann als in anderen Frequenzbereichen.

Saramonic, Wireless Audio, UwMic9, Audiofunke
Saramonic UwMic9 nutzt nicht 2,4 GHz, sondern zielt in Richtung anderer UHF-Systeme.

Um auch einen groben Kostenrahmen zu geben: Ein Røde Wireless Go, das im 2,4 GHz arbeitet, bestehend aus einem Sender und einem Empfänger, ist derzeit ab 175 Euro zu haben, die China-Konkurrenz ist noch günstiger. Ein UHF-Funksystem von Sennheiser hingegen, das im GB-Band zwischen 606 und 648 MHz arbeitet, kostet rund 600 Euro (EW 112P, bestehend aus Sender SK 100 G4, Empfänger EK 100 G4 und Ansteckmikro ME 2). Ein in etwa ähnlich konfiguriertes System von Saramonic, das UwMic9 (514  bis 596 MHz), kostet rund 290 Euro. Für andere, leistungsfähigere UHF-Systeme kann man auch noch wesentlich mehr Geld ausgeben (Beispiel).

Daran kann man ablesen: UHF-Systeme sind, auch wenn sie aus chinesischer Fertigung kommen, deutlich teurer als 2,4-GHz-Systeme — und dennoch gibt es Gründe, weshalb viele Anwender auf UHF-Systeme schwören. In aller Regel berichten diese Nutzer ganz im Allgemeinen von weniger Störungen sowie mehr Zuverlässigkeit und Robustheit bei der Funkübertragung. Im Einzelnen gibt es natürlich auch viele Unterschiede in der Handhabung und Tonqualität der Geräte.

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Transmitter und Receiver aus der BoomX-D-Serie von Comica.

Vielleicht kann man generell diesen Hinweis geben: Wenn es um Takes und Live-Übertragungen geht, die man nicht wiederholen kann, sollte man vielleicht lieber auf ein UHF-System setzen. In anderen Fällen kann man Kompromisse mit 2,4-GHz-Systemen sicher eher verschmerzen.

Vorbemerkung des Testers

Die höhere Störanfälligkeit von WLAN-Funksystemen habe ich schon öfter am eigene Leib erlebt. So hatte ich etwa in einer Industriehalle mit viel Netzwerkaktivität mit dem Filmmaker Kit von Røde viele Tonabbrüche, obwohl der Sender nur wenige Meter vom Empfänger entfernt positioniert war. Mein Rat wäre daher, immer bei der Verwendung solcher Funkstrecken darauf zu achten, möglichst keine oder zumindest wenige weiteren WLAN-Geräte oder allgemein Mobiltelefone in der Nähe zu nutzen, da diese eben auch im Umfeld von 2,4 GHz operieren.

BoomX-D-Transmitter von Comica.

Der Einsatz mit dem Filmmaker Kit von Røde ist schon etliche Jahre her, die Technik hat sich seither weiterentwickelt und schon das Wireless Go war stabiler als die erste Version des Filmmaker Kits. Andererseits wächst die Funkaktivität im 2,4-GHz-Bereich immer weiter an — und zwar leider auch von Geräten, deren Hersteller es nicht ganz so genau mit den Spezifikationen und Bedingungen nehmen.

Zeit, also mal wieder einen Praxistest durchzuführen.

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Seite 3: Praxiseinsatz, Mikrofone, Fazit

 

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Autor
Sas Kaykha, Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

Bildrechte
Sas Kaykha, Comica

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