Kamera, Test, Top-Story: 12.04.2007

Canon XH G1/A1: Generation X

Canon präsentiert mit dem XH G1 einen HDV-Camcorder mit HD-SDI-Ausgang. Im XH A1 hat er einen Doppelgänger, dem lediglich der HD-SDI-Ausgang fehlt. film-tv-video.de hat den HDV-Henkelmann ausprobiert. (Eine druckfreundliche PDF-Version des Artikels mit weiteren Infos steht am Textende zum Download bereit.)

Canons Camcorder für den Semiprofi-Markt nahmen in der Videowelt lange Jahre eine Sonderrolle ein und polarisierten: Durch das eher an den Fotobereich angelehnte Bedienkonzept und die ungewöhnliche Bauweise mit dem aufgesteilten Heck wurden sie entweder geliebt oder gehasst. Erst mit dem kompakten DV-Camcorder XM 1 und später mit dem XM 2 (Test hier) durchbrach Canon dieses Konzept und präsentierte Semiprofi-Camcorder in konventioneller Bauweise, wie sie Sony mit dem Erfolgsmodell VX2000/PD150 (Test hier) im Angebot hatte. Außerdem bot Canon seine Henkelmänner zu einem günstigeren Preis an, als die jeweils ungewöhnlicher gestylten Topmodelle.

Dieses Konzept funktionierte — und beflügelte offenbar nun die Canon-Entwicklungsabteilung, mit dem A1/G1 so etwas wie den HDV-Nachfolger des XM 2 (Test hier) zu präsentieren. Eine andere Umschreibung des Geräts könnte lauten: Die Technik des XL H1 (Test hier) in der Bauform des XM 2. A1 und G1 unterscheiden sich lediglich durch den HD-SDI-Ausgang voneinander, über den der G1 zusätzlich verfügt. Beide Camcorder waren zum Test bei www.film-tv-video.de, da es bis auf HD-SDI keinen Unterschied gibt, wird im folgenden Text nur die Bezeichnung G1 verwendet.

Vergleich zum H1

Der G1 ist mit drei 1/3-Zoll-Chips bestückt und zeichnet ein HDV-Signal mit 1.440 x 1.080 Bildpunkten auf. Dabei steht ihm ein leistungsfähiges 20fach-Zoom-Objektiv zur Seite, das besonders im HDV-Modus mit 16:9-Bild durch seine enorme Weitwinkelwirkung überzeugt. Im normalen Drehalltag erweist sich ein weitwinkligeres Objektiv meist als vorteilhafter: Fehlende Telewirkung kann oft kompensiert werden, in dem man sich näher ans Objekt bewegt, bei fehlender Weitwinkligkeit steht man — im wahren Wortsinn — meist schneller mit dem Rücken an der Wand. Aber dank 20fach-Zoom ist auch die Telewirkung des G1-Objektivs stattlich. Auswechseln lässt sich das Objektiv jedoch nicht, das geht innerhalb der HDV-Familie von Canon nur beim H1.

Unterschiede zum Canon-HDV-Camcorder H1 gibt es neben Bauweise und Objektiv auch beim Ton: Eine Vierkanalaufnahme wie der H1 kann der G1 nicht bieten, doch immerhin ist der G1 mit zwei XLR-Buchsen ausgerüstet, an die sich ein externes Mikro anschließen lässt.

Bei den Anschlüssen zeigt sich der G1 wie auch der H1 äußerst kontaktfreudig und bietet neben der DV/HDV- und der AV-Buchse zusätzlich einen analogen Komponentenausgang und einen als BNC-Buchse ausgeführten, zwischen HD und SD umschaltbaren SDI-Ausgang. Daneben gibt es noch FBAS (BNC), Genlock und Timecode.

Wie alle gängigen Profi-HDV-Camcorder ist auch der G1 mit einem ausklappbaren 16:9-Display ausgerüstet. Es hat zwar keine allzu üppige Diagonale von 2,8 Zoll (Display-Abmessungen: 61 x 35 mm) aber es unterscheidet sich von den Klappschirmen anderer Camcorder nicht nur durch die Parkposition oben auf dem Gerät, sondern auch dadurch, dass es sich etwas flexibler verstellen lässt. Es lässt sich nicht nur ausklappen und drehen, sondern auch schwenken. Das Display ist eigentlich recht hell und scharf, aber eben ein bisschen klein.

Wie der H1 bietet auch der G1 zusätzlich zum Ausklappdisplay auch noch einen Farbsucher. Der G1 bietet hier mit 269.000 Pixel etwas mehr Auflösung, auch wenn sich dieser Unterschied in der Praxis nicht besonders gravierend auswirkt.

