Kino, Report, Top-Story, Trend: 21.02.2008

3D: Kino zum Anfassen

Bisher war 3D-Kino meist nur Vergnügungsparks vorbehalten — das ändert sich mit der Verbreitung von D-Cinema. Markus Näther von Kinoton erläutert die technischen Grundlagen.

Früher war die 3D-Projektion für den normalen Kinobetrieb zu aufwändig und zu teuer: Mit konventioneller Filmtechnik sind hierfür zwei synchron verkoppelten Filmprojektoren nötig. D-Cinema verhilft nun auch der stereoskopischen Projektion zu einer Renaissance und zu technischer Verbesserung: Die Zeiten verschwommener 3D-Bilder und sperriger Rot-Grün-Brillen sind vorbei. Neue technische Möglichkeiten in der Produktion machen sogar abendfüllende Kinofilme in 3D möglich. Dabei erleichtert DLP-Cinema-Technologie die Integration des dreidimensionalen Kinovergnügens beträchtlich: Für digitales 3D-Cinema ist nur ein einziger DLP-Cinema-Projektor erforderlich, mit dem sich ebenso gut auch 2D-Kinofilme vorführen lassen.

Grundprinzip

Ob digital oder analog – das Grundprinzip des 3D-Kinos ist immer das gleiche: Es werden zwei perspektivisch leicht voneinander abweichende Bilder aufgenommen und projiziert. Bei der Projektion muss dafür gesorgt werden, dass das rechte und linke Auge auch nur jeweils die Bilder sehen, die für die jeweilige Seite bestimmte sind. Durch die beiden unterschiedlichen Perspektiven der Bilder entsteht dann für den Zuschauer ein sehr realistischer räumlicher Eindruck.

3D-Projektion mit DLP-Projektoren

DLP-Cinema-Projektoren vereinfachen die stereoskopische Projektion, weil sie es erlauben, mit nur einem Signal zu arbeiten: Die Bilderströme für das rechte und linke Auge müssen nicht getrennt gespeichert und verarbeitet werden, sondern lassen sich als gemeinsamer Datenstrom behandeln. Dabei werden die Bilder für das rechte und das linke Auge immer abwechselnd sequenziell aneinandergereiht und dann in rascher Abfolge projiziert.

Aus den eingehenden 2 x 24 Bildern pro Sekunde werden so 48 Bilder pro Sekunde und eine digitale Bildwiederholrate von 48 Hz. Da das menschliche Auge bei dieser Bilderzahl noch ein unangenehmes Flackern wahrnehmen würde, verdoppelt oder verdreifacht der Digital-Cinema-Projektor die Bildwiederholrate meist auf 96 oder 144 Hz.

3D ist Teil von DCI

Dank der DCI-Spezifikation für digitales Kino sind alle gängigen D-Cinema-Server bereits 3D-ready, können also die stereoskopischen Teilströme synchron an den DLP-Cinema-Projektor liefern. Für den dreidimensionalen Filmgenuss ist dann nur noch ein 3D-Zusatz für den Projektor erforderlich. Schließlich erscheint das Geschehen auf der Bildwand nur dann greifbar real, wenn die rechten und linken Teilbilder den Augen getrennt serviert werden. Für die Kanaltrennung bietet die Industrie verschiedene Verfahren an.

3D-Polarisationsverfahren
Anbieter: RealD
Ein aktiver Polfilter vor dem Objektiv des D-Cinema-Projektors richtet die Lichtwellen der stereoskopischen Teilbilder unterschiedlich aus. Die Gläser der passiven 3D-Brille sind ebenfalls gegensätzlich polarisiert und lassen nur die Information für das jeweilige Auge passieren. Da eine mattweiße Kinobildwand die Polarisierung der Bilder aufheben würde, ist für dieses 3D-Verfahren eine Silberbildwand erforderlich.

3D durch Farbverschiebung
Anbieter: Dolby
Beim Dolby-System wird ein rotierendes Farbfilter-Rad in den Strahlengang des Projektors integriert. Es verschiebt die Lage der Wellen für die RGB-Primärfarben für das rechte und linke Bild minimal gegeneinander. Die entsprechenden passiven 3D-Brillen sind mit Filtergläsern ausgestattet, die exakt auf diese Verschiebung abgestimmt sind, sodass jedes Auge nur eines der beiden Bilder wahrnehmen kann.

3D-Shutter-Brillen-System
Anbieter: Xpand (Nuvision)
Beim Shutter-Brillen-System signalisiert der D-Cinema-Projektor einer speziellen Sync-Box, ob gerade ein »rechtes« oder ein »linkes« Bild projiziert wird. Die Sync-Box steuert über ein Infrarot-Signal die aktiven Shutter-Brillen der Zuschauer an. Diese blenden abwechselnd immer eine Brillenseite ab — machen sie also kurzzeitig undurchsichtig — und ermöglichen so nur jeweils einem Auge den Blick auf die Bildwand.

Fazit

Mit D-Cinema ist der Einstieg in die dreidimensionale Kinowelt vergleichsweise einfach zu realisieren. Dabei bietet Digital 3D nicht nur dem Publikum eine neue Perspektive, sondern eröffnet auch den Filmtheatern neue Potenziale. So könnten neben Hollywood-Blockbustern, die immer häufiger auch als Stereo-Version in den Verleih kommen, auch Konzerte oder Sport-Events in 3D das Kinoprogramm künftig wirkungsvoll ergänzen.

Weitere aktuelle Infos zum Thema 3D und Digital Cinema finden es hier.

Autor
Markus Näther, Kinoton
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