Editorial, Kommentar: 06.04.2018

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wenn es um den Kamerasensor geht, beantworten derzeit die meisten Anwender die in der Überschrift gestellte Frage positiv: Ja, es darf auch gern ein bisschen mehr sein.

Mehr Bilddiagonale etwa — was die Vorstellung von Full-Frame-Kameras wie der Venice von Sony, der Alexa LF von Arri und der C700FF von Canon erklärt, die in diesem Bereich nun verstärkt mitspielen wollen. Und wo ein großes Sensor wohnt, da sollte natürlich auch ein passendes FF-Objektiv dem Licht ein großzügiges Entree bieten. Auch hier also darf’s — oder sollte es sogar — gern ein bisschen mehr sein.

Auch bei den Photosites oder Pixels geht der Trend immer noch zu ein bisschen mehr — obwohl die meisten mittlerweile eingesehen haben, dass der Overkill hier in etlichen Aspekten gar nicht zielführend ist. So etwa im Zusammenspiel zwischen Auflösung und einem anderen Thema, wo es hingegen wiederum immer noch ein bisschen mehr sein darf: bei der Empfindlichkeit der Sensoren.

Mehr sein?
Darf’s ein bisschen mehr sein?

Zwar ist es derzeit en vogue, mit offener Blende und geringer Schärfentiefe zu arbeiten, aber manchmal braucht man eben trotzdem noch etwas mehr Lichtempfindlichkeit. Auch hier haben Sensorentwicklung und Signalverarbeitung in den letzten Jahren große Fortschritte ermöglicht. So kann man heutzutage mit ISO-Zahlen operieren, bei denen früher außer einem Rauschteppich kaum noch etwas vom Bild übrig geblieben wäre. Reds neuer Gemini-Sensor etwa weist hier den Weg in die Zukunft und greift auch gleich noch den Dual-Native-ISO-Modus auf, den Panasonic bei einigen seiner neuesten Kameras eingeführt hat.

Nicht in allen Bereichen der Branche aber sind Riesensensoren im FF-Format das Mittel der Wahl. Es geht auch ein paar Nummern kleiner, jedoch scheint auch hier zu gelten: Es darf durchaus ein bisschen mehr sein. So gibt es derzeit einen kleinen Boom bei den kompakten Henkelmännern, also in einem Marktbereich, den so mancher schon abgestorben wähnte. Aber auch hier darf der Sensor gern ein bisschen größer sein als früher und 4K/UHD sind durchaus gefordert: Sony ist hier mit dem PXW-Z90 und Panasonic mit dem UX180 schon länger präsent, Canon hat die Baureihe XF400 am Start, die auf reges Interesse stößt.

Werden Full Frame und der von Arri dafür bevorzugte SPL-Mount zum neuen Goldstandard am oberen Ende der Bewegtbildproduktion? Und wie weit wird dieser Trend innerhalb der Branche nach unten sickern? Werden die darunter angesiedelten Produktionslevels ebenfalls eine Stufe nach oben migrieren? Kann und wird der Live-Broadcast-Bereich sich von dieser Entwicklung abkoppeln? Die NABShow wird dazu sicher neuer Erkenntnisse liefern. Ab sofort bei film-tv-video.de nachzulesen in den Live-News aus Las Vegas.
 
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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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