Editorial, Kommentar, Top-Story: 10.09.2006

Immer größer, immer besser?

Über hundert Firmen mehr als im Vorjahr stellen laut IBC-Exhibition-Chairman John Holton während der IBC2006 aus. Seit etlichen Jahren steigt demnach die Ausstellerzahl kontinuierlich und nahezu unaufhaltsam. Nun belegen diese Neulinge nicht alle große, eigenständige Ausstellungsflächen, sondern es handelt sich in vielen Fällen um Sub-Aussteller, die an Gemeinschafts- oder Partnerständen ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren.

Dennoch war es laut Veranstalter unvermeidlich, in diesem Jahr erstmals eine zwölfte Halle auf dem Messegelände für die IBC zu nutzen und auch diese ist laut John Holton voll ausgebucht.

Vielleicht wäre es möglich gewesen, den bestehenden Hallenraum besser zu nutzen, aber es ist tatsächlich so, dass die IBC auf der Ausstellerseite weiter wächst. Das nährt einerseits die Hoffnung der Amsterdam-Kritiker, dass die Hallenfläche hier bald nicht mehr ausreichen könnte und dann auch mal ein anderer Veranstaltungsort denkbar wäre. Andererseits ist es so, dass eine immer weiter wachsende Ausstellerzahl auch dazu beitragen kann, den Fokus der Messe zu zerstreuen: Schließlich ist die Branche ja in den vergangenen Jahren auf der Anwenderseite keineswegs gewachsen. Hier liegt eine Diskrepanz, und wer die nicht sehen will, der stößt auf ein anderes Problem: Wenn es immer mehr Aussteller werden, sinkt zwangsläufig die Aufenthaltszeit der Besucher pro Stand. Mit diesen Problemen kämpft auch die NAB in den USA, die ja noch viel mehr Aussteller und Besucher beherbergt.

Ist es aus Sicht der Aussteller also überhaupt erstrebenswert, dass die IBC immer weiter wächst? Oder könnte sich das nicht letztlich kontraproduktiv auswirken?

Gegen mehr Besucher hat sicher kein Aussteller etwas einzuwenden, solange es sich um ernsthafte Interessenten und potenzielle Kunden handelt. Auch hier will die IBC in diesem Jahr zulegen: Der Veranstalter erwartet auf Basis der Voranmeldungen rund 45.000 Besucher. Als die Messehallen am Freitag zur Mittagszeit öffneten, hatte man zwar nicht gerade den Eindruck, dass Tausende hereinströmen, aber im Lauf des Tages füllten sich einige Hallen und Stände dann doch mit einer stattlichen Besuchermenge. Am Samstag herrschte dann reges Treiben in den Messegängen und an den meisten Ständen.

Einzelne Aussteller bemängelten aber im Gespräch mit www.film-tv-video.de, dass sie zwar relativ viele Menschen am Stand hatten, aber nur wenige Entscheider darunter waren. Nach Amsterdam reist demnach aus vielen Unternehmen nicht (mehr) die oberste Management-Garde. »Uns geht es nicht um Massen von Besuchern, weil wir letztlich gar kein Massengeschäft betreiben, sondern darum, dass die Richtigen kommen«, war der Tenor einiger Kommentare zu diesem Thema.

Vielleicht hilft direktes Feedback an die Veranstalter, die IBC in die Richtung zu lenken, die den Besuchern und Ausstellern am meisten bringt. Eine Möglichkeit dazu: Senden Sie eine Videobotschaft — gern mit dem Handy aufgenommen — an www.ibccitizen.tv, die IBC ruft alle Messebesucher ganz offiziell dazu auf. Vielleicht bewirkt es ja was.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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