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Netflix: Everybody’s Darling?

Laut eines Beitrags in der Los Angeles Times hat Netflix inzwischen 20 Milliarden US-Dollar Schulden angehäuft. Welche Strategie verfolgt der Konzern?
Netflix

Netflix: Wie steht es um die Finanzen des Konzerns?

Der Streaming-Anbieter Netflix ist — wenn sich nicht grade Pedro Almodóvar als Jury-Präsident in Cannes über dessen Geschäftsgebaren aufregt — immer gut für positive Schlagzeilen: Mal ist es ein sagenhafter Abonnentenzuwachs, mal ein tolles Filmprojekt mit großen Namen, mal ein unerwartet hoher Quartalsgewinn und mal ein fettes Aktienplus. Läuft bei Netflix – könnte man meinen.

Dieser Tage machte allerdings eine andere Meldung die Runde. Laut eines Beitrags in der Los Angeles Times hat Netflix inzwischen 20 Milliarden US-Dollar Schulden angehäuft — und zwar unter anderem in Form langfristiger Verbindlichkeiten, etwa durch Lizenzvereinbarungen, die über lange Zeiträume laufen. So blieb demnach die Bilanz des börsennotierten Unternehmens strahlend, während die Wahrheit vielleicht etwas anders aussieht.

Laut Los Angeles Times sind neben den hohen Lizenzkosten aber auch die Produktionskosten der Netflix-Prestigeprojekte für den Schuldenberg verantwortlich.

Dass Lizenzkosten für einen weltweit operierenden Streaming-Anbieter ein großes Thema sind, kann man leicht nachvollziehen: Abzuklären, in welchem Land welche Serie oder Produktion für welchen Zeitraum und zu welchen Kosten angeboten werden darf – oder eben auch nicht – und die Einhaltung dieser Rechte sicherzustellen, erfordert ein leistungsfähiges Lizenzmanagement. Es entstehen als hohe Kosten für die Rechte selbst und für den Apparat, der sie aushandelt und umsetzt.

Vielleicht ist auch das einer der Gründe dafür, dass Netflix ein großes Interesse daran hat, mehr eigenproduzierte Inhalte anzubieten. Aber auch das funktioniert nicht ohne Risiko: Die eigenproduzierten Hochglanz-Produktionen sind teuer – erfordern also ebenfalls hohe Investitionen.

Ein anderer Aspekt: Serien zu produzieren, die sowohl lokale wie auch globale Märkte ansprechen, war niemals trivial, sondern schon immer sehr anspruchsvoll. Das gilt auch in Zeiten von Netflix noch. Was in Asien gut läuft, lockt in Europa vielleicht deutlich weniger Zuschauer. Europäische Filme, die hierzulande funktionieren, bleiben in den USA oft erfolglos. Mit solchen Themen muss sich auch Netflix intensiv auseinandersetzen.

Dabei experimentiert der Anbieter in allen Richtungen. So kaufte das Unternehmen unlängst die Rechte an einem Dutzend Animes. Sie sollen im kommenden Jahr erscheinen – und beileibe nicht nur in Japan, dem Mutterland dieser Art von Animationsfilmen. Eine wachsende Zahl von Freunden dieses Genres fände sich weltweit, so Netflix.

Animes haben aber noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil: Sie lassen sich zu einem Bruchteil der Kosten realisieren, die etwa eine Hochglanzproduktion wie »House of Cards« verschlingt. Keine teuren Schauspieler, keine teuren Produktionsmittel — und dazu die Möglichkeit, leicht und vergleichsweise billig lokalisierte Sprachversionen zu produzieren. Vielleicht ist das ein Ansatz, den Netflix weiter verfolgen wird.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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