Objektiv, Top-Story: 04.06.2019

Zoom-Objektiv für alle Fälle

DoP Stefan Ciupek arbeitet viel mit dem Zoom-Objektiv CN-E 30-105 mm, vor allem wenn er mit Kameras mit größeren Sensoren dreht. film-tv-video.de hat nachgefragt, was er an dem Canon-Objektiv schätzt.

©Kenneth Macdonald
Stefan Ciupek ist DoP und dreht große Kino- und TV-Produktionen.

Stefan Ciupek ist DoP und dreht große Kino- und TV-Produktionen, aber durchaus auch kleinere Arthouse-Filme. »Dabei arbeite ich sehr oft mit größerem Bildkreis als S35, wie z.B. mit der Red in 6K oder auch mit der Alexa in Open Gate«, berichtet er. »Je nach Projekt setze ich dabei auch mal Zoom-Objektive ein, besonders dann, wenn man schnell auf eine Situation reagieren und in der Lage sein muss, den Bildausschnitt anzupassen.«

Problem hierbei: Die meisten kompakten Zoomobjektive bieten nur eine maximale lange Brennweite von etwa 80 mm. »Das reicht oft nicht aus, wenn man bei szenischen Produktionen schnell arbeitet, und dann muss man für den Dreh doch noch eine zusätzliche Festbrennweite einpacken oder eben einen deutlich größeren und schwereren Zoom«, berichtet Ciupek. »Ein Cine-Zoomobjektiv zu haben, das einen Brennweitenbereich von 30 bis 105 mm bietet und dabei auch noch Handkamera-tauglich ist, fand ich daher sehr spannend. Damit kann ich etwa 80% dessen abdecken, was ich für die tägliche Arbeit brauche«, so Ciupek.

Nach seiner Einschätzung werden etliche Zoom-Objektive zum Rand hin unscharf, wenn man mit größerem Bildkreis wie etwa bei der Red Dragon in 6K arbeitet. Teilweise, das stellte er fest, vignettieren sie auch. »Ich suchte deshalb vergleichsweise lange nach einem Zoomobjektiv, das bei offener Blende und bei hohen Auflösungen im gesamten Brennweitenbereich an den Rändern noch scharf ist«, sagt er.

Irgendwann stieß er auf das Canon CN-E 30-105mm T2,8 L S/SP – ein leichtes Super-35-mm Cinema-Zoomobjektiv, das mit EF- und PL-Bajonett verfügbar ist. »Dessen Brennweitenbereich und die kompakten Baumaße sprachen mich an und ich testete es bei mehreren Produktionen«, berichtet Ciupek.

Bedienung

Die Bedienung des Canon-Zoomobjektivs bietet aus seiner Sicht etliche Vorteile. So sind etwa die Markierungen auf leicht angeschrägten Oberflächen angebracht, Fokus- und Blendeneinstellung kann man so aus unterschiedlichsten Positionen gut ablesen – auch wenn man alleine unterwegs ist. Ciupek: »Bei vielen Objektiven ist das nicht so leicht möglich«. Ein weiterer Pluspunkt: Bei den Fokusmarkierungen kann man selbst Meter gegen Feet austauschen. »Ich arbeite oft in den USA, da ist das eine extrem nützliche Funktion«, erklärt er.

Das Canon CN-E 30-105mm T2,8 L S/SP ist ein leichtes Super-35-mm Cinema-Zoomobjektiv.

Damit das Objektiv sanft und rund läuft, ist es mit Steuerringen mit optimiertem Widerstandsverhalten ausgerüstet. Stefan Ciupek bestätigt das gute Drehverhalten des Objektivs.

Das Auflagemaß lässt sich mit einem verdeckten Mechanismus justieren, »und mit etwas Geschick ist es auch möglich, den EF-Mount gegen PL zu tauschen«, so Stefan Ciupek, der das bei seinem eigenen Canon-Zoomobjektiv nun auch so praktiziert. Bei angemieteten Objektiven ist das natürlich nicht möglich.

