Editorial, Kommentar, Top-Story: 12.09.2006

IBC2006: Amsterdam forever

Bis einschließlich Montag haben laut Veranstalter 42.500 Besucher die IBC in Amsterdam besucht. Die Messe-Organisation wies zudem darauf hin, dass am heutigen Dienstag, dem letzten Messetag, aber noch mit weiteren Erstbesuchern der IBC2006 zu rechnen sei. Im Vergleich zum Vorjahr rechne man daher bis Messe-Ende erneut mit einem Wachstum der Besucherzahlen, so IBC-Marketing-Mann Michael Crimp. Die Organisatoren führen das naturgemäß auf das gute Messekonzept zurück und ergänzen, dass nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Besucher gestiegen sei: Im Vergleich zu den Vorjahren hätten deutlich mehr Entscheider die Messe besucht.

Die Aussteller, mit denen www.film-tv-video.de während der Messe im Kontakt war, bestätigten überwiegend die guten Besucherzahlen und zeigten sich zufrieden mit dem Messeverlauf. Dass mehr Entscheider im Amsterdam waren, konnten die Befragten allerdings nicht feststellen, im Gegenteil: Einige merkten sogar an, dass aus ihrer Sicht eher weniger Entscheider nach Amsterdam fahren und statt dessen Mitarbeiter zur IBC schicken, die in der jeweiligen Firmenhierarchie weiter unten rangieren. Dem Entscheider bleibt dann die NAB im fernen Las Vegas vorbehalten…

Recht positiv nahmen die IBC-Besucher ganz offenbar die Sessions und Screenings auf, die während der IBC zu hören und zu sehen waren. Die Themen der Sessions sind im Vergleich zur NAB einfach näher dran am europäischen Markt, weil sie sich viel eher mit Fragen und Themen beschäftigen, die für die hiesigen Broadcaster und Produzenten von Relevanz sind. Natürlich spielen dabei die großen Trends aus den USA eine wichtige Rolle — aber eben immer mit Fokus auf deren Bedeutung in Europa.

Dass die Messebesucher die Sessions und Screenings tatsächlich besuchen und gut annehmen, zeigte sich in diesem Jahr an einem Beispiel ganz besonders deutlich: Der amerikanische Hersteller Red One hatte angekündigt, in mehreren Screenings erstes Material seiner zur NAB2006 angekündigten 4K-Digitalkamera zu zeigen. Schon während der NAB sorgte das Konzept der Digitalkamera Red One für allerhand Diskussionen und Spekulationen, und während der IBC war das nun nicht anders: Nach den Vorführungen des Red-One-Materials wurde jedenfalls an vielen Stellen während der Messe darüber diskutiert, ob es tatsächlich sein kann, dass hier ein neuer Hersteller wesentlich günstiger als die etablierten Firmen von Sony über Grass Valley bis Arri eine hochwertige Kamera und auch ein passendes Objektiv bauen kann.

Alles in allem ist die IBC2006 für die Mehrzahl der Aussteller und Besucher recht positiv verlaufen. Die Diskussionen um die Messe und ihren Standort hören dennoch nicht auf: Panasonic wird der Messe offenbar auch im kommenden Jahr fernbleiben. JVC hingegen kündigte schon jetzt an, im nächsten Jahr nicht nur erneut teilzunehmen, sondern gleich noch die Ausstellungsfläche deutlich zu vergrößern.

Dass der Standort Amsterdam bei solchen Diskussionen nie ernsthaft in Gefahr ist, sondern die Allianz der britischen Organisatoren und der niederländischen Messegesellschaft fest und einig steht, zeigte sich unter anderem daran, dass schon ab Beginn der Messe zahlreiche Plakate für die IBC2007 in Amsterdam warben. Man hört zwar bei keiner Messe so viele Klagen über teure und trotzdem abgehalfterte Hotels oder eine langwierige umständliche Anreise vom Hotel zum Messegelände, wie während der IBC, aber das stört auf der Organisatorenseite allem Anschein nach niemanden. Dort heißt es offenbar: Amsterdam forever.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Editorial, Kommentar, Top-Story


Das könnte Sie ebenfalls interessieren: