Recording, Test, Top-Story: 02.05.2007

Diskrecorder HVR-DR60: Kleiner Helfer

Mit dem HVR-DR60 stellt Sony einen neuen, portablen Diskrecorder vor, der in HDV, DVCAM und DV aufzeichnen kann. Nach dem bereits vorgestellten Vorseriengerät traf nun ein Serienmuster zum Test bei www.film-tv-video.de ein. (Eine druckfreundliche Version dieses Tests im PDF-Format steht am Textende zum Download bereit.)

Bis dato gab es für DVDV- und HDVHDV-Recorder mit dem Focus FireStore (und seinen Lizenzversionen) nur einen halbwegs kompakten, externen Diskrecorder, der die Aufzeichnung von AV-Material direkt auf Festplatte erlaubte. Jetzt will auch Sony ein Stück vom Kuchen und präsentiert mit dem HVR-DR60 einen portablen Diskrecorder, der fürs Zusammenspiel mit dem neuen HDV-Camcorder V1 optimiert ist, aber auch mit anderen DV-/HDV-Camcordern genutzt werden kann. Das Sony-Gerät ist kleiner und eleganter, bietet aber auch weniger maximale Speicherkapazität und weniger Dateiformate.

Betriebs-Modi

Der Festplatten-Recorder braucht einen Akku und wird einfach via FireWire-Kabel an den Camcorder angeschlossen – schon kann es losgehen mit der Aufzeichnung. Hierfür stehen zwei Modi zur Verfügung: Video und Computer.

Im Videomodus nimmt der Diskrecorder via i.Link-Protokoll Kontakt zum Camcorder auf und zeichnet einen DV-, DVCAM– oder HDV-Datenstrom auf. Der DR60 lässt sich dabei im »Synchro-Betrieb« nutzen. Das bedeutet, dass automatisch, wenn der Start/Stopp-Knopf am Camcorder gedrückt wird, Bild und Ton gleichzeitig parallel auf Band und auf Platte geschrieben werden. Der Synchro-Modus funktioniert nur mit Camcordern, die eine externe Aufnahme-Steuerfunktion via i.Link bieten.

Ist das nicht der Fall, kann der DR60 immer noch im »Follow«-Modus betrieben werden: Dabei fragt der Diskrecorder regelmäßig den Status des Camcorders ab und macht mit einem geringen Zeitversatz von maximal zwei Sekunden immer das, was der Camcorder auch tut. Im Test etwa ließ sich der DR60 im Follow-Modus auch auf Anhieb gemeinsam mit dem GY-HD251 von JVC nutzen.

Sowohl Synchro- wie auch Follow-Aufzeichnung funktionierten im Testbetrieb mit verschiedenen Camcordern reibungslos und zuverlässig. Es ist aber auch möglich, den Diskrecorder direkt zu bedienen und die Aufzeichnung auf Disk manuell am Gerät per Record-Taste zu starten.

Eine sehr schöne Funktion im Videomodus ist der Cache. Ist er aktiviert, zeichnet der Diskrecorder in einer Endlosschleife auf, die jeweils vergangenen 14 Sekunden sind im Cache gespeichert. Sobald der Kameramann auf Record drückt, werden die aktuell anfallenden Bild- und Tondaten aufgezeichnet, aber zusätzlich auch die Bilder und Töne aus dem Cache. Man kann also den optimalen Szeneneinstieg um bis zu 14 Sekunden verpassen und hat ihn trotzdem »im Kasten«. Je nach Einstellung werden Cache und Live-Daten in einem File oder in zwei getrennten Files abgelegt. Nützlich ist diese Funktion immer dann, wenn man den Start ein Ereignis nicht verpassen will, aber nicht vorhersehen kann, wann es beginnt: Das kann der Minister sein, der aus dem Sitzungssaal stürmt, oder der seltene Tasmanische Teufel, der aus einem Erdloch schlüpft. Dank Cache-Recording lassen sich solche wichtigen Szenen leichter und sicherer einfangen.

Zusätzlich zum Videomodus kann der DR60 im Computermodus betrieben werden. Ist dieser eingestellt, lässt sich der Diskrecorder per FireWire-Kabel wie eine externe Platte an den Computer anschließen, so dass die aufgezeichneten Dateien direkt sichtbar sind.

Im Test funktionierte das etwa im Zusammenspiel mit einem MacBook Pro vollkommen problemlos. Auf der Computeroberfläche werden dann quasi zwei Disk angezeigt: auf der »Videodisk« befinden sich die aufgezeichneten Videodateien, die sich direkt aufrufen und wiedergeben lassen. Auf der »Benutzerdisk« steht 1 GB Speicherkapazität für eigene Dateien zur Verfügung. Diese Partition des Diskrecorders hat Sony für alle »Nicht-Videodateien« vorgesehen, also für jegliche Art von Metadaten.

Bedienung

Der Anschluss des Diskrecorders an Camcorder oder PC ist ganz simpel: Man braucht nur ein FireWire-Kabel (der Diskrecorder ist mit der großen, sechspoligen FireWire-Buchsengröße ausgestattet).