Ciupek ergänzt, dass der große Rotationswinkel des Objektivs (300° bei Fokus und 160° bei Zoom) eine sehr präzise Handhabung erlaube.

Look

Entscheidend ist für Kameraleute der Look eines Objektivs. Ciupek urteilt: »Die Bilder des Canon-Zoomobjektivs wirken filmisch, sind scharf ohne zu clean zu sein und haben einen schönen Verlauf in die Unschärfe. Sie passen daher auch gut zu den neuen Canon Sumire-Festbrennweiten«. Für den besonderen Look ist unter anderem die 11-Lamellen-Blende des Objektivs verantwortlich, die ein schönes Bokeh liefert.

Stefan Ciupek: »Ich finde es schade, dass ein Objektiv wie das Canon CN-E 30-105mm, das so viele Vorteile hat, im Rental nur sehr selten verfügbar ist. Deshalb habe ich es irgendwann selber gekauft, weil ich es bei meinen Produktionen immer dabei haben möchte.«

Auch von der Auflösung des Objektivs ist Ciupek angetan: »Das Objektiv liefert über den gesamten Brennweitenbereich eine scharfe und konstante Bildqualität, es gibt praktisch keine Abweichungen.« Dafür sorgt unter anderem der optische Aufbau aus Fluorit- und großen asphärischen Linsen. Canon betont außerdem, dass die verzahnte Innenfokussierung Änderungen im Bildwinkel und mögliche Schärfeabweichungen bei diesem Objektiv stark reduziere.

Praxis
Das Canon-Objektiv ist mit EF – und PL-Bajonett verfügbar. 

Stefan Ciupek setzte das Canon-Zoomobjektiv bis dato bei ganz unterschiedlichen Projekten ein: »Hauptsächlich nutze ich es bei TV-Produktionen, habe es aber auch schon bei Kinofilmen verwendet – und mittlerweile habe ich es eigentlich immer beim Dreh dabei.« Er schätzt die Vielseitigkeit des Objektivs und berichtet, dass auch extreme Temperaturen bisher seine Qualität nicht negativ beeinflusst hätten.

Ciupek erzählt: »Ich habe die Amazon-Prime-Serie Made in Heaven in Indien mit dem Canon-Zoom gedreht und es in dieser Produktion mit Cooke-S4-Festbrennweiten gemischt. In dieser Kombination muss man mit Diffusionsfiltern arbeiten – dann ist es problemlos möglich, die moderne Canon-Optik mit Cooke-Objektiven zu kombinieren.« Bei einem Kinofilm hätte er das nicht gemacht, so Ciupek, »für die TV-Auswertung fand ich es aber toll.«

©Kenneth Macdonald
Stefan Ciupek beim Dreh.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Den internationalen Kinofilm Guns Akimbo mit Daniel Radcliffe (in Postproduktion, Regie: Jason Lee Howden) drehte Ciupek unlängst mit einer Red Monstro in 8K im Zusammenspiel mit Leitz Thalia-Objektiven in Large Format. Selbst hier verwendete er das Canon-Zoomobjektiv. »Damit drehte ich einige Nachtszenen und Actionsequenzen, wo ich letztlich auf ein Zoomobjektiv angewiesen war. Das Material in 6K Material passt ganz gut zusammen mit den Large-Format-Aufnahmen«, bilanziert Ciupek. Wenn Canon jedoch zusätzlich noch ein Large-Format-Zoomobjektiv anbieten würde, fände er das ganz hervorragend. Er ergänzt: »Ich habe meine letzten drei Produktionen alle in Large Format gedreht und finde das Thema extrem spannend, weil ich damit völlig neue Möglichkeiten in der Bildgestaltung habe. Insofern wäre ein Large-Format-Zoom eine schöne Ergänzung.«

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