Branche, Top-Story: 28.09.1999

Plazamedia: DSF und mehr

Plazamedia gehört zu den etablierten TV- und Film-Produktionsunternehmen in München und Umgebung. Als 100%-Tochter des Sportsenders DSF ist Plazamedia Teil der Kirch-Gruppe. Mit zusätzlichen Studios und Dienstleistungen baut das Unternehmen sein Angebot als TV-Dienstleister immer weiter aus.

Plazamedia machte sich in der Vergangenheit mit aufwendigen und anspruchsvollen Sportübertragungen einen Namen. Derzeit sind die Außenproduktionen zwar immer noch das wichtigste Standbein von Plazamedia, aber Studioproduktionen, Postproduktion, Programmabwicklung und weitere Dienstleistungen ergänzen das Angebot. Neben unterschiedlichen TV-Programmen entstehen bei Plazamedia vor allem auch Werbefilme.

Plazamedia ist ein vielseitiges Unternehmen, das im TV-Bereich neben der Übertragung von Sportveranstaltungen auch Shows, Magazin- und Nachrichtensendungen realisiert, sowie alle dazugehörigen, technischen Bereiche abdeckt: Ü-Wagen-Betrieb, Live-taugliche Studios, umfangreiche Postproduktionskapazitäten mit Videografik-Bereich, Sendeabwicklung, eine kleine Kopier- und Überspielstraße, ein Archiv und vieles weitere gehören dazu.

Um das breite Spektrum an Dienstleistungen abdecken und künftig noch weiter expandieren zu können, investierte Plazamedia im Zeitraum zwischen 1996 und 1999 mehr als 100 Millionen Mark in Studios und Technik. Das Ergebnis ist eine moderne, vollständig digitale Studio- und Produktionsumgebung.

Bis zum Ende des Jahres 1998 war Plazamedia in allen Bereichen fast ausschließlich für den Sportsender DSF tätig. So wickelte etwa das Sendezentrum von Plazamedia bislang neben dem Kabelprogramm DSF auch die Sportprogramme DSFplus und DSFaction ab, die als Teil der digitalen TV-Plattform DF1 zu empfangen sind.

1999 hat sich das Unternehmen entschlossen, den Geschäftsbetrieb auszuweiten und in allen Bereichen des Unternehmens auch intensiver für andere Auftraggeber tätig zu werden. So konnte Plazamedia den Disney Channel und Teile des Shopping-Kanals H.O.T als Kunden für die hauseigene Sendeabwicklung gewinnen. Für H.O.T wickelt Plazamedia das Nachtprogramm zwischen 0 und 8 Uhr ab. Weitere Neukunden stammen aus dem Umfeld der Kirch-Gruppe: So wird Plazamedia das gesamte Volumen an Studio- und Außenproduktionen von Premiere und DF1 übernehmen. Damit rückt Plazamedia weiter nach vorne und wird zu einem der größten Allround-Fernsehdienstleister im Münchener Raum. Das bislang herausragendste Ereignis bei den Produktionen für die Pay-TV-Sender war die Übertragung des Tennisturniers in Wimbledon. Das besondere daran: Bis zu vier Live-Feeds aus Wimbledon gingen dabei direkt On Air.

Der Hauptsitz von Plazamedia befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei in Ismaning, direkt vor den Toren Münchens. Teilweise wurden bestehende Gebäude umgebaut, teilweise entstanden und entstehen derzeit Neubauten. Acht Studios mit einer Größe zwischen 300 und 950 Quadratmeter sind inzwischen in Betrieb. Zudem wird derzeit ein weiteres Studio gebaut. Es ist als 3-in-1-Studio ausgelegt, wurde also so konzipiert, daß es über drei unterschiedliche Moderationsplätze verfügen wird. Die größeren Studios eignen sich auch für Sendungen mit Publikum.
Vier der Studios sind voll O-Ton-tauglich, von hier lassen sich problemlos Live-Sendungen abwickeln. Zwei der Studios sind als News-Center ausgelegt. Aus diesen mit jeweils drei Kameras bestückten Studios werden die Sport-Nachrichtensendungen für DSF abgewickelt.

Der Anteil der Live-Produktionen beträgt bei den Plazamedia-Studios mehr als 80 %, und da die meisten Live-Sendungen am späten Nachmittag bis in den Abend hinein ausgestrahlt werden, herrscht auf dem Gelände auch zu diesen Zeiten Hochbetrieb. Bei Plazamedia wird in vielen Bereichen rund um die Uhr im Mehrschichtbetrieb gearbeitet, das Unternehmen hat rund 250 festangestellte Mitarbeiter. Mit gut 100 freien Mitarbeitern und zahlreichen Subunternehmern arbeitet Plazamedia regelmäßig zusammen und kann dadurch flexibel auf Kundenanforderungen reagieren.

Generell legen die Verantwortlichen bei Plazamedia bei allen Investitionsentscheidungen größten Wert auf erprobte und zuverlässige Technologien. »Was nützt ein innovatives Produkt, wenn es im Produktionsbetrieb Probleme macht oder sogar im entscheidenden Moment versagt«, so der allgemeine Tenor.
Deshalb trifft der Besucher in der Technik überwiegend auf vertrautes Equipment: Das hausinterne Standard-Videoformat ist Digital Betacam. Im Lauf der vergangenen Jahren schaffte das Unternehmen mehr als 150 Digital-Betacam-Mazen an.