Wie werden die Betriebs-Modi und die Sonderfunktionen des DR60 eingestellt? Zum einen verfügt der Diskrecorder über diverse Tasten direkt am Gerät. Mit ihnen lassen sich die grundlegenden Modi (Video/Computer) einstellen, sowie einfache »Laufwerkfunktionen« wie Play, Stop oder Record ausführen. Die Bedienung direkt am Gerät mit den Mini-Tasten, denen ein fühlbarer Druckpunkt fehlt, ist allerdings ein Kompromiss, den man —

besonders in kritischen Aufnahmesituationen — nicht empfehlen kann. Besser fährt man ganz sicher, wenn man den kleinen Diskrecorder via i.Link fernsteuert.

Weitere Einstellungen lassen sich im Menü vornehmen. Das lässt sich per Tastendruck aufrufen, dann können mit Hilfe des kleinen, beleuchtbaren Displays diverse Punkte einstellen. Das Ganze ist zwar nicht besonders komfortabel, aber es funktioniert. Allerdings wünscht man sich manchmal eine bessere Display-Beleuchtung.

Das Menü selbst ist vergleichsweise einfach gestrickt und von jedem problemlos zu bedienen, der mit den Grundfunktionen eines Handys umgehen kann: Hier stellt man etwa ein, in welchem Format aufgezeichnet werden soll, welches Timecode-Format gewünscht ist oder welche Art von DV-File (AVI oder Raw DV). Der 3G-Sensor, der die Festplatte beim Herunterfallen des Diskrecorders schützen soll, lässt sich hier ebenso zuschalten, wie das Cache-Recording. Auch einen Energiesparmodus gibt es.

Wer mit einem mobilen Festplattenrecorder aufzeichnet, fragt sich mitunter, wie sicher diese Art der Aufzeichnung ist. Was passiert, wenn die Aufzeichnung läuft und plötzlich der Akku schlappmacht? Bevor sich das Gerät abschaltet, werden die bis dahin aufgelaufenen AV-Daten noch korrekt gespeichert. Schwierigkeiten kann es allerdings geben, wenn der Akku einfach abgetrennt wird oder die Netzversorgung abbricht: Dann wird das aktuelle File der gerade laufenden Aufzeichnung nicht gespeichert und der letzte Take ist verloren. Weniger dramatisch ist es, wenn während der laufenden Aufnahme das i.Link-Kabel abgezogen wird: Dann wird zwar die Aufnahme gestoppt, aber alle Daten, die bis zum Trennungszeitpunkt übertragen wurden, werden gespeichert.

Die Wiedergabe der Files lässt sich direkt am Gerät starten, und es ist sogar möglich, Videodateien mit dreifacher Geschwindigkeit wiederzugeben. Allerdings reagiert der DR60 auf alle Befehle, die man ihm per Tastendruck erteilt, mit deutlicher Verzögerung. Weil man keinen Druckpunkt spürt, gibt es auch keine taktile Rückmeldung und so kommt es immer wieder vor, dass man ungeduldig mehrfach auf eine Taste drückt, wenn man beispielsweise das nächste File abspielen will. Der Festplattenrecorder reagiert bei weitem nicht so schnell, wie man sich das wünscht.

Eine schöne Funktion ist der Wiederholmodus, mit dem sich wahlweise bestimmte oder alle Dateien vom Diskrecorder in einer Endlosschleife wiedergeben lassen. Damit kann der Diskrecorder auch als einfacher Präsentations-Player eingesetzt werden.

Sonderfunktionen mit HVR- V1

Der DR60 bietet etliche zusätzliche Funktionen, wenn er gemeinsam mit dem Sony-HDV-Camcorder V1 betrieben wird. Dann ist es beispielsweise möglich, vom Camcorder aus die Aufzeichnung auf dem Diskrecorder zu starten, auch wenn kein Band im Camcorder eingelegt ist. Außerdem kann in dieser Kombination auf dem Diskrecorder der selbe Timecode aufgezeichnet werden, wie auf dem Videoband. Gibt es allerdings Schwierigkeiten beim Auslesen des Timecodes vom Band gibt, etwa wenn bei der Aufzeichnung eine Lücke auf dem Band entstanden ist, startet der Timecode auf dem Diskrecorder wieder bei Null, so dass der eigentliche Vorteil dieser Funktion dahin ist.

Von Vorteil ist aber bei dieser Gerätekombination auf jeden Fall, dass sich der aktuelle Status des Diskrecorders ins Display des Camcorders einblenden lässt. So sieht man auf einen Blick, ob der Diskrecorder noch korrekt verbunden ist, ob gerade aufgezeichnet wird und ob der Fallsensor aktiviert ist. Mit der Taste »Statusabfrage« am V1 kann zudem auch die restliche Aufnahmedauer der Festplatte und die restliche Akkulaufzeit des Diskreccorders im Camcorder-Display angezeigt werden.

Fazit

Im Vergleich zum Vorseriengerät konnte Sony einige Fehler ausmerzen und etliche Punkte in der Bedienung des DR60 optimieren. Der Diskrecorder DR60 ist schön kompakt und funktioniert zuverlässig. Die Tasten und das Display sind zwar nicht optimal ausgeführt, aber dennoch gilt: Mit dem DR60 gibt es nun eine schöne weitere Möglichkeit für die Aufzeichnung auf Harddisk.

Downloads zum Artikel:

T_0407_Sony_DR60.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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