Kurznachrichten: 22.12.2022

News: Kurz und knackig – KW 51/2022

P7S1: Parlare italiano? Vorauseilend: ARD schiebt von linear nach digital. RBB: 180 zuviel. Geht ohne: User wünschen Musk weg. Langwelle: Ohne spart Energie. IFA: Nun auch ohne ARD.

Unternehmen

Bei Österreichs Wettbewerbsbehörde wurde der »Erwerb von faktischer alleiniger Kontrolle an ProSiebenSat.1 Media SE, Deutschland, durch MFE-Mediaforeurope N.V., Niederlande« angezeigt. Berlusconis TV-Holding hält offiziell nur knapp 30%. Der Antrag lässt darauf schließen, dass weitere Aktien im großen Umfang über Dritte kontrolliert werden.
Am Montag meldete MFE der Medienanstalt BLM eine beabsichtigte Erhöhung auf 29,9%, deren Vollzug längst bekannt ist. Laut BLM könnte nun ein Verstoß gegen die Staatsferne des Rundfunks vorliegen. Das wird die Kommission der Medienanstalten für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medienanstalten beschäftigen.
Auch um Canal+ als Kaufinteressenten des PayTVs von Comcast wird spekuliert. Die Vivendi-Tochter hatte kürzlich in Österreich einen Streamer mit dem Mobilfunker A1 gegründet. Mit dem Kaufinteressenten Ralph Dommermuth (1&1) könnte in Deutschland – nach Teilung des angeblichen Kaufpreises von 1 Mrd. € – eine ähnliche Konstellation entstehen.
Der Aufsichtsrat der NDR-Tochter erwartet »trotz schwieriger äußerer Umstände ein gutes Ergebnis« für 2022. Die Gruppe setzte 2022 rund 300 Mio. € um.
Von 17,5 Mio. Teilnehmern votierten 57,5%  für den Rückzug von Elon Musk als CEO. Musk will dem folgen. Was nicht ausschließt, dass er weiter auf sein 44 Mrd. $-Investment Einfluss nimmt. Präsidentin Roberta Metsola lud Musk zu einer öffentlichen Anhörung im EU-Parlament ein.

Broadcast

Die NRW-Landesrundfunkanstalt plant 2023 mit Erträgen von 1,53 und Ausgaben von 1,59 Mrd. € inkl. Abschreibungen. Das buchhalterische Defizit von 48,3 Mio. € ist durch Rücklagen gedeckt. Man halte an den Sparbeschlüssen fest und werde Ressourcen vom »Linearen« ins »Digitale« umschichten.
Auch das Finale – am Sonntag unüblich um 16 Uhr im Ersten – konnte an frühere WM-Quoten nicht anknüpfen. 13,86 Mio. Zuschauer (53,6%) waren zwar 3,3% mehr als beim »kleinen Finale«. 2018 sahen 21,3 Mio. das Finale, 2010 waren es 25 Mio. Den WM-Sieg der Deutschen verfolgten 2014 sogar 35 Mio. im TV. Gegenläufig bilanziert das ARD-Streaming je Spiel im Schnitt 6,5 Mio. Abrufe. Apps und Inhalte im Web hatten ab dem 19.11. 60,4 Mio. Visits. Die YouTube-Shorts wurden 10 Mio. mal abgerufen.

Streaming

Noch bevor der neue Medienstaatsvertrag in Kraft tritt, stellt sich die ARD darauf ein: 2023 wird ein ARD-Spartenkanal eingestellt, kündigen die Intendanten an. Nach Umschichtung von 150 Mio. € vom Gemeinschaftsprogramm in die Mediathek in 2022 werden 2023 50 Mio. € vom ARD-Sport in die Mediathek abgezogen.

