Editorial, Kommentar, Top-Story: 01.05.2015

HDR: Wie im richtigen Leben

Manche in der Branche standen und stehen 4K skeptisch gegenüber: Es gebe Sinnvolleres und Wichtigeres, was man tun könne, um die Bildqualität zu steigern. Kann schon sein, aber irgendwo muss man ja anfangen, sagen dagegen viele der 4K-Befürworter.

Während der NAB2015 nun wählte Sony-Nordamerika-Chef Alec Shapiro einen interessanten Weg, um beide Lager zu versöhnen: »Sony 4K is not only resolution.« So stand es zu Beginn seiner Präsentation auf der Leinwand, es gehörten eben auch zwingend höhere Bildraten, größere Bit-Tiefen und größerer Dynamikumfang dazu. Das hatten viele in der Branche aus Sony-Richtung bisher zwar anders verstanden, aber was soll’s: Nun setzt Sony also auch auf HDR.

Im Kielwasser von 4K rücken unter dem Oberbegriff High Dynamic Range (HDR) die Steigerung von Dynamikumfang und Farbraum im Videobereich weiter ins Zentrum des Interesses: HDR war während der NAB2015 bei Firmen wie Filmlight, Dolby, Technicolor, Arri und ein paar weiteren hoch spezialisierten Anbietern, die sich schon länger damit befassen, ein großes Thema – und eben auch bei Mainstream-Anbietern wie JVC und Sony.

Allerdings haben die Hersteller bei diesem Thema immer noch ganz unterschiedliche Interessen: Manche sehen HDR unabhängig von UHD oder 4K und denken über die Einführung von HDR im HD-Bereich nach. Andere haben vorrangig das Kino im Auge. Firmen wie Amazon und Netflix sehen in HDR eine Möglichkeit, ihre Streaming-Angebote von anderen Inhalten abzuheben. Und die Display-Hersteller wollen am liebsten erst einmal »normale« UHD-Monitore in den Markt schieben und dann erst im nächsten Schritt mit HDR einen neuen Kaufanreiz setzen.

Schwer zu sagen, was sich in diesem Kuddelmuddel an Interessen letztlich im Markt durchsetzen wird. Doch eines kann man sicher sagen: es kommt Bewegung in die Frage, wie man die Bildqualität weiter steigern kann. Nun geht es darum, verbindliche, durchgängige Regeln und Standards zu schaffen, um das, was moderne Kameras können, auf modernen Displays optimal darstellen zu können.
Das wird noch einige Zeit brauchen, aber immerhin: die Richtung stimmt schon mal.

Sie werden sehen.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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