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WM 2026: ARD und ZDF im Remote-Modus

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada setzen ARD und ZDF konsequenter als je zuvor auf Remote-Produktion. Markanteste Neuerung: Bei Deutschlandspielen verzichten beide Sender erstmals auf einen eigenen Ü-Wagen oder eine mobile Case-Regie vor Ort.



ARD und ZDF übertragen je 30 der insgesamt 104 Spiele live. Alle deutschen Gruppenspiele teilen sich beide Sender: ein etwaiges Achtel- und Halbfinale mit DFB-Beteiligung überträgt die ARD, Sechzehntel- und Viertelfinale das ZDF.

©ZDF

NBC in Mainz, Audio Suite.

Die Federführung für die ARD-Übertragungen liegt beim Südwestrundfunk.

Die späte Rechtesicherung – die Rechte wurden erst am 7. Oktober 2025 erworben – erschwerte die Planung erheblich und zwang beide Sender dazu, konsequent auf bestehende Konzepte und Infrastruktur zurückzugreifen.

film-tv-video.de sprach mit den Technischen Leitern Steffen Kretz und Tobias Wallentin/SWR sowie Florian Rathgeber und Horst Dünchem/ZDF, über die Produktion der Fußball-Weltmeisterschaft.

Die größte WM aller Zeiten – und ihre Tücken
©ARD

ARD-Studio in Köln

Die WM 2026 ist das größte Fußballturnier aller Zeiten – und das logistisch komplexeste, das ARD und ZDF bislang übertragen haben. Insgesamt finden 104 Spiele in drei Ländern statt, und 48 Teams treten über eine Dauer von 39 Tagen an. Erstmals gibt es ein Sechzehntelfinale: 32 der 48 Gruppenphase-Teams erreichen die K.o.-Runde, neben den Gruppen-Ersten und -Zweiten auch die acht besten Gruppendritten. Neu ist auch die planmäßige Trinkpause pro Halbzeit und vier verschiedene Zeitzonen mit bis zu neun Stunden Zeitverschiebung sowie 16 verschiedene Anstoßzeiten zwingen beide Sender in weiten Teilen zum 24/7-Betrieb.

Gemeinsamer Signalfluss ohne IBC-Präsenz

Beide Sender verzichten bei dieser WM auf eine eigene Präsenz im International Broadcast Centre (IBC) in Dallas. Stattdessen beziehen ARD und ZDF – gemeinsam mit den ÖR-Sendern aus der Schweiz und Österreich – die Multifeeds über Eurovision Services, die das Signal von Dallas nach Genf transportieren und von dort über den Content Hub distribuieren – von Genf nach Mainz ins NBC (National Broadcast Center). Eurovision Services liefert die Multifeeds in HD bereits von 1080p59,94 auf 1080i25 gewandelt.

©ZDF

Florian Rathgeber, Technischer Leiter beim ZDF.

»Die Leitungsannahme der WM-Signale betreuen wir gemeinschaftlich im NBC«, erläutert Florian Rathgeber, Technischer Leiter beim ZDF.

Unilaterale Signale, die nicht über den Content Hub verfügbar sind – darunter Clean Feed Clips Action Channel und die ComCams – kommen direkt aus dem IBC in Dallas. »Dafür haben wir MTI beauftragt«, so Rathgeber. MTI betreibt als Sublizenzdienstleister der Telekom Nimbra-Knoten und reicht die Signale direkt nach Mainz durch. Sie werden im NBC mit eigenen Normwandlern auf 1080i25 gewandelt.

©ARD, WDRVon Mainz nach Köln laufen anschließend sowohl die Videosignale als auch die MADI-Signale (Audio Anbindung der Kommentatorenplätze für Hörfunk und TV) über Nimbras nach Köln in den ARD SportHub. Diese Strecke wird von der MPE (Mobile Produktionseinheit von ARD und ZDF) selbst betreut.

©ARD

Das MPE Venue Kit.

Deutschlandspiele ohne eigenen Ü-Wagen oder mobile Case-Regie

Die markanteste gemeinsame technische Neuerung betrifft die deutschen Spiele: ARD und ZDF haben sich hier auf ein gemeinsames Produktionskonzept geeinigt und haben erstmals für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft keine eigene Regie mehr vor Ort. Stattdessen kommt das MPE Venue Kit zum Einsatz – eine in einer gemeinsamen ARD/ZDF-Planungsgruppe entwickelte kompakte Remote-Übertragungseinheit.

