Kamera, Test, Top-Story: 23.11.2017

Praxistest: BM-Kamera Micro Studio 4K in der Live-Produktion

In der Live-Produktion sind oft kompakte Kameras gefragt und bei manchen Einsätzen wird dabei auf Equipment aus dem Consumer-Bereich ausgewichen. Die dänische Firma Skaarhoj hat nun eine RCP entwickelt, mit der sich Blackmagic-Kameras in Live-Setups steuern lassen. Dieser Praxistest beleuchtet, wie das Ganze im Zusammenspiel mit einer Blackmagic Micro Studio 4K funktioniert.

GoPro, Hero 6
Kameras wie die GoPro Hero 6 sind schön kompakt, haben im Profieinsatz aber auch Downsides.

Bei einer Live-Produktion ist der Einsatz von Kleinstkameras immer wieder gefragt. Oft sind hier GoPros im Einsatz. Sie sind zwar sehr robust, aber nicht als Live-Kameras konzipiert – und bieten somit auch nicht die Funktionalität einer klassischen Live-Kamera.

Setzt man dennoch eine kompakte Kamera ein, die eigentlich für den Consumer-Bereich entwickelt wurde, gilt es, einige Herausforderungen zu bewältigen: 

  • Externe Spannungsversorgung nötig (der Akku kann oft während der Live-Sendung nicht gewechselt werden), Beschränkung auf MicroUSB-Ausgang (schlechter Stecker, Netzteilleistung entscheidend)
  • Wandlung des HDMI-Signals in HD-SDI – somit erhöhter Geräte- und Verkabelungsaufwand
  • Synchronisieren des Videosignals – damit verzögerte Bilder (AV-Synchronität nicht mehr gegeben)
  • Matching der Kamera ist nicht direkt möglich – macht Color-Korrektoren notwendig (weitere Kosten und ein weiteres Delay in der Signalkette)
  • Keine Wechselobjektive verwendbar
  • Starkes Rauschen in dunklen Szenen
Live-Produktion
Wie kann man eine Blackmagic Micro Studio 4K und eine Grass Valley LDK 4000 matchen?
Blackmagic Design, Micro Studio 4K
Bietet eine Micro Studio 4K im professionellen Live-Einsatz Vorteile gegenüber anderen Kleinkameras?

Um wenigstens einige dieser Problembereiche zu umgehen, könnte man den Einsatz anderer kompakter Kameras für eine Live-Produktion erwägen. Hierfür bietet sich etwa die Blackmagic Micro Studio 4K an (Test).

Diese kompakte Kamera könnte im Zusammenspiel mit einem RCP, das die Firma Skaarhoj aktuell entwickelt, dafür geeignet sein, die genannten Herausforderungen zu bewältigen. Dieser Praxistest sollte ermitteln, ob eine MicroStudio 4K im Live-Einsatz Vorteile gegenüber anderen Kleinkameras bieten könnte. 

Ausgangsbedingungen

Oft hat man in der Außenübertragung den Fall, dass keine Atem-Mischer im Einsatz sind, die normalerweise zum Matchen von Blackmagic-Kameras verwendet werden. In solchen Fällen braucht man eine externe Lösung, die es erlaubt, Blackmagic-Kameras in einem klassischen Ü-Wagen-Setup fernzusteuern.

Live-Produktion
Das Skaarhoj-RCP für Blackmagic-Kameras.

Die dänische Firma Skaarhoj hat dieses Problem aufgegriffen und ein RCP, also ein externes Steuerpult für Blackmagic-Kameras entwickelt. Es bietet den bekannten, klassischen Formfaktor von RCPs und steuert die wichtigsten Funktionen wie Gain, Lift, Gamma, Iris, Black Level, Col. Temp. Das Handling entspricht dem gängiger Bildtechnik.

Ein weiterer Aspekt: Bei Außenübertragungen wird häufig von Produktion zu Produktion mit sehr unterschiedlichen Setups gearbeitet. Mal bindet man die Kamera über Kupferkabel, mal über Riedel Mediornet oder auch Yellobrik-Wandler von Lynx Technik an den Ü-Wagen an, um einige Beispiele aus der Praxis zu nennen. Je nach Signalweg muss das Timing in der Kamera angepasst werden.

Skaarhoj als kleines Unternehmen kann die Software im RCP so anpassen, dass der Menüeintrag zum Timing in der Kamera vom RCP aus angesprochen werden kann. Der Techniker im Ü-Wagen kann vor der Live-Produktion die Strecke also allein einmessen, ohne Hilfe eines Set-Technikers — eine echte Arbeitserleichterung. Noch ist dieses Feature nicht in seiner endgültigen Form verfügbar, aber Skaarhoj entwickelt es aktuell.

Praxistest: Grass-Valley-Kamera LDK 4000 und Blackmagic Micro Studio 4K
Micro Studio 4K, Blackmagic
Einige der Anschlüsse der Micro Studio 4K können nur per Kabelpeitsche erschlossen werden.

Setup
Die Micro Studio 4K wurde im Test-Setup wie folgt verkabelt: HD-SDI-Out an der CCU der Grass Valley LDK 4000 als Timing-Referenz und Träger für die Steuerdaten auf das Skaarhoj RCP Mini, von dort weiter über 70 m HD-SDI-Kabel zur Kamera auf den PGM-In. Im Menü der Kamera wurde Program als Reference Source ausgewählt. Der PGM-Out der Kamera lief über ein 70 m HD-SDI-Kabel zum Ü-Wagen und dort wurde das Signal in die Videokreuzschiene gespeist.

Live-Produktion
Einstellung des Timings im Blackmagic-Kameramenü.