Wichtiger vielleicht als die Unterschiede, sind die Gemeinsamkeiten zwischen G1 und H1: Beide nutzen den gleichen Sensor und die gleiche Bildverarbeitung. Tatsächlich liefert der G1 auch gleichwertige Bildqualität wie der H1, die Unterschiede zwischen den Geräten bestehen also eher im Handling und in der Bedienung, als in den wirklich grundlegenden, technischen Voraussetzungen.

Bedienung, Handling

Der G1 bietet eine fast unüberschaubare Fülle an Funktionen und Einstellmöglichkeiten für Bild und Ton. Deshalb lautet beim G1 die entscheidende Frage nicht »Was geht?«, sondern »Wie geht’s?«.

Das grundlegende Bedienkonzept des Camcorders im verkürzten Überblick: Mit einem großen seitlich sitzenden Drehrad wird der gewünschte Betriebsmodus ausgewählt. Fotografen kennen dieses Programm-Wahlrad von Canon-Fotokameras, im Prinzip haben es die Entwickler für den Videobereich adaptiert. Wie bei größeren professionellen Camcordern sind seitlich am Gehäuse Metall-Kippschalter für Farbbalken, Gain und Weißabgleich angebracht, wobei es für den Weißabgleich die Einstellungen Preset, A und B gibt. Ob Gain und Weißabgleich automatisch oder manuell arbeiten sollen, lässt sich mit zwei weiteren Schaltern einstellen. Zusätzlich zur Automatik bietet der G1 die Möglichkeit zu Benutzervoreinstellungen für die Tasten A und B sowie einen Kunst- und Tageslichtmodus beim Preset. Das an sich ist noch nichts Besonderes. Weiter gibt es aber auch die Möglichkeit, die Farbtemperatur in 100-Grad-Schritten zu verändern, und zwar von 2.800 bis 12.000 Kelvin. Das ist sehr komfortabel, um die grundlegende Farbwiedergabe so zu tunen, wie man es gerne hätte — und natürlich auch hilfreich, um mehrere Camcorder aufeinander abzustimmen.

Nützlich sind auch die beiden Funktionstasten (Custom Keys), die der G1 mitbringt. Andere Hersteller bieten zwar mehr solcher »Soft Keys«, denen sich je nach individueller Vorliebe verschiedene Funktionen zuweisen lassen, aber da beim G1 sehr viele Funktionen ohnehin direkt zugänglich sind, kommt man mit zwei Custom Keys eigentlich gut klar und kann damit ohne Umweg übers Menü etwa Zebra oder Shutter aktivieren oder auch die Sucheranzeige auf Schwarzweiß schalten.

Viele weitere Funktionen sind über die umfangreichen Einstellmenüs zugänglich. Teil dieser Einstellmöglichkeiten sind ausufernde Menüs zur Signalbeeinflussung und Einstellung eines spezifischen »Looks«. Hier steht der G1 dem H1 in nichts nach und es ist möglich, die Geräte gut aneinander anzugleichen, so dass H1 und G1 in der Praxis auch recht gut bei Mehrkameraproduktionen miteinander kombiniert werden können.

Dass die Einstellmöglichkeiten so weit in die Tiefe gehen, ist eine echte Besonderheit des G1 gegenüber Camcordern anderer Hersteller. Einmal gefundene Einstellungen können gespeichert werden, hierfür stehen drei Funktionsdateien zur Verfügung. In diesen Funktionsdateien wird unter anderem auch festgehalten, wie schnell die Belichtungsautomatik nachregeln soll, wie empfindlich und in welche Drehrichtung der Fokusring agieren soll, ob mit dem Farbbalken auch ein Testton generiert werden soll — und vieles mehr. Die Funktionsdateien lassen sich auch auf einer SD-Karte speichern und in jedem anderen G1 oder A1 wieder laden, was sehr komfortabel ist. Um die Dateien einzustellen, braucht man allerdings schon etwas Muße: Das Ganze läuft — wenig anschaulich — über Zahlenmenüs, die man im Menü in Tabellenform aufruft und mit denen man dann Parameter für Parameter einstellt. Das werden wohl nur echte Tüftler wirklich nutzen.

