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MagentaTV: Die WM schläft nie – die Regie auch nicht

MagentaTV überträgt die Fußballweltmeisterschaft 2026 mit 104 Spielen und über 1.000 Stunden Programm: Mit Studios in München und New York, mobilen Stadion-Setups auf drei Kontinenten und einer durchgängigen HDR-Signalkette.
Vom Basketball-Start zur Weltmeisterschaft
Die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Telekom und thinXpool TV reicht zurück bis ins Jahr 2014, als die Telekom mehrjährige Übertragungsrechte für die Spiele der deutschen Basketball-Bundesliga erwarb. Seitdem kamen sukzessive weitere Rechte hinzu, und schließlich der Paukenschlag 2019, als die Telekom die Heimrechte an der Europameisterschaft erwarb. Die EM 2020 (ausgetragen 2021) und die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 folgten als erste Großevents, damals bereits in UHD-Qualität.
Für 2026 hat thinXpool als Generalunternehmer der Deutschen Telekom nun die Gesamtverantwortung für Produktion und Sendekonzept übernommen – und die Komplexität ist nochmals massiv gestiegen. »Das ist die größte WM aller Zeiten – und das ist kein Spruch«, sagt Alexander Dechant. »104 Spiele, 48 Teams. Die Gruppenphase allein hat 72 Spiele, früher waren es 64 bei der ganzen WM. Das ist mein Gradmesser für die schiere Größe dieser WM.«
Das Turnier verteilt sich auf drei Länder – USA, Kanada und Mexiko –, verschiedene Zeitzonen und Spielorte mit teils erheblichen produktionstechnischen Herausforderungen.
On-Air-Team
Vor der Kamera stehen Johannes B. Kerner und Laura Wontorra als Hauptmoderatoren, flankiert von Jürgen Klopp, Thomas Müller, Mats Hummels, Wolff Fuss und Tabea Kemme. Im Breakfast Club sind Sascha Bandermann und Laura Hofmann zu sehen, Jan Henkel übernimmt die taktische Analyse.
Technisches Konzept: Remote first
Das Leitprinzip der Produktion heißt Remote. Statt Crews mit Übertragungswagen durch drei Länder zu schicken, werden die wesentlichen Regieaufgaben zentral aus München gesteuert. »Bei der Euro 2024 sind wir noch mit der kompletten Crew von Stadion zu Stadion gefahren. Bei drei Ländern auf einem anderen Kontinent und diesen Distanzen war das keine Option mehr«, erklärt Stefan Torka, Head of Production bei thinXpool. »Die Distanzen sind schlicht zu groß – deshalb wollten wir ein Remote-Konzept.«
Stefan Torka definierte die grundlegende Idee des Remote-Konzepts und verfeinerte es gemeinsam mit Laurent Schiltz, CTO von TV Skyline. Er setzte die Idee in ein konkretes Systemdesign um, baute es in den folgenden Monaten auf und testete es gemeinsam mit dem Kunden thinXpool, bevor es schließlich per Logistikpartner auf die Reise nach Amerika geschickt wurde.
Wolfgang Reeh, CEO von TV Skyline, erinnert sich an die Planungsphase: »Wir haben über viele Monate Telcos und Pläne gewälzt. Am Ende sollte eine moderne, innovative Remote-Produktion herauskommen, die alles bietet, was die Beteiligten von einer herkömmlichen Produktion gewohnt sind – von der Regisseurin über den Kameramann bis zu den Leuten vor der Kamera.«
TV Skyline verantwortet bei diesem Konzept die Stadion-Infrastruktur vor Ort und ist dort auch für die Signalerstellung und das Management der Signale zuständig. MTI transportiert die Signale nach Deutschland.
Die Regiezentrale des Konzepts ist der Ü-Wagen Ü12 von TV Skyline auf dem DMC-Gelände in Ismaning bei München. Dort laufen alle Fäden zusammen: Stadion-Setups in den USA, Mexiko und Kanada und das Hauptstudio in New York.
So funktioniert das Remote-Konzept.
Unterschiedliche Produktionspakete
Das Motto der Berichterstattung lautet »The coverage that never sleeps« – und das ist wörtlich gemeint.
Um rund um die Uhr von allen Spielen bestmöglich berichten zu können, entwickelte thinXpool verschiedenen Produktionspakete, die sich je nach Bedeutung der Spiele unterscheiden. »Der Inhalt gibt dabei die Technik vor«, erläutert Stefan Torka. »Es gab eine redaktionelle Idee, und wir haben überlegt, wie wir das technisch bestmöglich umsetzen können.«
• Schwarz ist der Mindeststandard: ein Kommentator im Stadion mit einer zuschaltbaren Kamera – für Nachtspiele ohne hohe Bedeutung.
• Rot bedeutet: eine gebuchte Fifa-Kamera für rund zehn Minuten, für kurze Live-Schalten oder aufgezeichnete Auftritte.
• Silber ermöglicht eine eigene Kamera dauerhaft am Pitch, realisiert über ein mobiles Haivision-Übertragungssystem von TV Skyline.
• Gold ist die Maximalausstattung: Ein Studio im Stadion mit maximal vier Kameras, Licht, vier Mikrofonen und In-Ears, Vorschau-Monitor, Hintersetzer sowie
Cloud- und Kabel-Havarie-Intercom; zusätzlich verschiedene Positionen im Stadion – alles produziert aus der Münchner Regie im Ü12.
