Investition, Unternehmen: 28.11.2019

Perspektiven für Grass Valley

Tim Shoulders, Präsident von Grass Valley, erläutert die Position des Unternehmens seit dem geplanten Verkauf durch Belden.

Ende Oktober 2019 gab Belden bekannt, dass Grass Valley verkauft werden soll.

Ende Oktober 2019 gab Belden bekannt, dass Grass Valley verkauft werden soll (Infos). Der Grund: bei den von Belden angestrebten finanziellen Zielen für den Gesamtkonzern — Umsatz von 5 – 7% und EbitDA-Marge von 20-22% — sei es besser, sich von Grass Valley zu trennen (Grafik zur Firmengeschichte von Grass Valley).

Das klingt natürlich erstmal so, als sei Grass Valley ein Verlustbringer für Belden.

Tim Shoulders, Porträt, Grass Valley
Vor seiner Position als Präsident von Grass Valley war Tim Shoulders Vice President und General Manager des Unternehmensbereichs Industrial Cable von Belden.

Das sei aber keinesfalls richtig, erklärt Tim Shoulders, Präsident von Grass Valley. Er sieht ganz im Gegenteil positive Aspekte bei dem geplanten Verkauf.

Im folgenden Unternehmenspapier beantwortet er drängende Fragen und führt aus, dass er glaube, die neue Situation sei für Kunden, Partner, Wiederverkäufer und Mitarbeiter von Grass Valley interessant und eröffne Chancen.

Was bedeutet der geplante Verkauf für die Zukunft von Grass Valley?

Tim Shoulders: »Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, Grass Valley in diesem wichtigen Wandel zu führen. Bei Grass Valley verfügen wir über die technologisch fortschrittlichsten, durchgängigen Broadcast-Lösungen. Unser Unternehmen ist durch Innovationen und Weiterentwicklung in unserem Produktangebot strategisch gut aufgestellt und kann die jüngsten Kundenanforderungen erfüllen — einschließlich cloud-basierter Lösungen und Software-as-a-Service. Wir glauben, dass diese Investitionen das Unternehmen in die Lage versetzen, den permanenten Wandel der Medienbranche führend zu gestalten. Darin bestärkt uns das Interesse unserer Kunden und deren Engagement der letzten Quartale.«

Wer sind die potenziellen Käufer von Grass Valley?

Grass Valley, Logo
Belden hat schon im gesamten Laufe des Jahres 2019 Gespräche mit potenziellen Käufern von Grass Valley geführt.

Tim Shoulders: »Belden hat schon im gesamten Laufe des Jahres 2019 Gespräche mit potenziellen Käufern von Grass Valley geführt. Die meisten davon sind Private-Equity-Investoren, die keine größeren Beteiligungen an mit Grass Valley konkurrierenden Unternehmen halten. Es gibt großes Interesse an Grass Valley — und zwar aus verschiedenen Gründen.

Innovationen im IP-Bereich machen Grass Valley aus Sicht von Tim Shoulders auch für Investoren attraktiv.

Erstens sind wir ein gesundes Unternehmen. Die Investoren kaufen kein notleidendes Unternehmen, das sie in Ordnung bringen müssten. Mit unserem zweistelligen EBITDA sind wir bereits jetzt stark und profitabel. Wir haben einen beneidenswerten Kundenstamm, einen der stärksten der Welt. Die potenziellen Käufer, die unsere Technologie-Roadmap gesehen haben und einige der Produkte, die wir 2020 vorstellen werden, waren begeistert, besonders in Bezug auf unsere Next-Generation-Technologien.

Fasst man das zusammen, ist es ein ziemlich überzeugendes Paket für einen Investor. Wahrscheinlich wird das auf eine neue Eigentümerstruktur mit einem privaten Investor hinauslaufen. Für die Kunden dürfte das einen nahtlosen Übergang ergeben: Sie werden letztlich gar nichts davon merken, ob das Unternehmen verkauft wurde, solange die Qualität und Lieferung der Produkte auf einem hohen Niveau bleibt.

Tim Shoulders, Porträt, Grass Valley
Bei der IBC2019 betonte Tim Shoulders den IP-Bereich für Grass Valley.

Private Equity ist eine attraktive Option, die es einem Unternehmen ermöglicht, Wachstum voranzutreiben. Die potenziellen Private-Equity-Firmen, mit denen wir sprechen, wissen, dass es sich bei uns um eine zyklische Branche handelt, die viel F&E-Investitionen benötigt, um sie zum Laufen zu bringen und den Innovationsmotor am Laufen zu halten. Wenn man eine Aktiengesellschaft oder ein Teil davon ist, muss man sich ständig über das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Rentabilität im Klaren sein, und es gibt nur eine begrenzte Flexibilität, um Kompromisse einzugehen. Ein Szenario in Privatbesitz würde uns hingegen die Flexibilität geben, die wir brauchen, um unseren Fokus auf Innovationen zu legen, die unsere Branche voranbringen.«

Was bedeutet das für die Kunden?

Tim Shoulders: »Die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen, hat für uns nach wie vor höchste Priorität. Wir konzentrieren uns darauf, dass unsere Kunden reibungslos weiter arbeiten können, wenn wir uns von Belden ablösen. Für uns wird weiterhin »Business as usual« gelten. Das derzeitige Management-Team von Grass Valley bleibt intakt und die kundenorientierten Rollen — Vertrieb, Marketing, F&E — werden nicht beeinträchtigt. Anders als beim Rechnungswesen und einigen Backoffice-Funktionen wird es hier keine Änderungen geben. Belden wird voraussichtlich am laufenden Geschäft weiterhin finanziell beteiligt bleiben — und ist somit bis zum eventuellen Verkauf und auch darüber hinaus interessiert, Backoffice und andere Corporate Services fortzuführen.«

Wird sich diese Ankündigung auf den Status von Grass Valley auswirken?

Eine jüngst gestartete Initiative von Grass Valley: GV Technology Alliance.

Tim Shoulders: »Grass Valley ist seit jeher bekannt für seine technologischen Innovationen und Investitionen in Forschung und Entwicklung — und wir erwarten, dass die neuen Eigentümer verstehen, wie wichtig es ist, diesen Fokus fortzusetzen, insbesondere angesichts der Veränderungen, die die Medienindustrie durchläuft.

(…)

SaaS und cloud-basierte Services werden im Mittelpunkt unseres strategischen Plans stehen, und niemand kann das besser umsetzen als wir, weil wir über ein breites Produktportfolio verfügen. Wir entwickeln Lösungen, die den Wert steigern und neue betriebliche Effizienzsteigerungen schaffen. Wir sind zudem entschlossen, auf der NAB2020 mit wichtigen Produkteinführungen und vielem weiteren eine große Welle zu verursachen …«