Das gilt letztlich auch für die zahllosen Möglichkeiten, das Bild via Custom Presets einzustellen: Hierüber lassen sich unter anderem die Gammakurve, Knie, Black Stretch, diverse Pegel, Schärfe und vieles mehr vorjustieren. Drei der neun möglichen Custom Presets hat Canon schon eingestellt: Preset »Video C« soll dabei die Aufzeichnung für die Wiedergabe auf normalen Monitoren optimieren, während »Cine V« Kinobilder liefern soll. In der Realität bedeutet dies, dass mit letzterer Voreinstellung alles etwas dunkler aussieht und die Kontrastwiedergabekurve etwas »filmähnlicher« gebogen ist. Ein weiteres Preset ist »Cine F«, es soll bei einer geplanten Filmauswertung, also beim Transfer von Video zu Film, für optimale Ergebnisse sorgen. Weitere sechs Custom Presets lassen sich indiviudell einstellen, speichern (auch auf Karte), umbenennen und im Zweifelsfall auch wieder auf die Werkseinstellung zurücksetzen. Besitzer eines H1, die diese Möglichkeiten ebenfalls schon hatten, können ihre Dateien übrigens beim G1 nicht laden: Sie sind nicht kompatibel.

Vielleicht muss man es so sehen: Man muss diese ganzen Möglichkeiten ja nicht benutzen — und kann mit dem G1 trotzdem gute BiIder aufnehmen. Aber wenn man doch Zeit und Lust hat, tiefer in die elektronische Bildgestaltung einzusteigen, bietet der G1 sehr umfangreiche Möglichkeiten dazu.

Beim Objektiv punktet Canon wie schon erwähnt mit einem sehr weitwinkligen 20fach-Objektiv. Es bietet drei Ringe für manuelles Einstellen von Fokus, Brennweite und Blende — allerdings alle ohne mechanische Kopplung: Die Ringe pegeln die Steuerspannung für die ins Objektiv integrierten Elektromotoren.

Eine große Hilfe ist beim manuellen Fokussieren die Bildvergrößerungsfunktion, die mit einem Tastendruck den aktuellen Bildausschnitt vergrößert, so dass es leichter ist, die korrekte Schärfe zu sehen. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen man mit den integrierten Bildschirmen nicht sicher manuell Scharfstellen kann. Auf den Autofokus ist aber in den allermeisten Situationen Verlass: Er arbeitet schnell, nicht zu nervös und trifft den Schärfepunkt in der Regel sehr zuverlässig, ohne zu Pendeln. Mit »Instant AF« bietet Canon zudem eine Funktion, bei der auf Tastendruck einmal in sehr hoher Geschwindigkeit fokussiert und die Schärfeeinstellung dann gehalten wird – was in vielen Fällen, vor allem bei schlechtem Licht, sehr hilfreich ist. Ein Punkt, der von manchen Anwendern schon beim H1 moniert wurde, ist auch beim G1 nicht anders: Es ist nicht möglich, gleichzeitig zu zoomen und manuell scharfzustellen. Das liegt an der Konstruktion des Objektivs und ist in der weitaus überwienden Mehrzahl der Einsätze ohne jeden Zweifel völlig irrelevant.

Die Bedienung des G1 setzt letztlich doch recht stark auf Bildschirmmenüs, obwohl neben dem Drehrad auch zahlreiche Tasten Funktionalität an die Geräteoberfläche bringen. Insgesamt ist auch dem G1 die eher am Fotobereich orientierte Bedienphilosophie von Canon anzumerken — die von Videoprofis mitunter als unlogisch empfunden wird. Nicht immer eingängig ist auch die Strukturierung und grafische Darstellung der Einstellmenüs: Die Tabellen, in denen Farbwerte eingestellt werden können, sind prinzipiell sicher keine schlechte Idee, aber auf dem Mini-Display und mit den Bedienelementen des Camcorders erfordert es doch hohe Motivation hiermit zu arbeiten.

Sehr gut gefiel den Testern das stattliche Akkufach, das Canon ins Herz des Camcorders verlagert hat: Auch mit »dicken« Akkus bis zur Größe BP-970G wird der Camcorder nicht so hecklastig wie andere Modelle. Und schon der mitgelieferte, kleine Lithium-Ionen-Akku mit seinen 5.200 mAh Leistung konnte überzeugen: Der Camcorder läuft und läuft und läuft schon mit dieser vergleichsweise kompakten Spannungsquelle. Und wenn der Akku schließlich doch leer ist: Canon legt dem Camcorder ein separates Ladegerät bei, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Gespart hat Canon bei der mitgelieferten Sonnenblende: das etwas popelige, instabile Plastikteilchen passt überhaupt nicht zum Rest des gut verarbeiteten Camcorders und dürfte wohl schon beim ersten Härtetest zumindest in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch mit der Oberfläche des Camcorder-Gehäuses konnten sich die Tester nicht so recht anfreunden. Das raue, schwarze Finish sieht zwar edel aus, ist aber für einen Camcorder zu empfindlich: Fussel, Staub und Hautabrieb haften daran besser an, als gut ist.

