Broadcast, Newsroom, Top-Story, Unternehmen, Video: 07.04.2020

Scisys wird zu CGI

Wie geht es weiter beim Hersteller Scisys Media Solutions, der mit seinen Newsroom- und Radioproduktionssystemen, darunter OpenMedia und Dira, international erfolgreich ist und weiter wachsen möchte? film-tv-video.de hat mit VP Michael Pfitzner über die Akquisition durch CGI und weitere Unternehmenspläne gesprochen.



So sieht die Roadmap aus
Viura - intelligente Kamerasteuerung im Radiostudio
Viura – intelligente Kamerasteuerung im Radiostudio.

Mit Dira Medox hat das Dortmunder Team um Michael Thielen ein Media-Management-System für den Radiobereich entwickelt, das eng mit NewsBoard verzahnt ist und noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird. Ein weiteres wichtiges Produkt ist für diesen Bereich die Visual-Radio-Lösung Viura. Dahinter verbirgt sich ein Softwaretool zur intelligenten Kamerasteuerung im Radiostudio für Redakteure und Moderatoren.

Beim Münchner Team um OpenMedia steht NewsBoard im Fokus.

Beim Münchner Team um OpenMedia steht NewsBoard im Fokus: ein webbasierter Client für Suche und Planung, bei dem der Anwender unterschiedliche Tools für die Recherche nutzen kann, etwa OpenMedia, aber auch Twitter, Facebook oder Youtube. So lassen sich auf einer browserbasierten Oberfläche ganz individuelle Dashboards erstellen, die diverse News- und Informationsquellen kombinieren. Mit France TV gibt es einen sehr prominenten Kunden, der auf das System setzt, und »aktuell fließt sehr viel Energie in die weitere Entwicklung dieses Tools«, erläutert Pfitzner.

Auch ein Architectural Redesign des OpenMedia-Unterbaus stehe auf dem Plan, hier habe man die Weiterentwicklung in Richtung von Micro Services und die Schaffung einer neuen API für die Anbindung weiterer Clients im Blick.

CGI plant eine Reporter-App, die es Journalisten unterwegs ermöglicht, remote auf OpenMedia-Tools zuzugreifen.

Ganz konkret denke man über eine Reporter-App nach, die es Journalisten unterwegs ermöglicht, remote auf OpenMedia-Tools zuzugreifen. »Diese API legt für uns den Grundstein dazu, mit weiteren Produkten auf den Markt zu gehen, und ermöglicht es zudem unseren Kunden, mit eigenen Entwicklungen an OpenMedia anzudocken. Außerdem arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer client-side API, den sogenannten External Tools. Damit sind verschiedenste Widgets möglich, die eigene kleine oder große Businesslogiken enthalten oder Schnittstelle zu anderen Systemen sind. StudioDirector 2.0, unsere Erweiterung zur Unterstützung von Automation im Sendebetrieb, basiert auf den External Tools.«

Zusammenwachsen von OpenMedia und Dira
Mit Dira Medox hat das Dortmunder Team um Michael Thielen ein Media-Management-System für den Radiobereich entwickelt.

Die Entwicklerteams von OpenMedia und Dira seien in einem regelmäßigen Austausch, sagt Michael Pfitzner. Man müsse aber auch sehen, dass der Markt durchaus unterscheide zwischen einem Radioproduktionssystem und einem Newsroom- bzw. Planungssystem. »Diese Systeme OpenMedia und Dira verfolgen unterschiedliche Einsatzzwecke «, so Pfitzner. Integrationsbedarf entstehe letztlich dann, wenn ein Kunde beide Systeme nutze.

Mittelfristig sollen über Interfaces wie die »External Tools«, also eine API auf der Client-Seite, direkte Interaktionen mit Drittsystemen möglich werden.

Schon jetzt gebe es aber engere Anbindungen, etwa über MOS oder HTML5 Komponenten in Newsboard und Medox. Pfitzner verdeutlicht das mit einem einfachen Beispiel: »Man kann sich in Dira-Komponenten wie dem OnAirPlayer beispielsweise einen Twitter-Widget von OpenMedia anzeigen lassen. Umgekehrt kann ich in NewsBoard Feeds von Medox oder Dira importieren, sodass ich mein Audio sehe.

Mittelfristig sollen über Interfaces wie die »External Tools«, also eine API auf der Client-Seite, direkte Interaktionen mit Drittsystemen möglich werden. Konkrete Beispiele dafür gibt es schon: etwa eine Avid-Integration mittels Connector für Media Central sowie Anbindungen von Vizrt-, Ross-, EVS- und Grass Valley-Systemen, die in Arbeit sind. »Über diese Schnittstelle wird es auch eine engere Anbindung von Dira geben«, erläutert Michael Pfitzner. Eine Verschmelzung der beiden Produktlinien sei aber nicht geplant und auch nicht sinnvoll – wohl aber eine gezielte Integration zur Verbesserung bestimmter Workflows.

