Editorial, Kommentar, Top-Story: 26.04.2006

Neue Codecs in der Kamera?

Schon vor zwei Jahren war die Suche nach einem Nachfolger für MPEG-2 während der NAB ein Thema — wenn auch damals noch überwiegend in Vorträgen und Technologie-Demos. Mittlerweile tummeln sich schon einige der damals ganz neuen Technologien im Markt und sind in erste Produkte eingeflossen: MPEG-4, H.264, DNxHD sind schon längst keine Fremdworte mehr.

Nun vollzieht sich allem Anschein nach der nächste Schritt beim Thema Kompression — angetrieben durch den langsam zunehmenden Wechsel bei Produktion und Distribution in Richtung HD.

Besonders deutlich wird das mit Panasonics Ankündigung, dass man zukünftig neben DVCPRO auch H.264 als Codec optional anbieten werde, um auf P2-Karten aufzunehmen — zunächst in drei neu vorgestellten Geräten. H.264 hat den Vorteil, dass bei in etwa vergleichbarer Bildqualität wesentlich weniger Speicherplatz benötigt wird: die Aufnahmedauer mit dem von Panasonic verwendeten AVC Intra, einer auf H.264 basierenden und mit normalen H.264-Decodern kompatiblen Intraframe-Kompression, verdoppelt die Aufnahmedauer pro P2-Karte: bei in etwa vergleichbarer Bildqualität. Ein logischer Schritt also, der dem Hersteller viele Vorteile bei der Vermarktung von P2 bringt.

Panasonic ist mit diesem Schritt weder allein noch der Erste: Ikegami bietet schon länger seine bandlose Editcam an, die mit verschiedenen Codecs, Kompressionsverfahren und Dateiformaten auf Wechselfestplatten oder Festspeicher aufzeichnen kann — unter anderem auch mit dem von Avid entwickelten DNxHD. Grass Valley preschte beim noch nicht verfügbaren Infinity noch weiter vor und kündigte schon im vergangenen Herbst an, man werde den Kunden die Wahl zwischen zahlreichen Codecs und Kompressionsverfahren lassen – unter anderem brachte das Unternehmen auch JPEG2000 ins Spiel. Jan Eveleens von Grass Valley sieht die Möglichkeit, auch zukünftig noch aufkommende Verfahren und Codecs eventuell sogar in bestehenden Geräten nachrüsten zu können: Man braucht nur einen Chip, der das Verfahren in Echtzeit beherrscht und nicht zu viel Leistungsaufnahme fordert, damit er die Akkus nicht zu rasch leersaugt. Sony geht das Thema HD schon immer nach dem Motto »one size does not fit all« an, in der Praxis stellt sich dies als Arbeiten mit drei verschiedenen Codecs dar: HDCAM, XDCAM HD und HDV nutzen jeweils unterschiedliche Verfahren, die nicht direkt miteinander kompatibel sind. Auch JVC schraubt am Codec seiner HDV-Baureihe und will mit einem neuen Codec Bildraten von 50 und 60p ermöglichen – und das bei gleicher Datenrate wie bisher bei 24, 25, oder 30p.

Somit wird sich der bunte Strauß der Kompressionsverfahren, Codecs und Dateiformate definitiv noch einmal weiter auffächern und er wird um neue Blüten bereichert werden: Insgesamt ein Wahnsinn, dem nur die Anwender Einhalt gebieten könnten — die das aber nicht tun werden, weil keine einheitliche Haltung zu diesem Thema möglich ist.

So wird also der eine dies, der andere das einsetzen und viele Anwender werden rasch erkennen, dass die Halbwertszeit auch bei Camcordern und Recordern immer kürzer wird.

Mit dem Vordringen der neuen Codecs und Kompressionsverfahren könnte sich auch der Wechsel zur bandlosen Aufzeichnung beschleunigen: Bei Bandsystemen sind Kompressionsverfahren und Aufzeichnungsparameter eng verknüpft, einfach neue Codecs einzusetzen, wenn diese verfügbar werden, ist nicht ohne weiteres möglich — bei bandlosen, IT-orientierten Systemen geht das zumindest in der Theorie viel eher. Somit scheint der nächste Camcorder-Trend schon klar zu sein, auch wenn er in dieser Form während der NAB2006 noch nicht ganz deutlich erkennbar war: Kamera und Signalverarbeitung werden sich von der Aufzeichnung lösen, letztere wird ganz klar eine IT-Komponente werden.

Sie werden sehen.

Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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