Timing
Das Signal wurde auf einem Tektronix WVR7100 gemessen und das Timing im Kameramenü solange angepasst (»geschoben«), bis es zur LDK 4000 passte.

Live-Produktion
Das Timing passt.

Timing im Kameramenü
Timing passte, war also ohne größere Probleme im Menü einstellbar.

Matching
Fürs Matching wurde eine Grautafel aufgestellt, auf die beide Kameras gerichtet waren. Das Setup war zwar nicht ideal, weil sich die Einstellungsgrößen unterschieden, aber für einen Schnelltest war das akzeptabel. Nach dem Matchen der LDK 4000 wurde die Micro 4K auf ähnliche Werte eingestellt.

Links im Bild das Signal der Blackmagic-Kamera, rechts das der Grass-Valley-Kamera.

Die nötigen Anpassungen waren minimal und gut zu bewerkstelligen. Im konkreten Fall wurde Gamma R auf +0.02 und Gamma B auf -0.012 gestellt. Gain R wurde auf 1.012 und Gain B auf 0.95 gestellt.

Live-Produktion
Delaytest mit Klatschen vor der Kamera.

Laufzeiten

Um zu ermitteln, ob die Blackmagic-Kamera im Vergleich zur LDK 4000 ein Bild-Delay verursachte, wurden die Signale beider Kameras zeitgleich auf einen EVS-Server aufgezeichnet, während jemand vor der Kamera in die Hände klatschte. Beim anschließenden Bildvergleich wurde die letzte Bewegungsphase analysiert – also bevor die Hände sich vollständig berühren. Der Bildvergleich zeigte keinen Versatz, es kann also davon ausgegangen werden, dass für die Blackmagic-Kamera kein weiteres Frame für Wandlung oder Processing nötig wäre und dass die Kamera im Processing ebenso schnell wie die LDK 4000 ist.

Blackmagic, Micro Studio 4K
Die von Blackmagic mitgelieferte Kabelpeitsche konnte nicht alle Anforderungen des Tests erfüllen.
Micro Studio 4K, Blackmagic
Die Micro Studio 4K bringt einen MFT-Mount mit, aber es gibt Adapter von MFT auf B4.

Adapter MFT auf B4
Der MFT-auf-B4-Adapter ist mechanisch solide ausgeführt, die Montage eines ENG-Objektivs war an der Micro Studio 4K ohne Probleme zu realisieren und das Auflagemaß ließ sich einstellen. Ein Steuern der Linse konnte nicht getestet werden, hierfür wäre ein weiteres Adapterkabel notwendig, das zum Testzeitpunkt nicht verfügbar war.

Die mit der BM-Kamera mitgelieferte Kabelpeitsche adaptiert von DSub9 auf die einzelnen Anschlüsse (LANC, Power, etc.) und bietet zwar auch eine Buchse für B4-Steuerung, diese ist aber ebenfalls als DSub9 ausgeführt, passt also nicht direkt an das verwendete Fujinon-Objektiv. Der mitgelieferte Adapter Hosiden-TAP passt zwar, kann aber nur zur Spannungsversorgung und nicht für die Steuerdaten verwendet werden.

Ergebnisse des Praxistests

Eignet sich eine Blackmagic Micro Studio 4K im Zusammenspiel mit dem RCP von Skaarhoj für den Einsatz in Live-Produktionen?

Das sind die Ergebnisse aus dem Praxistest:

Micro Studio 4K, Blackmagic
Die Rückseite der Micro Studio 4K.
Vorteile
  • Externe Spannungsversorgung über gängigen Stecker, in Kombination mit dem Akku, sehr praktisch (Zugentlastung nicht enthalten)
  • Wandlung des Signals auf HD-SDI entfällt, es ist nur ein Adapterkabel von Mini-BNC auf BNC notwendig (zugentlastete Stecker); Langlebigkeit der Stecker muss sich zeigen
  • Synchronisieren der Kamera über Ref oder PGM möglich, Timing möglich
  • Matching der Kamera über Skaarhoj RCP sehr komfortabel
  • MFT Wechselobjektive
  • Geringes Rauschen (subjektiver Eindruck)
Nachteile
  • Keine Rückmeldung der Parameter von der Kamera an das RCP. Stellte sich im Kurztest als nicht problematisch dar, da die Werte alle korrekt bei der Kamera ankamen (Laden eines Presets bei der Inbetriebnahme, um einmalig definierte Werte zu setzen).
  • Verglichen mit einer GoPro wird eine BMD Micro Studio 4K vielleicht nicht ganz so gern als Hintertor-Kamera eingesetzt, da bei einem Treffer der finanzielle Schaden deutlich höher wäre (Listenpreis der Micro Studio 4K zum Testzeitpunkt: 1.369 Euro inklusive Mehrwertsteuer).
Herausforderungen in der Live-Produktion
  • Wie kann man die Kamera inklusive der Anschlüsse regendichter machen?
  • Timing der Kamera nur direkt an der Kamera möglich. Das Menü wird nur auf dem HDMI-Out angezeigt. Bei Aufbau ist somit ein zusätzlicher Monitor notwendig, was für das Einrichten des Bildausschnitts aber ohnehin sinnvoll ist.

Anzeige:

BPM bietet ein Kit an, das aus der Blackmagic-Kamera Micro Studio 4K, dem Skaarhoj Remote Control Panel RCP-V1.0 und zwei Videokabeln (Slim-DIN Stecker auf BNC) besteht. Optional ist der Objektivadapter MFT auf B4 verfügbar. Weitere Infos dazu gibt es bei Ulrich Maslak,  Tel. 040-557624-39.

Autor
Björn König
Bildrechte
Björn König (6), Nonkonform (5), Archiv (1)
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