Report, Sport, Top-Story: 23.11.2009

Boxen im Ersten: Valuev vs. Haye wurde in HD produziert

15 HD-Kameras in der Boxarena hielten es fest: Der russische Riese hat verloren und musste seinen WBA-Weltmeistertitel im Schwergewicht abgeben. Produziert wurde der Triumph des Herausforderers Haye in 1080i.

Der Box-Promoter Sauerland veranstaltete am 7. November 2009 in Nürnberg einen Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht: Weltmeister Nikolai Valuev stellte sich dem Herausforderer David Haye. Die ARD hatte die deutschen TV-Rechte an dem Kampf erworben, On Air TV Productions produzierte die Veranstaltung und beauftragte für die TV-Übertragung die Media Mobil GmbH.

Um 22:20 schaltete die ARD live in die Arena nach Nürnberg und Waldemar Hartmann begrüßte die Zuschauer zur Sportschau-Übertragung. Der eigentliche Kampf begann dann um 22:50 Uhr mit der Vorstellung der Kontrahenten durch den berühmten Ringsprecher Michael Buffer. Höchste Anspannung also zu nächtlicher Stunde für das Team, das die Live-Übertragung im Ü-Wagen Ü8 der Media Mobil GmbH (MMG) umsetzte. 15 HD-Kameras waren im Einsatz, um die Bilder einzufangen, die dann in Regie 1 zum internationalen und in Regie 2 zum nationalen TV-Signal kombiniert wurden. Beide wurden durchgängig in 1080i produziert — aber nur teilweise auch in HD ausgestrahlt.

Einen weiteren Ü-Wagen hatte der britische Ableger der Sky-Gruppe zu der Veranstaltung geschickt: Arena TV war für die Briten in Nürnberg im Einsatz, übernahm das internationale HD-Signal vom MMG und reicherte es mit den Bildern von drei unilateralen Kameras für die Zuschauer von Sky an. Über ein bei HD Satcom angemietetes SNG-Fahrzeug wurde dieses HD-Signal dann auf die britischen Inseln übertragen.

Ein Uplink-Fahrzeug von Mediatec Broadcast aus Norwegen übertrug das internationale HD-Signal in die nordischen Länder.

Mit down-konvertierten SD-Signalen wurden wunschgemäß die ARD und die EBU versorgt. Das nationale ARD-Signal wurde am Ausgang des Ü8 von MMG auf SD down-konvertiert und über einen eigenen SNG des Unternehmens zur Verteilung an die ARD übergeben. Zusätzlich übernahm auch die EBU das SD-Signal zur Verteilung an 17 weitere Lizenznehmer in Europa.

15 HD-Kameras am Boxring

In der 11.000 Zuschauer fassenden Halle hatte MMG für die Übertragung des Box-Events insgesamt 15 Kameras platziert. Zwei LDK 8000 von Grass Valley beobachteten durch ein 27- und ein 101fach-Zoom von Fujinon das Geschehen im Boxring von einem Podest hoch oben in den Zuschauerrängen aus, das auf der Querachse des Stadions platziert war. Auf einem zweiten, tiefer positionierten Podest an der Stirnseite der Halle war eine Slomo-Kamera des Typs LDK 8300 mit Fujinon-Telezoom nahe der Längsachse platziert. Ihre Aufgabe war es, neben den Aktionen im Boxring auch Bilder vom Einmarsch der Boxer zu liefern, die über eine Showtreppe in die Arena kamen. Eine weitere LDK 8000 war am Remote-Kopf eines von PMT angemieteten Krans aufgehängt, der vor der Bühne und neben der Showtreppe Position bezogen hatte. Ein weiterer Remote-Head mit Kamera war über dem Boxring platziert.

Am und teilweise im Boxring konnten sich drei Handkameras bewegen (2 x LDK 8300, 1x LDK 8000), die im Zusammenspiel mit einer Polecam-Mastkamera die Aktionen im Ring hautnah erfassen konnten. Noch flexibler als die kabelgebundenen Kameras am Ring konnte eine drahtlose LDK 8000 eingesetzt werden, die auf einem Steadicam-System montiert war und sich frei im Innenraum bewegten konnte, um etwa auch Bilder von den VIPs am Ring zu liefern.

Eine Handkamera auf der Showbühne für den Auftritt der Band »Sunrise Avenue« beim Einmarsch von Nikolai Valuev wechselte anschließend in die VIP-Lounge, wo nach dem Kampf Interviews mit prominenten Zuschauern geführt wurden. Drei LDK 8000 auf Stativen im ARD-Studio für Moderator Waldemar Hartmann und seine Experten Henry Maske und Arthur Abraham, sowie eine weitere LDK 8000 als zweite Handkamera in der VIP-Lounge komplettierten das Kameraaufgebot.