Herausforderungen der Kunden
»Wachstum wird von CGI nicht nur gefordert, sondern auch gefördert«, erklärt Michael Pfitzner.

Wie wichtig und wie wertvoll die Rolle von Nachrichten in unserer heutigen Welt ist, zeigt sich in der Corona-Krise ganz besonders. Und auch, wie essenziell es ist, dass seriöse News auf verschiedenen Kanälen zur Verfügung stehen.

»Unsere Kunden müssen unterschiedlichste Herausforderungen bewältigen. Sie müssen sich verstärkt weg vom linearen Fernsehen in Richtung online orientieren. Sie müssen crossmedial denken und dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Departments enger zusammenarbeiten. Und sie müssen effizient sein und ihre Inhalte mehrfach auswerten«, konstatiert Michael Pfitzner. Lösungen für diese Anforderungen zu entwickeln, betrachtet er vor diesem Hintergrund als eine zentrale Aufgabe für sein Team.

»Das klassische lineare Fernsehen wird irgendwann vom nichtlinearen Konsum überholt – vielleicht ist dieser Punkt schon erreicht. Doch unabhängig vom Ausspielweg braucht es ein vernünftiges Planungs- und Recherchetool, denn je professioneller gearbeitet wird, desto wichtiger wird die Planung«, sagt Michael Pfitzner.

Für ein Planungssystem wie OpenMedia gebe es deshalb nach wie vor eine große Relevanz – auch bei potenziellen neuen Kunden, zu denen er große Online-Kanäle zählt, aber auch klassische Printhäuser.

Professionelle Recherche und Produktion koste allerdings, und viele CGI Kunden seien deshalb angehalten, die erzeugten Inhalte für verschiedene Formate und Verbreitungswege einzusetzen, so Pfitzner. »Hier müssen alle Journalisten in einem Haus das gemeinsame Ziel sehen. Grenzen zwischen den Verbreitungswegen TV, Radio und Online verschwinden zusehends bzw. werden radikal aufgehoben«, urteilt er und ergänzt, dass dies bei Change-Prozessen oft die eigentliche Herausforderung für die Journalisten sei. Am Ende aber profitiere das Unternehmen als Ganzes – und somit in letzter Konsequenz auch jeder Einzelne.

Firmen- und Produkthistorie
  • Die Wurzeln von OpenMedia liegen bei Nexus Informatics, die das Redaktionssystem NewsWire-OpenMedia zur NAB1998 vorgestellt hatten, damals noch auf Basis von Windows NT. Aus Nexus wurde dann A.N.N Systems.
  • Dalet übernahm zentrale Assets von ANN.

    Später kaufte der Konkurrent Dalet das Unternehmen und dessen zentrales Produkt. Der Hersteller firmierte ab dann als Dalet-a.n.n.

  • Im Jahr 2008 erfolgte eine Ausgründung durch das Führungsteam der Münchner Dalet-Niederlassung unter dem Firmennamen Annova. Damit war der Hersteller von OpenMedia wieder selbstständig.
  • 2008 erfolgte eine Ausgründung durch das Führungsteam der Münchner Dalet-Niederlassung.

    Im November 2016 gaben die Gesellschafter von Annova und Scisys bekannt, dass man die Unternehmen unter einem Dach vereinen werde. Scisys erwarb hierfür 100 % der Anteile an Annova.

  • 2018 wurde dann der Merger von Annova Systems und Scisys MBS, einem Geschäftsbereich der Scisys Deutschland GmbH, vollzogen: die Scisys Media Solutions GmbH war entstanden. Open Media und Dira, die beiden zentralen Produktlinien des Unternehmens, wurden seither sukzessive weiterentwickelt.
  • 2019 stand dann die nächste Entwicklungsstufe an: Das kanadische IT-Unternehmen CGI machte ein Übernahmeangebot für Scisys, das Unternehmen, zu dem auch Scisys Media Solutions gehört.
  • 2016 gaben die Gesellschafter von Annova und Scisys bekannt, dass man die Unternehmen unter einem Dach vereinen werde.

    Die kanadische Firma CGI wurde 1976 gegründet und ist ein unabhängiger Anbieter von IT- und Business-Consulting-Dienstleistungen. Rund 77.000 Mitarbeiter weltweit sind aktiv in den Bereichen Systemintegration, Outsourcing Services und bei Intellectual-Property-Lösungen. Der Jahresumsatz von CGI beträgt über 11,5 Milliarden kanadische Dollar. In Deutschland sind an 19 Standorten rund 4.000 Mitarbeiter für CGI beschäftigt.

Seite 1: Status Quo, Wachstumschancen unter dem Dach von CGI
Seite 2: Roadmap OpenMedia/Dira, aktuelle Herausforderungen, Historie

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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