Live, Postproduction, Sport, Top-Story, Video: 06.07.2021

Fußball-EM: Remote-Workflows hinter den Kulissen

Der Host-Broadcaster der Fußball-EM musste seine Arbeitsweise an die Pandemie anpassen — und nutzte verstärkt auch Remote-Workflows.



Remote Editing in London

Der Host produziert für die Rechteinhaber nicht nur die eigentlichen Fußballspiele, sondern auch jede Menge an zusätzlichem Material: Das sind Highlight-Schnitte der Spiele, Teaser für einzelne Matches, kurze Beiträge über Mannschaften, Spieler oder Trainer und auch Zusatzinfos über die diversen Austragungsorte und -länder.

Fußball-EM
Die Postproduktion hat der Host-Broadcaster in London errichtet.

Genau solche Clips schneidet das Team in London. Die Editoren können aus der Schnitt-Software Premiere heraus via IP-Link-Panel im Material auf den EVS-Servern im IBC recherchieren. Dann können sie die gewünschten Clips aufrufen und in London damit schneiden. Das Besondere an diesem Setup: Die Editoren schneiden zwar in London, ihre Workstations stehen aber im IBC in Amsterdam.

Jan Fröhling, Project Manager MoovIT.

JJan Fröhling von MoovIT erläutert: »Als klar war, dass die gesamte Post wegen Corona nach London ausgelagert würde, hatten wir letztlich drei Möglichkeiten: Entweder den kompletten Content für den Schnitt vom IBC nach London zu übertragen. Alternativ hätte man auch niedrig aufgelöstes Material nach London schicken und dort mit diesen Proxys arbeiten können. Die dritte Option bestand darin, einen Remote-Workflow zu etablieren, bei dem die Editoren in London auf den Workstations in Amsterdam schneiden konnten.«

An rund 50 Arbeitsplätzen wird mit Premiere Pro geschnitten.

Der Host der Fußball-EM entschied sich für Letzteres, auch deshalb, weil damit die gesamte Workstation-Infrastruktur im IBC in Amsterdam bleiben und genutzt werden konnte, denn so war ja schon alles vorbereitet und geplant. Also ging es darum, eine Möglichkeit zu schaffen, wie die Editorinnen und Editoren remote von London aus das Equipment in Amsterdam nutzen konnten — und diese Anbindung realisierte MoovIT gemeinsam mit der EBU.

Markus Bledowski, Support Manager in London.

Support Manager Markus Bledowski berichtet aus London: »Wir arbeiten hier mit rund 50 Schnittplätzen. Wir nutzen Premiere Pro für den Bildschnitt und After Effects für die Grafik. Für die Tonbearbeitung ist Adobe Audition im Einsatz, für 3D nutzen wir Maxon Cinema 4D und für die Renderings Redshift.«

Das zentrale Missing Link bei diesem Setup ist eine Software von Teradici. Deren PC-over-IP Clients ermöglichen es, am Schnittplatz in London zu sitzen und mit einer Workstation in Amsterdam zu schneiden – nahezu ohne Delay.

Teradici PC-over-IP Clients ermöglichen Remote Workflows.

»Das Ganze funktioniert so gut, dass die Editoren im Normalfall gar nicht merken, dass sie remote arbeiten. Lediglich wenn beispielsweise ein Ton eingesprochen werden soll, bemerkt man ein leichtes Delay«, so Markus Bledowski.

Jan Fröhling ergänzt, dass man aufgrund der ursprünglichen Planung, die ja lokales Editing vor Ort in Amsterdam vorgesehen hatte, im Schnitt mit 38-Zoll Widescreen-Monitoren geplant habe. »Als wir auf den Remote-Workflow umstellen mussten, hatten wir zunächst durchaus Zweifel, ob es eine gute Idee sein würde, den Inhalt dieser großen 4K-Monitore Pixel für Pixel mit 50 Bildern pro Sekunde zu übertragen. Aber im Nachhinein war es die richtige Entscheidung – die Editoren können damit trotz Remote-Anbindung problemlos arbeiten.«

Helmut4 von MoovIT ist fürs Projekt Management im Einsatz.
Helmut4 fürs Project Management

Das Projektmanagement realisiert der Host-Broadcaster mit der Software Helmut4 von MoovIT. Sie sorgt dafür, dass die Projekte der Editoren in der gewünschten Art und Weise aufgesetzt und strukturiert sind, dass die Editoren mit den richtigen Templates arbeiten und dass Metadaten und Nutzerprofile korrekt verwaltet werden.

Cosmo wiederum sorgt für einen korrekten Projektaustausch, und mit Hilfe von Helmut IO werden die fertigen Projekte schlussendlich an die gewünschten Destinationen exportiert. Das wiederum können lokale Speicher sein, aber auch das IBC in Amsterdam oder Locations in den Austragungsstädten oder in den Stadien — etwa um das Fan-TV zu bespielen.

All diese Arbeitsschritte finden dank Helmut4 voll automatisiert statt.

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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