Editorial, Kommentar, Top-Story: 04.04.2012

Veränderung als Konstante

Dass Veränderung die einzige Konstante sei, das hat im Grunde schon der griechische Philosoph ­Heraklit formuliert, der in der Zeit um 500 v. Chr. lebte — und seither wurde diese Erkenntnis immer wieder neu interpretiert, etwa auch durch den russisch-amerikanischen Autor Isaac Asimov, dem die populäre englische Version »the only constant is change« zugeschrieben wird.

Ganz massivem, raschem Wandel ist derzeit die Broadcast-Branche unterworfen — und das geht nicht immer schmerzfrei vonstatten: Neue Kameratechnologien verändern den Aufnahmebereich ebenso, wie neue file-basierte Produktionsmethoden. Wo früher dedizierte Hardware eingesetzt wurde, die nur einen einzigen klar definierten Job erledigen konnte, sind heute vielfach konfigurierbare, flexible Systeme im Einsatz, die zahlreiche Aufgaben übernehmen können.

Veränderung als Konstante: Das kann einem phasenweise auch mal zu viel werden. Einen humorvollen Umgang damit pflegt das Videoclip-Portal Vimeo. Dort steht derzeit — wie in jüngerer Zeit auch schon bei Facebook und bei Youtube — eine neue Benutzeroberfläche zur Wahl. Die wird, man ahnt es schon, irgendwann zur Pflicht. Aber vorerst wird man als Nutzer beim Log-In lediglich informiert, dass man nun auch die neue Oberfläche nutzen kann. Darunter stehen dann zwei Buttons zur Auswahl: »Try it now« oder »I hate change«.

Auch wer sich — bei Vimeo oder im richtigen Leben — für die zweite Variante entscheidet, wird natürlich dem Wandel nicht entgehen — es sei denn, er will sich als kauziger Einzelgänger in eine virtuelle, soziale oder reale Nische zurückziehen. Das soll nun nicht heißen, dass man jede Mode mitmachen müsste, denn so manches erledigt sich schließlich von ganz allein. Aber wer den Wandel nicht als Konstante begreift und annimmt, der läuft Gefahr, überrollt zu werden.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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