Top-Story: 20.12.2006

Das Jahr 2006 im Rückspiegel

Welche technischen und wirtschaftlichen Themen beschäftigten die Branche im ablaufenden Jahr am stärksten? Wie meist in dieser Abteilung der Branche, weisen die am intensivsten diskutierten Aspekte eher in die Zukunft als sich mit der Gegenwart zu befassen.

Obgleich für die Mehrzahl der Anwender immer noch ein Zukunftsthema, hat sich HD im Jahr 2006 deutlich in Richtung Mainstream bewegt. HD ist auf den Weg gebracht, hat sich bei einer schnell wachsenden Zahl von Anwendern ganz klar vom Exotendasein zur praktischen Realität hin entwickelt. Der Großteil dieses Wandels betrifft gar nicht so stark die technische Seite, die sich im normalen Maß vorwärts bewegt hat, sondern vielmehr die handelnden Personen: In den Köpfen hat sich in diesem Jahr in puncto HD weit mehr getan als in der Technik. Viele Anwender, die noch im vergangen Jahr HD für sich selbst weit entfernt wähnten, befassen sich nun intensiv mit dem Thema, suchen Wege und Möglichkeiten, um in der HD-Zukunft anzukommen.

In der Praxis bleibt noch sehr viel zu tun und umzusetzen, das ist völlig unbestritten, schließlich beginnen die Öffentlich-Rechtlichen gerade erst, das Thema 16:9 für sich zu entdecken und zu forcieren. Es gilt noch etliche Hürden zu nehmen und eine lange Wegstrecke zurückzulegen, aber HD ist auf die Schiene gesetzt und nun muss der Zug eben langsam Fahrt und weitere Passagiere aufnehmen.

Die Visionäre befassen sich derweil schon verstärkt mit neuen Themen: Triple Play ist eines davon. Telefon, TV und Internet über einen gemeiinsamen Anschluss zu realisieren, das steckt hinter diesem Überbegriff. Anderes Lieblingsthema der Branche: Mobile TV, oder weniger schmissig: Handy-Fernsehen. Beides steckt bei genauer Betrachtung noch in den Kinderschuhen, hat die Pilotphase noch nicht verlassen. Außerdem klingt beides zunächst nach Themen, die nur die Distribution betreffen, also nicht in den Arbeitsbereich der Produktionsseite fallen. Wer schon länger in der Branche arbeitet weiß aber, dass jede Änderung im Distributionsbereich auch Änderungen auf der Produktionsseite nach sich zieht, die teilweise sogar bis zurück in den Akquisitionsbereich reichen. Das fängt beim Seitenverhältnis an und hört bei der Auswahl der Einstellungsgröße nicht auf: Totalen sind für Handy-Displays einfach unbrauchbar.

Noch spielen die neuen Distributionswege im Produktionsalltag keine große Rolle und der Ausstieg von E-Plus beim Handy-Fernsehen spricht Bände. Aber vielleicht erwächst aus den nun bei den Messen zweifellos überbewerteten Hype-Themen in naher Zukunft etwas Reales, Greifbares.

Real und greifbar ist schon jetzt eine Renaissance, die der 16-mm-Film im ablaufenden Jahr erlebt hat: Es wird wieder mehr in diesem Format gedreht, nicht trotz, sondern wegen des Aufkommens von HD. Auf 16-mm-Negativfilm zu drehen, hält eben viele Auswertungsoptionen offen und das ist in Zeiten des technologischen Wandels von SD zu HD in jedem Fall ein Thema. Wie passend, dass Arri im ablaufenden Jahr eine neue 16-mm-Kamera vorgestellt hat.

Eine andere Kamera, über die im Jahr 2006 viel geredet wurde, ist die Red One, eine Digital-Film-Kamera die der neue Hersteller Red Digital Cinema angekündigt und in verschiedenen Prototypen-Stadien gezeigt hat. Die Sensation besteht darin, dass der Hersteller seine Kamera mit höchster digitaler Auflösung zu einem äußerst moderaten Preis in der Größenordnung von 15.000 US-Dollar verkaufen will. Wie immer teilt sich die Welt auch bei Red One in Skeptiker und Fans auf, die Zukunft wird zeigen, ob und in welchem Maß Hersteller seine Versprechungen erfüllen kann.

Unter den Herstellerfirmen sticht im Rückblick auf dieses Jahr der Broadcast-Anbieter Harris heraus: Durch Zukäufe ist es Harris gelungen, binnen kurzer Frist die Nische als Anbieter von Sendeanlagen und Steuersystemen zu verlassen und auch in anderen Bereichen der Produktionskette eine Rolle zu spielen. Weiterer Bedeutungszuwachs für die Branche ist bei Harris ganz sicher nicht auszuschließen, denn das Unternehmen hat eine gut gefüllte Kriegskasse und Ambitionen zu einem der ganz großen und wichtigen Player im Broadcast-Markt zu werden.

War sonst noch was im Jahr 2006? Ach ja, die Fußball-WM. Hatte sie Auswirkungen auf die Branche? Ganz sicher: Vielleicht hat sich weniger bewegt, als die Optimisten sich erhofft hatten, aber insgesamt hat die Branche doch davon profitiert. Wie formulierte es kürzlich ein Verleiher: »Wer während der WM noch Kameras und Camcorder in den Regalen hatte, der ist selbst Schuld.« Und natürlich hat die WM auch das Thema HD nach vorne gebracht, auch wenn nur wenige im Austragungsland Deutschland selbst HD-Bilder sehen konnten.

Natürlich ließen sich noch zahlreiche weitere Themen aufgreifen und ganz sicher hat jeder auch individuelle Schwerpunkte: HDV, Content Management, bestimmte neue Produkte. Insgesamt deutet sich aber aber bei den meisten in der Branche an, dass 2006 als wirtschaftlich recht erfolgreiches Jahr abgeschlossen werden kann. Die Erwartungen für das kommende Jahr sind ebenfalls bei den meisten gut. Dann kann ja 2007 kommen!

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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