Der MMG Ü8 (und damit auch die 15 für das internationale und das nationale Signal genutzten Kameras) wurden über die Stromverteilung der Nürnberger Arena versorgt. Über einen davon unabhängigen Notfall-Stromkreis wurde das Licht für den Boxring und die Versorgung von zwei Backup-Kameras sichergestellt, sodass auch im Falle eines Stromausfalls die weitere Durchführung des Weltmeisterschaftskampfes und zumindest seine behelfsmäßige Übertragung im Fernsehen möglich gewesen wären.

Nationales und internationales Signal aus dem gleichen Ü-Wagen

Sowohl die Regie 1 für das internationale Signal als auch die Regie 2 für das nationale Signal hatten im Ü8 Zugriff auf die Signale aller 15 Kameras und zu den Zuspielungen der Slomo-Bilder. Über vier vernetzte 6-Kanal-Server des Typs XT2 von EVS konnten vier Slomo-Operatoren den beiden Regien verschiedenste Zeitlupensequenzen anbieten. Ein weiterer XT2-Server mit sechs Kanälen war für den Highlight-Schnitt ebenfalls in das Netzwerk integriert.

Die unterschiedlichen Sendegrafiken für das nationale und internationale Signal wurden von Swiss Timing Sport Service erstellt.

Die Tonmischung der zwei unterschiedlichen Stereosignale erfolgte auf einer Lawo-Konsole des Typs MC2 66, die virtuell in der Mitte aufgeteilt war. Aus den Signalen von insgesamt 44 Atmo-Mikrofonen und 16 Drahtlosmikrofonen erstellten zwei Toningenieure den Programmton. Der Mitschnitt des nationalen Signals für die ARD erfolgte einmal in SD auf Digi Beta-Bändern und in HD auf P2-Karten.

Das internationale Bild- und Tonsignal wurde vom Ü8 an den von Sky beauftragten HD Ü-Wagen von Arena TV übergeben. Die dort aktive Mannschaft kombinierte das internationale Signal mit den Signalen von drei unilateralen, also ausschließlich für das Sky-Signale genutzten Kameras in der Halle und gestalteten so das Programm für die die Pay-TV-Zuschauer von Sky in Großbritannien. Der Ü-Wagen von Arena wurde über ein eigens aus England mitgebrachtes, mobiles Stromaggregat versorgt. Alle an der Produktion beteiligten Gewerke konnten über Intercom-Systeme von Riedel miteinander kommunizieren.

Sendesignal auch für die Arena

In der Nürnberger Arena war das Team von On Air TV Productions unter Leitung von Bernd Michaelis nicht nur für die TV-Produktion zuständig, sondern auch für die Bereiche Rigging, Beschallung, Beleuchtung, Bühne und Licht. An einem FOH-Pult von Yamaha wurde der Ton für die Zuschauer in der Halle gemischt, über eine Strand-Konsole das Weißlicht und über eine Martin-Konsole das Show-Licht gesteuert.

Das Sendesignal des Boxfights konnten die Besucher in der Halle auf dem fest installierten Multimediawürfel der Arena sehen, sowie auf einer zusätzlich installierten 7,2 m x 4 m großen Rückpro-Leinwand.

Auch für den Aufbau des Boxrings und für das Catering der rund 200 an der Produktion mitwirkenden Mitarbeiter war das Team von Bernd Michaelis zuständig. Routine für die eingespielte Mannschaft: Seit dem Jahr 2000 hat das Unternehmen zehnmal jährlich die technische Umsetzung von »Boxen im Ersten« für den Boxsportpromoter Sauerland Event durchgeführt, seit 2007 inklusive Erstellung der TV-Signale.

Über die volle Distanz

Der Kampf um den WBA-Titel ging über die volle Distanz und endete für Weltmeister Valuev, der mit 2,13 Metern mehr als 20 cm größer und mit 144 kg rund 45 kg schwerer als sein Herausforderer war, mit dem Verlust des Titels. Erst nach der zwölften und letzten Runde entschieden die Kampfrichter per Split-Decision für den Herausforderer und neuen WBA-Weltmeister David Haye — ein wichtiger Sieg für den Briten Haye, dessen Landsleute den Kampf in HD sehen konnten.

Autor
Reinhard Penzel

Bildrechte
Penzel, ARD

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