©ARD

Kameramann Andreas Bulling zeichnet Bastian Schweinsteiger und Esther Sedlaczek auf.

Das Kit umfasst zwei Sony FX6-Kameras auf Gimbals, eine LiveU 810 als Videoübertragungslösung, Peplink VPN-Router zur bidirektionalen Übertragung der Audio- und Steuersignale via Codec, als Interkomsystem die punQtum-Serie von Riedel mit kabelgebundenen Beltpacks sowie 4 kabelgebundene Mikrofone und 4 Kopfhörerverstärker. Die Audiosignale werden über LUCI STUDIO Software Audio-Codecs mehrkanalig übertragen. Für das Videorückbild am Set wird ein Highbrightness Monitor mit SRT Decoder verwendet. Zwei LED-Licht-Panels sorgen für die Ausleuchtung der Pitch-Position.

Ein Multitechniker und zwei Kameramänner betreuen dieses kompakte Setup bei den Spielen der deutschen Mannschaft vor Ort.

©SWR

Steffen Kretz, Technischer Leiter SWR.

Steffen Kretz, Technischer Leiter SWR, erklärt: »Wir haben uns beim Venue Kit für Sony FX6 entschieden, weil sie vergleichsweise kompakt sind und sich in einen handgehaltenen Gimbal montieren lassen. Ihr Autofokus funktioniert sehr gut, außerdem weisen sie auch noch einen BNC- und nicht nur einen HDMI-Ausgang auf, was für uns besser passt. Die FX6 betreiben wir bewusst im APS-C-Crop statt im Vollformat –das Bokeh des Vollformat Chips erschien uns zu groß, um die Stadionatmosphäre im Hintergrund mit abbilden zu können. «

Berichterstattung von den Venues

Beide Sender skalieren ihren Produktionsaufwand in den Stadien je nach Stellenwert des Spiels stark.

©ARD

Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger auf der Com-Cam-Position.

Das Spektrum reicht beim ZDF vom voll ausgestatteten deutschen Spiel mit Pitch-Position und MPE Venue-Technik über kommentierte Spiele mit einer ComCam bis hin zu Nachtpartien, die aus dem NBC in Mainz kommentiert werden.

Die ARD folgt einem ähnlichen Prinzip: Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger präsentieren in der Gruppenphase neben den beiden deutschen Spielen mit Venue-Kit, fünf weitere ausgewählte Spiele »Match of the Day« direkt aus den Stadien über eine zusätzliche Position auf der Kommentatoren-Tribüne per ComCam und Kommentatoren-Sprechstelle des Host Broadcasters HBS. Die Position wird von einem Techniker betreut, der die HBS Technik mit eigenen Mikrofonen und einem In-Ear-Kopfhörerverstärker ergänzt.

©ARD

Production Manager Marcel Klein und Multi-Techniker Micha Bischoff, beide SWR, an der Com-Cam-Position in Toronto.

Mit zwei iPads werden Return-Signale aus Deutschland empfangen. » In der K.o.-Phase des Turniers werden wir dies voraussichtlich bei bis zu acht weiteren Spielen so umsetzen. Mit Spielen, die aus dem Studio präsentiert werden, bis zu Begegnungen, die in den Morgenstunden von den Kommentatoren über eine ComCam selbst präsentiert werden, skalieren wir vor Ort stark und berichten mit mehr oder weniger Ausstattung und Aufwand«, erläutert Steffen Kretz.

Kommentatoren-Teams

ARD und ZDF schicken je drei Kommentatoren-Teams in die Gastgeberländer. Beide Sender nutzen dabei die Infrastruktur des Host Broadcasters HBS als buchbare Elemente, um den eigenen Technik-Footprint vor Ort so gering wie möglich zu halten. Einige wenige Partien werden in Köln und Mainz kommentiert.

Seite 1: Eckdaten, Venue-Berichterstattung
Seite 2: EB-Teams, SportHub und ARD-Studio, Hörfunk
Seite 3: NBC, ZDF-Studio, Resümee

Autor: Christine Gebhard

Bildrechte: ARD, ZDF, Nonkonform

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