Ebenfalls nicht überzeugend: Die beiden Audioregler für die manuelle Tonaussteuerung. Sie muten billig an, laufen nicht überzeugend rund und sitzen schlecht geführt an der falschen Stelle des Camcorder-Gehäuses. Dadurch erfordert manuelles Pegeln etwas zu viel Fingerspitzengefühl und man schießt oft über das Ziel hinaus. Wer mit diesen Reglern manuell pegeln will, der sehnt sich rasch nach ordentlichen Pegelstellern. Doch gemessen an der restlichen Ausstattung und Verarbeitung und unter Einbeziehung des Preis/Leistungs-Verhältnisses sind diese Kritikpunkte doch vergleichsweise unbedeutende Kleinigkeiten.

Im Tonbereich gibt es noch eine weitere Verbesserungsmöglichkeit: Schließt man ein zusätzliches Mikro an, für das der G1 ja sogar schon eine Halterung mitbringt, dann merkt man schnell, dass die Kabelbefestigung schwierig ist: Das Kabel baumelt ständig im Weg herum, die XLR-Stecker stehen in unmittelbarer Nähe des Objektivs weit heraus, wenn man nicht spezielle Winkelstecker benutzt.

Eine Besonderheit des G1 ist der HD-SDI-Ausgang, über den der Camcorder unkomprimierte digitale Bild- und auch Tonsignale ausgibt. Das bringt im Live-Betrieb einen Vorteil, denn es entfallen interne Kompressions- und Wandlungsschritte, wenn man Bild und Ton (als Embedded Audio) über die HD-SDI-Buchse ausgibt. Außerdem ist die BNC-Buchse mechanisch sicher das Ausgereifteste und Belastbarste, was die Videotechnik zu bieten hat. Auch bei den möglichen Kabellängen schlägt HD-SDI alle Alternativen, die sich für Semiprofi-Camcorder und –Kameras eröffnen: HD-Bild und Ton in maximaler Qualität, die der Camcorder zu bieten hat, über ein Koaxkabel zu übertragen, das hat schon Einiges für sich. Abgesehen davon, ist HD-SDI eine im Profibereich etablierte Verbindungsart, man kann darüber den G1 relativ leicht an professionelle Infrastrukturen anbinden: Monitore oder Projektoren mit FireWire-Eingang etwa, die komprimierte HDV-Signale verarbeiten könnten, gibt es schlicht und ergreifend nicht.

Aber nicht nur Live-Signale, sondern auch HDV-Aufnahmen lassen sich via HD-SDI in bestmöglicher Qualität ausgeben: Es ist ganz zweifellos sinnvoller, die Signale eines digitalen HD-Systems auch digital auszugeben und zu verarbeiten, anstatt sie — wie bisher bei vielen HDV-Anwendern üblich — als analoges Komponentensignal weiter zu leiten. Hier bringt HD-SDI eindeutig Vorteile: Beim Umschalten zwischen HD-SDI und analoger Komponente brachte die digitale Variante ruhigere rauschärmere Bilder auf den HD-Schirm. Es sind bei optischer Prüfung keine Welten, die zwischen den beiden Signalarten liegen, aber der Unterschied ist klar zu sehen. So entwickeln etwa Grauflächen beim Be-trachten über den Komponentenausgang des G1 deutlich sichtbar mehr unerwünschtes Eigenleben.

In der Praxis konnten die Tester allerdings keine massiven Unterschiede zwischen den verschiedenen Signalarten feststellen. Je nach Motiv war es manchmal sogar schwer, zwischen Live-Signal und — zwischendurch MPEG-komprimierter und dekomprimierter — HDV-Wiedergabe zu unterscheiden. Besonders bei ruhigen Bildern arbeitet die HDV-Kompression im G1 sauber und effektiv. Wenn mehr Bewegung ins Bild kommt, werden dagegen mehr Artefakte sichtbar. Insgesamt spielen hier eben heutzutage viele Faktoren eine Rolle: Motiv, verwendeter Signalweg und auch der Monitortyp, auf dem das Material beurteilt wird.