Radio, Audio

Die neun Anstalten wollen Klima-, Verbraucher- und Hörspielthemen in Kompetenzzentren bündeln, um zu sparen. Laut SWR-Intendant Gniffke sei auch nicht damit zu rechnen, dass jede Anstalt künftig ein eigenes 24h-Kulturradio betreibt. Der SWR »prüfe, eine Hörfunkwelle ins Digitale umzuschichten«.
Die Multimediaredaktion der vier Privatradios aus dem Südwesten setzt für alle Streamings und Online-Portale auf die Technologie der Radio Ecosystem Company (resc.) und die Cloud-Plattform von QuantumCast.
Die Teutocast-Gruppe stellt ihr erst seit Juni 2021 aktives Sport-Spartenradio am 31. Dezember ein. Die Verbreitung erfolgte im zweiten nationalen DAB+-Multiplex. Man setze künftig, wie beim Schwestersender Femotion, auf eine regionale Strategie.
Die hessische Mediengruppe beendet die Verbreitung von HitRadio, Planet Radio und Harmony.FM über Astra 19,2 Grad Ost. Neben den wenigen Sat-Hörern sind auch Kabelnetzer betroffen, die das Signal weiterleiten. Die drei Sender sind landesweit über DAB+ und UKW sowie online zu hören.

Netze, Frequenzen

1933 hatte Radio Luxemburg (heute RTL) französische Gesetze ausgetrickst, indem aus Luxemburg nach Frankreich gesendet wurde. Zum Jahreswechsel beendet der Bertelsmann-Sender die Verbreitung über Langwelle 234 kHz und spart rund 6.000 MWh Strom pa.

Märkte, Studien, Statistiken

Die tägliche Abo-Entwicklung von Disney+ im Q3 in den USA zeige den Einfluss exklusiver Premieren und Specials wie z.B. Live-Streams am 8.9. Wichtig sind laut Ampere Analysis auch Zurückhaltung im Preiskampf und Bundling, wie mit Hulu.

Medienkrieg Russland/Ukraine

Wegen der russischen Aggression kann die Ukraine das ESC-Finale des Eurovision Song Contest nicht ausrichten. Der nationale Vorentscheid wurde in einer zum Bunker umgebauten Kiewer U-Bahn-Station durchgeführt. Die Gruppe Tvorchi vertritt das 2021er Siegerland beim Finale am Ersatzort Liverpool.
Frankreichs Medienbehörde Arcom forderte angesichts einer drohenden Klage von Reporter ohne Grenzen vom Satbetreiber Eutelsat den Stopp der Verbreitung der russischen TV-Stationen Rossiya1, Perviy Kanal und NTV. Diese hätten »wiederholte Aufstachelung zu Hass und Gewalt und zahlreiche Mängel bei der Aufrichtigkeit der Informationen« zu verantworten.
Die EU erweiterte die Sanktionen gegen Russland um folgende TV-Kanäle, in der EU nicht verbreitet werden dürfen: Russia Today, Sputnik RTR Planeta, Rossiya1, Rossiya24, TVCI, NTV, Pervyi Kanal und RenTV.
Mit dem Verkauf der Niederlassung an das Management-Buyout Sonerik beendet der Telekom-Ausstatter seine Aktivitäten in Russland.

Der Schlesinger-Skandal und die Folgen

Der RBB hat unter der entlassenen Intendantin Schlesinger 180 Stellen mehr besetzt, als im Stellenplan vorgesehen. Das führte zu erheblichen Mehrausgaben, teilte Interimsintendantin Vernau vor einem Ausschuss des Landtags Brandenburg mit. Eingestellt wird nur im Ausnahmefall. Sparen helfen soll auch der Verzicht auf die Federführung des ARD-Studios Warschau ab 2023.

Medienrecht

Die Direktoren der Medienanstalten fordern von der EU die rechtliche Fixierung für grenzüberschreitende Rechtsdurchsetzungen. Diese Aufgabe eines unabhängigen  Gremiums sei in den geplanten European Media Freedom Act aufzunehmen.

Messen, Veranstaltungen

Die Berliner Funkausstellung verliert den letzten großen TV-Partner: Wir »setzen unsere Priorität im Digitalen«, so der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow. Die ARD baut ab 2023 die Präsenz beim Berliner Digitalevent re:publica aus.

Personalia

Kurt Bellmann, seit 2012 kaufmännischer Geschäftsführer, verlässt den NDR-Produktions- und Technikarm nach zuletzt beratender Unterstützung. Seit dem Sommer ist Johannes Züll alleiniger Geschäftsführer.
Die fünf Mitglieder der österreichischen Regulierungsbehörde KommAustria wurden für weitere sechs Jahre bestätigt: Vorsitzender bleibt Michael Orgis, Stellvertreterin Susanne Lackner; weitere Mitglieder sind Martina Hohensinn, Katharina Urbanek und Thomas Petz.

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