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VIDI NMS: Das Nervensystem moderner Broadcast-Netzwerke
Wenn alle Bundesliga-Stadien gleichzeitig Signale liefern, das ZDF sein internes Leitungsnetz umschaltet und gleichzeitig internationale Broadcaster ihre Feeds abholen — dann läuft irgendwo im Hintergrund ein System, das all das koordiniert. Bei einer ganzen Reihe dieser Szenarien ist dieses System das VIDI NMS, das Network Management System.
Zum Showcase 2026 hatte VIDI ausgewählte Fachbesucher eingeladen, um genau dieses System von innen zu erleben: live, unter Last, an realen Projekten. Wer an dem ganztägigen Event teilnahm, erlebte kein Produktversprechen, sondern laufenden Betrieb — und verstand schnell, warum VIDI seine Kompetenz nicht im Verkauf von Einzelkomponenten sieht, sondern im Beherrschen von Systemkomplexität.
Vom SNMP-Manager zum vollständigen Orchestrierungssystem
Das VIDI NMS hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Im Vorfeld der WM in Südafrika erkannte VIDI um 2010 eine Lücke im Markt.
Geschäftsführer Jürgen Jahn erläutert: »Ein System, das verschiedene Netzwerktechnologien unterschiedlicher Hersteller in einer einheitlichen Oberfläche zusammenführt und dem Operator echte Kontrolle gibt, existierte nicht. Also entwickelten wir es selbst. « So entstand unter der technischen Federführung von Karsten Winterberg, heute Geschäftsführer und technischer Leiter bei VIDI, das NMS.
Was als einfacher Element-Manager begann, wuchs über gut 15 Jahre zu einem vollständigen Orchestrierungswerkzeug: Monitoring, Steuerung, Provisionierung, Scheduling, Anbindung externer Buchungssysteme — alles in einem System. Heute ist das VIDI NMS weltweit im Einsatz: bei großen Telcos in Nordamerika, bei Tata Communications, Orange, Global Connect, in Studio-Vernetzungsprojekten in Asien und sogar bei der Steuerung landesweiter DVB-T2-Sendemasten im Oman und Dubai — inklusive Überwachung von Dieselgenerator-Füllständen und Raumtemperaturen.
Bundesliga: Doppelstern, 10/100 GbE, vollautomatisiert
Das wohl bekannteste VIDI-Projekt im deutschsprachigen Raum ist die Netzinfrastruktur für Sportcast — den Mediendienstleister der DFL, der die Signalverteilung für die 1. und 2. Bundesliga verantwortet. VIDI ist dabei Generalunternehmer gegenüber Sportcast und DFL; als Carrier arbeiten die drei großen deutschen Telekommunikationsunternehmen im Hintergrund.
Die heutige Infrastruktur verbindet alle Stadien beider Ligen ausschließlich über Glasfaser, in einer Doppelstern-Topologie mit redundanten roten und blauen Wegen. Jedes Stadion ist mit 10 GbE angebunden, zentrale Standorte fahren mehrere 100-GbE-Strecken.
In der spielfreien Zeit 2025 rüstete VIDI das gesamte Netz um — neues Setup, neue Medien-Adaptionstechnik, erweiterte Konnektivität in allen 36 Stadien. Seit dem ersten Spieltag der aktuellen Saison läuft die neue Infrastruktur in vollem Umfang.
Als neue Technologieplattform für die Medienadaption kommt die Xscend-Baureihe von Media Links zum Einsatz. Ausschlaggebend für die Wahl waren laut VIDI vor allem drei Faktoren: die Kompatibilität mit der bestehenden Broadcast-Infrastruktur, die Robustheit der Plattform und ihre tiefen Integrationsmöglichkeiten in das VIDI NMS. Hinzu kommen hohe Packungsdichte im 2-HE-Formfaktor, ein modularer Aufbau sowie Unterstützung aller gängigen Kompressionsverfahren — von JPEG 2000 über JPEG XS bis hin zu HEVC. Am zentralen Produktionsstandort erfolgt die Signalübergabe nun auch in SMPTE ST 2110, was den vollständigen Schritt in IP-basierte Workflows markiert.
Was über dieses Netz transportiert wird, ist längst mehr als Video: Audio, Kommentar, Scouting-Feeds, Datendienste — alles läuft über dieselbe Infrastruktur. Alle Stadien sind voll redundant und mit hoher Bandbreite angebunden, was eine hohe Anzahl an Signalen und Services je Spielstätte ermöglicht. Auf dieser Basis realisiert Sportcast in der 2. Bundesliga nun zwei Begegnungen pro Spieltag als Remote-Produktion — ein konkreter Mehrwert, den die erweiterte Infrastruktur erstmals ermöglicht.
Das VIDI NMS steuert den gesamten Ablauf. Die Buchungen für den nächsten Spieltag treffen in der Regel am Nachmittag vor dem Spieltag ein. Das NMS aktiviert daraufhin alle beteiligten Komponenten: Es legt auf den Cisco-Nexus-Switches Multicast-Flows an, konfiguriert die Medien-Adaptionstechnik, reserviert Bandbreite, provisioniert Primär- und Redundanzwege — ohne manuellen Eingriff. Nach Spielende läuft die Deaktivierungssequenz ebenso automatisch. Kapazitäten stehen binnen Millisekunden wieder zur Verfügung. Auch das NOC bei VIDI in Darmstadt wurde im Zuge des Projekts angepasst und erweitert, um einen bestmöglichen Support sowohl zentral als auch vor Ort in den Stadien zu gewährleisten.
ZDF INL 2.0: Ein Netz, 23 Standorte, eine Steuerungsinstanz
Ähnlich komplex, aber anders strukturiert ist das Integrierte Nationale Leitungsnetz 2.0 (INL 2.0) des ZDF. Hier trägt VIDI die Gesamtverantwortung für Medienadaption, Dienstebereitstellung und Netzüberwachung. Das Netz verbindet 23 Standorte mit Hunderten Devices und Ports.
Seite 1: VIDI NMS, Video
Seite 2: Routing, WAN-Workflow, Remote Audio, Video zu Media WAN
Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: Nonkonform
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