Bild

Der G1 versetzte die Tester mitunter ins Staunen: Er liefert ein sehr überzeugendes Bild, das in dieser Camcorder-Klasse viele, auch teurere Konkurrenten hinter sich lässt. Die Bilder sind detailreich, ruhig und farblich ausgewogen. Motive mit vielen Details etwa werden absolut scharf und rauscharm dargestellt, ohne dabei jedoch künstlich und plastikhaft zu wirken. Ein Beispiel dafür: Die Pflastersteine bei der Totale eines großen Platzes stellte der G1 im Test ruhig und hochaufgelöst dar, ohne dabei Details überzubetonen und Kanten unnatürlich aufzusteilen. Der Camcorder bildet Detailreichtum und Tiefe ab, wo andere HDV-Camcorder schon eher flächig wirken. Das zeigt sich besonders bei trübem Wetter: Wenn ohnehin schon alles eine Spur flauer wirkt, schafft es der G1 immer noch, Bilder mit Tiefe und angenehmem Kontrast zu liefern — ohne dass man hierfür tief in die Trickkiste greifen müsste. Zusammen mit der sauberen Farbtrennung entsteht ein detailreicher, scharfer, klarer HD-Bildeindruck.

Insgesamt sind die scharfen, stimmigen Bilder des G1 in der Grundeinstellung (Fabrikeinstellung und Vollautomatikbetrieb) vielleicht einen Tick zu warm und zu bunt, sprich die Farbsättigung ist eher consumer-orientiert und der Weißabgleich tendiert minimal ins Gelbe. Das kann man dem Camcorder aber leicht austreiben, da er hierfür zahlreiche Eingreifmöglichkeiten bietet. In der Grundeinstellung ist der G1 auch etwas flacher im Kontrast, als etwa der HD100 von JVC.

Auch wenn das Motiv insgesamt dunkler ist, macht der G1 ein gutes Bild. Zwar kämpft er dann — wie allgemein üblich — mit wachsenden Rauschanteilen im Bild, doch wenn man die elektronische Verstärkung aufs Mindestmaß reduziert, liefert der G1 auch bei wenig Licht noch gute Bilder.

Natürlich hadert auch der G1 mit den bei HDV systemimmanenten Problemen: Bei schnelleren Schwenks oder bei schnell bewegten Objekten im Bild gibt es Unschärfe- und nach Nachzieh-Effekte. Das hält sich beim G1 aber absolut im HDV-üblichen Rahmen.

Wer sich beim G1 allerdings dazu entscheidet, im 25F-Modus aufzuzeichnen, muss sich darüber im Klaren sein, dass dann ein sehr gewöhnungsbedürftiger Look entsteht, der aus Sicht der Tester letztlich unbrauchbar ist. Wer aber ruckelige, stroboskophafte Bewegungen und extreme Bewegungsunschärfen mag ….

Ton

Der G1 ist von Haus aus mit einem einfachen Stereomikrofon ausgerüstet, das einen vergleichsweise guten Ton liefert, der weder zu muffig noch zu fistelig klingt. Außerdem ist der Camcorder mit zwei XLR-Buchsen ausgerüstet, an die sich externe Mikrofone anschließen lassen. Phantomspeisung für das Mikro bietet der Camcorder ebenso, wie die Möglichkeit, die beiden Tonkanäle getrennt zu pegeln. Es ist allerdings nicht möglich, die Grundeinstellung für die beiden Kanäle getrennt vorzusehen: schaltet man etwa von Mic- auf Line-Pegel, gilt diese Einstellung immer für beide Kanäle. Auch die manuelle Tonaussteuerung lässt sich immer nur für beide Kanäle aktivieren. Der Camcorder verfügt über ein fest eingebautes Steremikro und eine Halterung für ein weiteres, nicht im Lieferumfang enthaltenes Mikro.

Fazit

In der Variante A1, die ohne HD-SDI-Ausgang geliefert wird, ist der Canon-HDV-Camcorder ein heißer Kandidat für einen sehr attraktiven HDV-Camcorder mit optimalem Preis-/Leistungsverhältnis. Kaum ein Camcorder in dieser Preisklasse kann dem A1 in puncto Bildschärfe, Ausstattung und Handling das Wasser reichen. Der HD-SDI-Ausgang des G1 verteuert das Gerät deutlich, der Mehrpreis kann sich aber schnell lohnen, wenn man eine konkrete Anwendung im Kopf hat, bei der dieser Ausgang einen Vorteil bietet – etwa im Live-Betrieb, ob im Studio oder bei Events.

Downloads zum Artikel:

T_0307_Canon_G1A1.pdf

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