»Wir haben zwei aktive Gold-Sets, die zwischen den Stadien rotieren, plus ein komplettes Spare-System als Fallback«, erläutert Laurent Schiltz.
Die Technik des Gold-Setups besteht aus mehreren Flightcases. Der Aufbau sieht so aus, dass im jeweiligen Stadion im Cable Interconnections Room des Host Broadcasters HBS ein Remote-Case steht, das dann per Glasfaser an vier Positionen des Stadions angebunden wird: Studio, Behind-Goal, Touchline und Flash-Position. »In jedem Stadion gibt es zwei Cases, die nach Bedarf an jeder dieser vier Position angeschlossen werden können«, so Schiltz. »Der Kunde entscheidet dann, was wo gemacht wird – und in den Pausen wird umgebaut – ein Remote-Case kann dann beispielsweise von ‚Behind Goal‘ zu ‚Flash‘ umgezogen werden«.
Zum Kamera-Setup des Gold-Standards zählen eine ferngesteuerte Sony FR7 PTZ-Kamera plus zwei mobile Sony FX6 Gimbal-Kameras, die ebenfalls je nach redaktionellem Bedarf umgebaut werden.
Produziert wird in 1080p59,94 HDR, in HLG mit erweitertem Farbraum BT.2020 – also durchgängig in HDR.
Das Silberpaket entstand aus der Idee heraus, eine zusätzliche »leichtere« Lösung zu haben: Wenn ein Goldpaket gerade zwischen Stadien unterwegs ist, wird ein Teilset herausgelöst – eine FX6, Licht, Mikrofone, In-Ears und ein 5G-Bondingrucksack. Dieses Silber-Set kann man im Handgepäck im Flieger transportieren.
»Das gesamte Gewicht aller Systeme vor Ort, also EB-Setups, drei Goldpakete, New-York-Studio, Kameras, Kabel, Monitore, Licht inklusive – beläuft sich auf unter vier Tonnen – das ist wirklich wenig«, betont Laurent Schiltz.
Remote-Kontrolle: München sieht alles
Die Signalübertragung aus den Stadien nach München läuft redundant über drei Wege: Redundante Layer-2-Verbindungen über das HBS-Netz in JPEG XS plus ein drittes Signal über das öffentliche Internet in H.265 (Haivision Makito X4).
Die Latenz über Glasfaser beträgt rund 145 Millisekunden one way, über Public Internet rund 850 Millisekunden. »Im Havariefall sind das 0,8 Sekunden – das ist noch immer sehr gut machbar«, sagt Schiltz. Bisher musste bei über 70 Spielen der Gruppenphase auf das Fallback-System noch nicht zurückgegriffen werden.
Das öffentliche Mobilfunknetz in den USA entpuppte sich als unerwartete Schwachstelle. »Das war für uns überraschend – in den USA ist das public 5G wirklich nicht gut«, berichtet Wolfgang Reeh. Die mobilen Netze zeigten sich schwächer als erwartet.
Daraus folgte ein Extrembeispiel für Improvisationskunst: Für die Platzwahl-Szene am Mittelkreis hatte sich MagentaTV im Vorfeld das Recht gesichert, mit einer Kamera dabei zu sein. Eine Funkkamera wurde dafür allerdings nicht genehmigt, und das 5G-Netz war überlastet. Auch vier, fünf SIM-Karten im Bonding übers Public Internet hatten aufgrund des schlechten Netzes nicht ausreichend Bandbreite. Die Lösung: Der Moment wurde in der Kamera aufgezeichnet, ein Journalist sprintete vom Feld – und per LAN wurde die Aufnahme leicht zeitversetzt in die Produktion integriert. »Es kam halt einen Moment später. Aber es kam«, so Reeh.
TV Skyline hat zudem in Mainz eine eigene Infrastruktur aufgebaut, über die Schiltz von überall auf der Welt auf alle Systeme zugreifen kann – Intercom, Kamerasteuerung, Encoder, Bandbreiten-Monitoring. »Ich kann das nachts von zu Hause aus bedienen, wenn es irgendwo ein Problem gibt.« Bei einem Test-Event wurde beispielsweise eine sinkende Gesamtbandbreite aus Mainz erkannt und durch reduzierte Bitraten einzelner Kamerasignale stabilisiert – alles remote, alles in Echtzeit.
Ton: Die unterschätzte Herausforderung
»Für Kopfzerbrechen sorgt bei Remote-Produktionen meist weniger das Bild – sondern der Ton«, urteilt Wolfgang Reeh.
Konkret: die In-Ears der Moderatorinnen und Moderatoren. »Wenn man sich selbst mit 80 Millisekunden Verzögerung im Ohr hört, wird man kirre«, so Wolfgang Reeh, deshalb ist eine Lösung erforderlich, die dafür sorgt, dass sich die Moderatoren ohne Latenz hören können. Die Lösung dafür: Der In-Ear-Mix findet vor Ort in den USA, Kanada oder Mexiko statt. Der Toningenieur in München – Dirk Eufinger, seit 28 Jahren bei TV Skyline – hört die Mischungssumme aber in München ab und kann bei Bedarf Einfluss nehmen: einen Kanal lauter ziehen, einen anderen herunter. »Die finale Mischung macht er also mit der Latenz – aber das ja ist kein Problem, weil er nur kontrolliert und justiert «, erläutert Wolfgang Reeh.
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Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: Nonkonform, TV Skyline





















