Editorial, Kommentar, Top-Story: 05.09.2005

Richtungswahl

Viele reden derzeit in Deutschland von einer Richtungswahl. Und stärker noch als früher fühlen sich Hinz und Kunz dazu berufen, Wahlempfehlungen abzugeben. Wer aber tatsächlich die IHK-Zeitschrift oder die Apotheken-Umschau benötigt, um zu einer schlüssigen Wahlentscheidung zu kommen, der kann einem ohnehin nur Leid tun.

Weil sich die Redaktion von www.film-tv-video.de ganz sicher ist, dass Sie solches Mitleid nicht brauchen und von diesem Newsletter schon gar keine Wahlempfehlung erwarten, gibt es auch keine – sondern nur den allgemeinen Aufruf, Ihrer demokratischen Pflicht nachzugehen.

Auch in Amsterdam steht aber eine Richtungswahl an, wenn sich die Branche ab Donnerstag dieser Woche dort zur IBC versammelt, um in Workshops, Vorträgen und an den Messeständen Informationen zu sammeln und auszutauschen. Die Richtung ist dabei klar: alles läuft auf HD zu. Die Wahlmöglichkeit besteht für alle ernsthaften Marktteilnehmer darin, zu entscheiden, wann und wie sie den Wechsel vollziehen (können) und HD mit ins Boot nehmen.

Das klingt Ihnen zu apodiktisch? Sie glauben, das Rennen sei noch offen und HD nicht Wahlsieger? Dann sollen an dieser Stelle einfach mal die üblichen Argumente beiseite bleiben und eine ganz simple Argumentationskette aufgebaut werden: Wie heißt der größte Fernsehmarkt der Welt? Wird dort derzeit massiv in HD investiert? Werden die wichtigen Geräteanbieter ihr Produkt-Portfolio an diesem Markt ausrichten? Werden sie dann noch genug Kapazität haben, weiterhin auch dedizierte SD-Produkte zu entwickeln?

Wird also alles HD? Nein, keineswegs: Die große Menge installierter SD-Geräte wird diesem Format noch ein langes Leben bescheren, außerdem wird es noch lange Fernsehausstrahlungen in SD geben. Aber es wird ein Up- und Down-Konvertieren von Material stattfinden, wie man es bisher nicht kannte. Und es werden noch weitere, neue Formate hinzukommen, auch solche in einer niedrigeren Qualität, als SD sie darstellt: Mobile Content heißt das wichtige Stichwort, gemeint ist damit meistens Bewegtbild auf dem Handy. Neben dem Internet als Verbreitungsweg für Bewegtbilder sehen viele im Zusammenwachsen von Broadcast und Mobilfunk eine neue vielversprechende Richtung. Rückwirkungen inklusive: Sequenzen, die mit Handys aufgenommen wurden oder Live-Berichte via »Videophone« haben längst Einzug ins TV-Programm gehalten.

Somit könnte das Motto der diesjährigen IBC lauten: SD ist tot, es lebe Multiformat.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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