Editorial, Kommentar, Top-Story: 12.05.2015

Die SAPs und Oracles kommen

Während der NAB2015 konnte man einen Aspekt der Branchenveränderung sehen, der nicht schlagartig, wie einer der Hypes oder Trends der vergangenen Jahren sichtbar wurde, sondern sich über viele Jahre langsam und schleichend immer mehr Raum griff: Stetig wuchs in der Branche und auf den Messen die Zahl der Anbieter von Management-Software unterschiedlichster Couleur. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Mehr Management-Software war nie: Asset-Management, Content-Management, Playout-Management, Workflow-Management, Prozess-Management und viele, viele weitere mehr gab es im Rahmen der NAB2015 zu sehen — teilweise von bekannten Playern, teilweise von solchen, die in der Broadcast-Branche bislang eher unbekannt sind.

Das ist ein Zeichen dafür, dass der Broadcast-Markt — vielleicht abgesehen von den Geräten, Techniken und Dienstleistungen im unmittelbaren Umfeld der Dreharbeiten — den Manufaktur-Status verlassen und sich endgültig zur Industrie gewandelt hat. Dementsprechend gibt es eben nun auch hier in nahezu allen Bereichen das Äquivalent dazu, was SAP und Oracle in anderen Industrien darstellen.

Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass das weiter zunehmen wird. Schon länger gibt es während der NAB ganze Hallen oder Hallenteile, in denen etwa altgediente Kameraleute keine einzige Firma kennen. Das gab es schon immer, schließlich besteht diese Branche aus vielen spezialisierten Nischen, aber die Zahl der »unbekannten« Aussteller, oder derer, bei denen man nicht spontan erklären kann, weshalb sie teilnehmen und welche Produkte sie zeigen, sie ist in den vergangenen Jahren immer weiter angewachsen.

Es ist eine Binsenweisheit, dass sich die Branche wandelt, das ist schon immer so, zumal eben die Technik in der Medienbranche eine große Rolle spielt. Aber vielleicht muss man sich zudem damit abfinden, dass die größten und wichtigsten Impulse in den kommenden Jahren nicht mehr von den etablierten Playern kommen werden, die den Markt aufgrund ihrer Dominanz einigermaßen steuern konnten, sondern dass Einflüsse von der Consumer-Seite und von Internet-Riesen stärker als je den Takt vorgeben werden.

Sie werden sehen.

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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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