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Die Welt zu Gast bei Nervensägen
Schockierend ist dabei besonders die Einfallslosigkeit der angeblich so kreativen Werber: Es sind nämlich die immergleichen Bild- und Tonmotive, die in minimalen Variationen endlos zu sehen und zu hören sind. Und so ergießt sich in Form von Spots, Anzeigen und Plakaten schon jetzt ein Tonbrei aus Fangesängen, Jubelchören und wie Fußballmoderationen gesprochenen Werbetexten, zusammen mit einer Bilderflut aus Fußbällen, Stadien, Menschen in Trikots und grinsenden Kickern über Deutschland. Abgerundet wird das Ganze von ein paar dümmlichen aber angeblich brüllend komischen Wortspielen, die gerne eingesetzt werden, um damit uralte Klischees zu befeuern.
Beim Versuch, vom großen Event zu profitieren, haben sich offenbar viele in der Werbewirtschaft frühzeitig in eine Fußballtaumel-Sackgasse manövriert. Sicher: Es ist deren Problem, wenn man als Konsument nicht mehr unterscheiden kann, wofür denn die einzelnen Tropfen dieser Flut eigentlich werben. Aber es nervt.
Vor allem mit der Aussicht, dass dieser Irrsinn in den kommenden Wochen immer weiter anschwellen wird, kann das allem Anschein nach eingetretene, fast kollektive Werberversagen selbst manchem Gutwilligen die Vorfreude vergällen.
Eine interessante Nebenwirkung zeigt in diesem Umfeld das Trommelfeuer der offiziellen Sponsoren: Selbst Menschen, die man bis vor kurzem noch für kritische, wache Zeitgenossen gehalten hatte, sprechen mittlerweile vereinzelt von der Fifa-WM, wenn sie die Fußball-WM meinen.
Natürlich wird sich auch www.film-tv-video.de in den kommenden Wochen thematisch mit den technischen Hintergründen der WM beschäftigen — aber sicher nicht sprachlich. Und ein bisschen Rebellion muss sein: die Fußball-WM bleibt die Fußball-WM.
Sie werden sehen.
Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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