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Paradigmenwechsel im Broadcastbereich
Die Anforderungen an moderne Medienproduktionen steigen kontinuierlich: Dynamische Formate, variable Datenraten und der Druck zu hoher Kosteneffizienz verlangen nach flexiblen Infrastrukturen. Während klassische Setups darauf angewiesen sind, Videodaten auch für interne Verarbeitungsschritte zwischen einzelnen Geräten ständig über physikalische oder IP-Schnittstellen wie SDI und ST 2110 auszutauschen, leitet die Dynamic Media Facility (DMF) in Kombination mit dem Media eXchange Layer (MXL) einen grundlegenden Architekturschritt ein.
Als Software-Defined-Video-Lösung (SDV) auf Kubernetes-Basis entkoppelt sie die Videoverarbeitung von dedizierter Hardware. Etablierte Standards wie SDI und ST 2110 behalten dabei für die externe Signalanbindung weiterhin ihre volle Berechtigung, während der interne Datenaustausch zwischen den Verarbeitungsfunktionen hocheffizient direkt in der Software-Infrastruktur stattfindet.
Vom teuren Hardware-Standby zu dynamischer Software-Resilienz
In traditionellen Broadcast-Umgebungen erfordert die Absicherung des Betriebs eine massive Überprovisionierung: Dedizierte Hardware-Karten (FPGAs) und Standby-Geräte müssen permanent vorgehalten werden, um eine 1:1- oder 1:N-Redundanz zu garantieren. Ressourcen, die im Regelbetrieb ungenutzt Kapital binden und rasch veralten, werden der Vergangenheit angehören. Die DMF-Architektur löst dieses Problem fundamental auf.
Redundanz per Orchestrierung statt Dauerbetrieb
Kubernetes übernimmt die Redundanz-Steuerung: Fällt eine Instanz aus, skaliert das System automatisiert neue Workloads nach, ohne dass Standby-Hardware dauerhaft vorgehalten werden muss. GPUs und bestehende FPGAs bleiben dabei Teil des Workflows.
Über das MXL SDK tauschen Anwendungen verschiedener Hersteller unkomprimierte Mediendaten latenzarm über Shared Memory aus, was den Integrationsaufwand zwischen Systemen unterschiedlicher Anbieter deutlich reduzieren soll.
Hybrid-Modell: Grundlast on-premises, Lastspitzen in der Cloud
Die Architektur kombiniert lokale und Cloud-Ressourcen: Die permanente Grundlast läuft im eigenen Rechenzentrum mit hohen Bitraten für das Intermediate-Format, Lastspitzen bei Live-Events wandern dynamisch in die Cloud. Da nur die Spitzenlast übertragen wird, bleiben die Transferkosten gering.
Ergänzend kann Denoising vor der Inter-Frame-Codierung der Distributionsformate zum Einsatz kommen – etwa die Iris-Technologie von Wavelet Beam, einem der Contributor der Initiative. Sie bereinigt das Signal und senkt so die Bitrate um bis zu 30 Prozent, bei gleichbleibender oder verbesserter Bildqualität und reduzierten Archivierungskosten.
Live-Demos in Halle 10
MXL-Applikationen zeigen unter anderem die EBU selbst (Stand 10.D21) und Qvest (Stand 10.C24) live auf der IBC.
Das Open-Source-Projekt MXL ist zudem auch als Finalist für die IBC2026 Innovation Awards in der Kategorie Content Creation nominiert.
Autor: Dirk Hildebrandt











