Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Ralf Drechsler: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Ralf Drechsler. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_Acht_DrechslerRalf Drechsler ist einer von drei Gründern und Eigentümern des Postproduction-Hauses Acht Frankfurt. Zuvor gehörte er zum Gründungs- und Kernteam von Das Werk.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

HD wird ein immer größeres Thema in der Postproduktionswelt. Wir selbst sehen es im Moment als wichtigen Schritt in die Zukunft und wollen dies auch ab 2005 unseren Kunden anbieten. Der Workflow wird sich kaum von dem der herkömmlichen PAL-Produktionen unterscheiden.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Man kann von einer Signalwirkung in sofern reden, als man den Schritt zu HD mit einem internationalen Ereignis verknüpft. Sieht man aber genauer hin, wird man erkennen, dass Premiere zum Beispiel 2005 schon drei Kanäle in HDTV senden wird. Viele Sendungen werden schon heute von den Sendeanstalten in HD produziert.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Wir denken, dass momentan die hohen Investitionskosten für die Hardware, sowie die noch nicht so offene Haltung vieler Kunden die Postproduktionsunternehmen davor zurückschrecken lassen, den ersten Schritt in diese Zukunft zu gehen. Damit HD zur alltäglichen Realität werden kann, muss man den Kunden die Sicherheit und Gewissheit vermitteln dass eine HD-Produktion genauso wie eine PAL-Produktion ablaufen kann. Dies setzt natürlich einen effektiven Workflow für die Projektdurchführung voraus.
Ein weiterer wesentlicher Punkt sind Kameraleute und ihre Assistenten. Erst wenn sich ein Kameramann mit einer HD Kamera
ebenso sicher fühlt wie etwa mit einer Arri 435 — und oft hat er damit jahrelange Erfahrung — wird sich auch ein Regisseur davon überzeugen lassen, dass sich in HD gute Bilder drehen lassen.

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Die Frage nach dem »Wann« kann man nur schwer beurteilen, sie hängt von zu vielen Faktoren ab, auf die wir aus der Postproduktion keinen direkten Einfluß haben. Was man aber sagen kann ist, dass man den Kunden im Vorfeld auch jetzt schon beratend zur Seite stehen sollte, wenn Kampagnen geplant werden die für einen längeren Zeitraum geschaltet werden sollen. Diese sollten definitiv in HD postproduziert werden, da man von einem HD-Master schnell und einfach ein PAL-Sendeband erstellen kann. Im Nachhinein eine PAL-Produktion in HD zu wandeln, das sollte man niemanden empfehlen.
Bei der Frage nach der Erwartung an die Sendeanstalten wird man sicherlich bei den Privaten eine schnellere Umstellung auf HDTV sehen als bei den Öffentlich-Rechtlichen, da man mit einer besseren Qualität beim Endkunden natürlich auch besser Werbezeiten an die Werbekunden verkaufen kann.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Der Consumer-Markt ist sicherlich einer der oben genannten Faktoren, die mit über das »Wann« entscheiden. Wenn die Leute HDTV-fähige Endgeräte besitzen, müssen die Sender es dem Konsumenten auch anbieten.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Wir sind der Meinung das sich das HDTV-Format mit 1920 x 1080 durchsetzen wird. Welche Frame-Rate es am Ende sein wird, hängt auch sehr stark von den Sendeanstalten ab. Aber was wir für unsere Kunden als wichtig empfinden ist, dass man ein normales HD-Master mit 1920 x 1080 dann jederzeit auch für die Kinoausbelichtung verwenden kann.

**Was wollen Sie uns noch zum Thema HD mitteilen?

Wir sind sicher, dass man mit der richtigen Betreuung den Kunden auch jetzt schon eine HD-Produktion schmackhaft machen kann, denn es gibt eindeutige Vorteile. So kann man — wie schon erwähnt — ein Masterband erstellen von dem aus problemlos verschiedene Sende-Master in jeweils optimaler Qualität generiert werden können, aber auch gleichzeitig Kinokopien.
Man kann ganz normal, wie bisher gewohnt, auch weiterhin auf Film drehen und dann eine HD-Abtastung durchführen. Dann kommt dabei eben ein HD-Medium heraus und nicht wie bisher eine Digital-Betacam-Kassette.
Aus dem Grund werden wir unseren Workflow um das Quantel eQ-System ausbauen, was auch Bandmaschinen von Sony im HD-Bereich vorsieht.
Eines will ich abschließend noch sagen: Wir wollen auch technisch immer weiter nach vorne sehen. Ich denke das war und ist unser Ziel mit Acht Frankfurt und ich bin optimistisch das wir das auch im Jahr 2005 wieder unter Beweis stellen.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Acht_Drechsler.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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