Fünf Sendeabwicklungen stehen bei Plazamedia bereit, davon werden vier im 24-Stunden-Betrieb benutzt, eine steht für Havariefälle in Reserve. Alle Sendeabwicklungen sind vollautomatisiert, ein Probel-Compass-System steuert alle Komponenten. Wesentliche Bestandteile der drei größeren, vollkommen identischen Sendeabwicklungen sind: eine 6-Maschinen-LMS, eine zweikanalige Quantel-Clipbox sowie mehre Havarie-Mazen.
Zentrales Element in den Bildregien ist der Sony-Bildmischer DVS 7000. Bei Live-Sendungen wird der jeweils zuständigen Senderegie das entsprechende Studio zugeordnet, für eventuell notwendige Live-Kommentierung steht jeweils eine Sprecherkabine zur Verfügung.

Die Maz-Zentrale ist mit allen Senderegien verbunden, Herz der Signalverteilung ist eine digitale 128 x128 Kreuzschiene. In der Maz-Zentrale werden alle ankommenden Signale mitgeschnitten, von hier werden Beiträge zugespielt, es werden Normwandlungen durchgeführt und Kopierjobs erledigt. 25 Digi-Beta-Maschinen und etliche Recorder anderer Formate tun hier Dienst.

In der Postproduktion ist Plazamedia derzeit mit 14 Schnittplätzen ausgerüstet. Auch in diesem Bereich gilt die Maxime »keine Experimente«: Elf der Suiten sind als komfortable Online-Schnittplätze mit je vier Digital-Betacam-Maschinen bestückt, die von einer konventionellen Schnittsteuerung dirigiert werden. Es stehen Aston-Schriftgeneratoren zur Verfügung, von Pinnacle stammen die Bild-Effektgeräte, die in den Online-Suiten eingesetzt werden. Avid ist als einziger Hersteller aus dem nonlinearen Editing mit drei Schnittplätzen bei Plazamedia vertreten. Die Avid-Systeme werden bei Plazamedia meist fürs Schneiden der Trailer eingesetzt. Beiträge für Magazine oder für die Nachrichten entstehen dagegen durchweg mit den Digital-Betacam-Online-Schnittsystemen. Lediglich einen Schnittplatz hat Plazamedia mit einem Profile-Server von Tektronix bestückt.

Obwohl es auch eine separate Tonnachbearbeitung gibt, in der unter anderem ein Pro-Tools-System genutzt wird, stehen in jeder der Editsuiten neben CD- und DAT-Player auch Audio-Kompressoren, Limiter und/oder weitere Audio-Effektgeräte zur Verfügung. Die meisten Edit-Suiten verfügen zudem über eine eigene Sprecherkabine. Von den Online-Edit-Suiten aus kann im Notfall auch direkt gesendet werden, das schafft zusätzliche Flexibilität.

Wichtigster Grund weshalb Plazamedia derzeit unverändert auf Bandtechnologie setzt: Die hohe Effektivität, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit beim Arbeiten unter hohem Zeitdruck. Hier gehen die Mitarbeiter ans Limit: Wenn Magazin- und Nachrichtenbeiträge geschnitten werden, dann ist höchste Effizienz gefordert. Die gängige News-Editing-Formel »1 Stunde Schnitt pro 1 Minute Beitrag« wird bei Plazamedia regelmäßig unterboten: Hier kann es durchaus vorkommen, daß in zwei Stunden ein relativ aufwendiger dreieinhalbminütiger Beitrag geschnitten wird. Da bleibt natürlich keine Zeit, um etwa erst das ganze Material in ein nonlineares Schnittsystem zu laden.

Natürlich schauen die technisch Verantwortlichen bei Plazamedia in die Zukunft und recherchieren derzeit, auf welchen Technologien künftige Edit-Suiten basieren sollen, die schon in naher Zukunft geplant und gebaut werden sollen. Die reinen Zahlen sprechend dabei eine deutliche Sprache: Eine vollwertige Online-Suite kostet rund 800 000 bis 1 000 000 Mark, während ein voll ausgestatteter nonlinearer Schnittplatz für deutlich weniger Geld zu haben ist.

Die Liste der Produktionen, die in den Studios abgewickelt werden, ist breit gefächert: In den Hallen, in denen früher Ziegel gefertigt wurden, wird heute in »Warm Up« über die Formel 1 diskutiert, während sich nebenan das »Glücksrad« dreht und im »Quatsch Comedy Club« von ProSieben um die Wette gekichert wird.
Der hohe Anteil der Live-Produktionen, die in den Studios in Ismaning abgewickelt werden, ist ein weiterer Grund, weshalb Plazamedia bei der technischen Ausstattung höchste Betriebssicherheit in den Vordergrund stellt.

Plazamedia will in den kommenden Jahren sein Spektrum als Allroundanbieter in allen Stufen der Produktion und der Sendeabwicklung verstärken und weiter ausbauen. Mit den Investitionen der vergangenen Jahre ist der Grundstein dafür gelegt. Wachstumsfelder sieht man bei Plazamedia unter anderem in den Bereichen Internet-Streaming, Business-TV und beim digitalen Fernsehen.

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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