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Fünf 12K-Kameras für eine Museumsfassade

Ein Film über Geschichte, gedreht im Kinolook, projiziert auf die Fassade eines Museums irgendwo in Texas. Das klingt nach einer verrückten Story. Regisseur John Rinehart hat sie in »Texas Legacy in Lights« mit viel Energie und Herzblut wahrgemacht.

Gonzales hat etwas mehr als 7.000 Einwohner, und der Ort liegt jeweils eine gute Autostunde entfernt von den texanischen Großstädten San Antonio und Austin. Seit einem knappen Jahr hat der Ort eine ganz besondere Attraktion: »Texas Legacy in Lights«: 2 x täglich wird an sechs Tagen in der Woche auf die Fassade des Gonzales Memorial Museums ein Film über die texanische Revolution projiziert. Dabei geht es um den Unabhängigkeitskrieg der Texaner gegen die Mexikaner.


Offizieller Trailer von »Texas Legacy in Lights«.

Regisseur John Rinehart realisierte das Projekt mit der Austin Film Crew. Gemeinsam mit DP Alex Walker entwickelte und drehte er eine Erzählung, die nun als Film zu sehen ist – aber eben nicht auf einer Leinwand, sondern auf der Fassade des Gonzales Memorial Museums. Deren Fläche ist rund anderthalbmal so groß wie eine IMAX-Leinwand.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Regisseur John Rinehart.

»Als wir auf die Idee kamen, Texas Legacy in Lights über die texanische Revolution von 1835 als weltweit ersten Live-Action-Film für Projection Mapping zu realisieren, stellten sich uns sofort zahlreiche technische Fragen und Herausforderungen. Alex und ich haben hier gemeinsam Neuland betreten und Probleme gelöst, für die wir anfangs noch keine Antworten hatten. Es gab Momente am Set, in denen wir auf den Monitor blickten und feststellten, dass wir etwas aufnahmen, das es so noch nie gegeben hatte«, erzählt Rinehart.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Bei dem Projekt wird per Projection Mapping die Fassade eines Museums bespielt.

Die größte Herausforderung war nicht das Erzählen der Geschichte, sondern das Filmen für eine Architektur, die nie als Projektionsfläche gedacht war. Rinehart beschreibt den Ansatz so: »Statt eines durchgehenden Bildes bespielen wir verschiedene Punkte und Flächen der Fassade einzeln, um sie zu einem gemeinsamen Bild zu verschmelzen. Im Grunde sind es mehrere Filme gleichzeitig, die erst in der Post zu einer einzigen Erzählung zusammenwuchsen.«

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Gedreht wurde mit bis zu fünf Blackmagic Ursa Cine 12K LF gleichzeitig.

Die Kameratechnik

Gedreht wurde mit bis zu fünf Blackmagic Ursa Cine 12K LF gleichzeitig, ergänzt durch die kompaktere Pyxis 6K als B-Kamera für bewegliche Setups und Überkopfaufnahmen. Ausschlaggebend für die 12K LF war laut Rinehart der große RGBW-Sensor: Die Kombination aus Schärfentiefe, Bildumfang und dem großformatigen Look sollte das Projekt trotz seiner ungewöhnlichen Form – mehrere gleichzeitig sichtbare Bildausschnitte auf einer Fassade – kinematografisch vertraut wirken lassen.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

John Rinehart beim Einrichten der Projektoren.

Weil unterschiedliche Bereiche der Fassade jeweils eigene Bildwinkel benötigten, musste jede Einstellung ohne klassischen Schnitt funktionieren: Jede Szene musste als durchgehende Aufnahme mit gleichzeitiger Abdeckung für Nah- und Weitaufnahmen entstehen.

Er erklärt: »Zum Beispiel haben wir manchmal eine Nahaufnahme von der rechten Seite des Gebäudes und eine Totale von der linken verwendet und denselben Moment gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Kadrierungen gezeigt. Beim klassischen Filmemachen würde man zwischen solchen Einstellungen hin und her schneiden. In diesem Fall liefen jedoch beide Bilder gleichzeitig. Das Publikum auf der linken Seite des Museums hatte dadurch ein anderes Erlebnis als das auf der rechten Seite.«

Rinehart ergänzt: »Damit das funktioniert, mussten wir weitwinklig drehen, um die Architektur des Gebäudes voll abzudecken und dabei die Bilder verschiedener Flächen nicht perspektivisch zu verzerren. Man muss Fenster oder andere architektonische Elemente maskieren, sodass das Bild scheinbar hinter der Architektur liegt und nicht mit ihr konkurriert. Zum Hineinzoomen und Neukadrieren benötigt man einen großen Spielraum mit den Bilddaten. Genau hier spielte die Ursa Cine ihre Stärken aus.« Die zusätzliche Bildreserve gab dem Team die Freiheit, nachträglich zu croppen und Bildausschnitte zu verschieben, um einzelne Fassadenelemente wie Fenster gezielt auszusparen.

Post Production

Komplett bearbeitet wurde das Material in DaVinci Resolve Studio: Schnitt, Color Grading, VFX über die Fusion-Seite und der komplette Audio-Mix über Fairlight liefen in einer einzigen Software – nach Rinehart der Grund, warum die Post in nur 45 Tagen abgeschlossen werden konnte.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Was als Touristen-Attraktion begann, entwickelte sich zu einer dauerhaften filmischen Installation …

Die technisch anspruchsvollste Sequenz zeigt das brennende Gonzales: 42 Layer 12K-Footage liefen gleichzeitig durch die Timeline, in Echtzeit abspielbar – nach Rineharts Einschätzung wäre das nur mit erheblichem Proxy-Aufwand oder auf einem Supercomputer machbar gewesen.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

… die speziell für die Fassade des Museums geschaffen wurde.

Auch das Color Grading verlangte einen ungewöhnlichen Workflow: Projiziert wird auf verwitterten Sandstein mit ungleichmäßiger Färbung, nicht auf eine weiße Leinwand. Jedes Bild musste separat für den jeweiligen Fassadenabschnitt korrigiert werden, teils mit Verlaufskorrekturen, weil der Stein unten dunkler ist als oben. Dazu sagt Rinehart: »Wir konnten Bilder schnell miteinander verschmelzen, ohne Maskenwerkzeuge verwenden und die Bilder manuell bearbeiten zu müssen. Allein die Möglichkeit, Horizonte schnell auszurichten, ist total genial.«

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Gedreht wurde vor Ort in Gonzales.

Resolves Wechsel zwischen node- und layerbasiertem Grading erlaubte es dem Team, mehrere Korrekturebenen mit unterschiedlichen Masken unabhängig voneinander anzupassen und die Ergebnisse direkt am Gebäude in Echtzeit zu kontrollieren.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

Szene aus dem Film.

Für die zahlreichen Nacht- und Kerzenlichtszenen kam zusätzlich die KI-Rauschreduzierung von Resolve zum Einsatz. Rinehart erklärt: »Wir hatten viele Nachtaufnahmen und Innenaufnahmen bei Kerzenlicht. Die Rauschreduzierung hat all das bestens bewältigt, ohne Details zu zerstören. Wir konnten diese Einstellungen stärker ausreizen als je zuvor und sie dennoch sauber halten.«

Rinehart setzte aber auch noch etliche weitere Tools ein, denn es galt etliche Herausforderungen zu bewältigen.

Persönlicher Bezug
© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

John Rinehart hat einen engen Bezug zur Geschichte.

Hinter dem technischen Aufwand steht für Rinehart eine persönliche Verbindung zum Stoff: Er wuchs in der Nähe von Gonzales auf; die Geschichte der Stadt kennt er nicht aus Büchern, sondern von zu Hause. In der Vorbereitung ließ er jede Szene bewusst aus mehreren Perspektiven durchdenken – aus spanischer, indigener und Siedler-Sicht –, um keine Seite zu Unrecht zum Antagonisten zu machen. Diese Sorgfalt spiegelt sich auch in seiner Haltung zum Projekt insgesamt: Es gehe nicht um einen technischen Kraftakt, sondern darum, echten Menschen – »irgendjemandes Großmutter, irgendjemandes Kind«, wie er es formuliert – eine Geschichte zu geben. »Denn jeder Mensch« so Rinehart, »will seine Wurzeln kennenlernen.« Und dabei, betont er, geht es nicht um eine politische Dimension.

Kinolook

Bemerkenswert ist bei all dem, dass es Rinehart und seinem Team gelungen ist, mit »Texas Legacy in Lights« eine Qualität zu erzielen, die mit Cine-Produktionen mithalten kann. Dafür sorgte das Cast- und Crew-Team, das 190 Personen umfasste.

© Texas Legacy In Lights, J. Rinehart

»Dieser Film wäre trotz aller technischen Innovationen nicht weiter bemerkenswert, wenn es uns nicht gelungen wäre, die Story richtig zu erzählen und dafür zu sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Die Kameras, die Auflösung, der Workflow, all das diente einem größeren Zweck. Wir haben etwas Dauerhaftes für eine Gemeinschaft geschaffen, die es verdient, dass ihre Geschichte in derselben Größenordnung und mit demselben Ehrgeiz erzählt wird, die sonst großen Städten vorbehalten ist. Dafür hat sich all das Getüftel an technischen Lösungen allemal gelohnt.« Und nicht nur dafür: Der Film soll dauerhaft in den nächsten 15 Jahren in Gonzales gezeigt werden.

Technik im Überblick

• Kameras: bis zu fünf Blackmagic Ursa Cine 12K LF (A-Kamera) plus Blackmagic Pyxis 6K (B-Kamera)
• Format: Blackmagic Raw
• Postproduktion: DaVinci Resolve Studio – Schnitt, Color Grading, VFX (Fusion-Seite), Audio-Mix (Fairlight-Seite)
• Postproduktionszeit: 45 Tage
• Fassadengröße: 29 x 9,75 m
• Aufführung: 2 x täglich, dauerhaft für 15 Jahre angelegt

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