Branche: 02.07.2009

Deutscher Kamerapreis 2009: Preise verliehen

Aus über 400 Produktionen wählte eine Jury im Auftrag des Trägervereins des Deutschen Kamerapreises in diesem Jahr die Preisträger in den Bereichen Schnitt und Kamera aus. An zehn Filmschaffende wurden die Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien überreicht. Den Rahmen bildete eine Gala in der Kölner Vulkanhalle.

Im jährlichen Rhythmus wird in Köln der Deutsche Kamerapreis verliehen, der trotz seines eindeutigen Namens auch Auszeichnungen für besondere Leistungen im Schnitt bereithält.

Ehrenkamerapreis

Als Ehrenkameramann 2009 wurde Joseph Vilsmaier ausgezeichnet, der vor Beginn seiner Regiekarriere schon etliche Jahre als Kameramann arbeitete und auch bei einem Großteil seiner Regiearbeiten selbst die Kamera führte. »Joseph Vilsmaier setzt als filmischer Erzähler bedingungslos auf die emotionale Kraft der Bilder. Intuitiv erfasst er Lichtstimmungen und Räume, die er in der Manier des großen Erzählkinos in bewegende Bilder umsetzt. Trotz aller Stärke bricht er dabei nie mit der gebotenen Authentizität des Gezeigten«, so die Begründung des Kuratoriums Deutscher Kamerapreis. Derzeit dreht Vilsmaier als Kameramann, Regisseur und Produzent gemeinsam mit Reinhold Messner einen Film über die tragische Expedition der Messner-Brüder am Nanga Parbat.

Kamerapreise

Die Auszeichnung für die beste Kamera in einem Kinospielfilm — also den Preis in der Königsklasse des Kamerapreises — erhält Armin Franzen für »Kronos. Ende und Anfang«. Die Jury dieser Kategorie, unter anderem mit Vorjahrespreisträger Tom Fährmann und Wolfgang Treu prominent besetzt, attestierte dem Preisträger, dass »durch oft überraschende Cadragen und einen intuitiven Fluss der Bewegung hochsensible Bilder der Nähe« in der Neuinterpretation des antiken Mythos entstünden.

Christian Rein erhält den Deutschen Kamerapreis in der Kategorie Fernsehfilm / Dokudrama für seinen Fernsehfilm »Die zweite Frau«. Der mit Matthias Brandt und der kürzlich verstorbenen Monica Bleibtreu hochkarätig besetzten Geschichte eines »Frauenkaufs« in Rumänien, bescheinigt die Jury höchste Einfühlsamkeit.

Die filmische Beobachtung von acht magersüchtigen jungen Frauen mit dem Titel »Die dünnen Mädchen« setzte sich in der Kategorie Dokumentation durch. Bildgestalterin Sophie Maintigneux ließ dabei nach Meinung der Jury die Kamera zum Spiegel der Magersüchtigen werden und lieferte damit eine preiswürdige Kameraarbeit ab.

Beim Piloten der zweiten Staffel von »KDD – Kriminaldauerdienst« mit dem Titel »Am Abgrund«, führte Jens Harant die Kamera — und setzte mit seiner Kameraführung die kaleidoskopartige Erzählweise der Serie auf so kongeniale Art und Weise um, dass er der Jury in der Kategorie Fernsehserie den Deutschen Kamerapreis wert war.

In der Kategorie Kurzfilm heißt der diesjährige Preisträger Bernhard Keller. Ausgezeichnet wurde er für seinen Film »Polar«, bei dem die Jury die konsequent durchgehaltene erzählerische Perspektive sowie die formale Geschlossenheit hervorhebt.

Für die Reportage »Unsere Vertreibung 1968 – Der Weg der polnischen Juden« wurde Jürgen Dahlhoff die Ehrung in der Kategorie Bericht / Reportage zugesprochen. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass der Kameramann jede Einstellung perfekt komponiert und jede Situation einfühlsam und entschieden umgesetzt habe

Schnittpreis

Ausgezeichnet wurde die Cutterin Silke Olthoff für den Schnitt des bereits mehrfach prämierten Kurzfilms »Schautag«, dessen Erzählebenen sie aus Sicht der Jury in ein spannungsgeladenes Gleichgewicht bringt. Andere Schnittpreise wurden — außer dem Schnittförderpreis — nicht vergeben.

Förderpreise

Mit zwei Förderpreisen macht das Kuratorium des Trägervereins Deutscher Kamerapreis Köln e. V. auf Nachwuchstalente aufmerksam. Die Förderpreise sind mit je 5.000 Euro dotiert und werden von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und Panasonic Deutschland gestiftet.

Ingo Scheel beeindruckte die Jury durch seine Kameraführung bei dem Kurzfilm »Loose Connection«. Geschichte und Kamera kreisen um einen Jungen, der sich hinter verschiedenen elektronischen Geräten vor dem echten Leben verschanzt.

Als viel versprechendes Nachwuchstalent im Bereich Schnitt machte die Jury Julia Keller aus, die den Dokumentarfilm »Agridulce« montierte.

Kommentar

Durch die Preisverleihung führte die WDR-Moderatorin Anna Planken, die aber — so der Eindruck vieler Gäste der Gala — in den meisten Fällen damit überfordert war, sich auf die Preisträger einzustellen. Vielleicht wäre es insgesamt sinnvoller, hier eine andere Form zu finden: Man könnte etwa auf diese Art der Präsentation ganz verzichten, oder jemanden dafür suchen, der sich mit Schnitt und Kameraarbeit auskennt und über diese Themen auf Augenhöhe mit den Preisträgern redet. Beides wäre viel besser, als preisgekrönte Fachleute vor einem Fachpublikum mit Lieschen-Müller-Fragen zu traktieren. Massentauglichkeit kann und muss man bei diesem spezialisierten Preis gar nicht herstellen: Die Aufzeichnung der Preisverleihung, die an drei Terminen ausgestrahlt wurde und die trotz Bereinigung um die gröbsten Klöpse noch genug peinliche Momente enthielt, werden ohnehin wohl kaum gänzlich unbedarfte Zuschauer angesehen haben, sondern eher am Thema interessierte, vorgebildete Enthusiasten und Branchen-Insider.

Zudem muss man leider feststellen, dass es der Deutsche Kamerapreis auch im Jahr 2009 nicht geschafft hat, ganz hasenrein rüber zu kommen: Der Preisträger Christian Rein saß auch in der Jury — zwar nicht in der Kategorie, in der er ausgezeichnet wurde, ein Beigeschmack bleibt aber eben trotzdem. Schlimmer war es im Jahr 2006, als einer der Kategorie-Preisträger auch gleich noch in der für den eigenen Preis zuständigen Kategorie-Jury saß (Meldung)..

Die Frage muss erlaubt sein: Ist es denn so schwer zu begreifen, dass man nicht gleichzeitig Teilnehmer, Jury-Mitglied und Preisträger eines Wettbewerbs sein kann, ohne die Glaubwürdigkeit dieses Preises zu beschädigen? Eine Würdigung für die Menschen hinter der Kamera, wie sie der Deutsche Kamerapreis darstellt, ist eigentlich zu wichtig, um so unnötig in Richtung Klüngelwirtschaft und Farce gedrängt zu werden.

Veranstalter, Sponsoren

Der Deutsche Kamerapreis wird seit 26 Jahren verliehen. Träger des Kamerapreises ist das Kuratorium Deutscher Kamerapreis Köln, ein Verein in dem die Stadt Köln, der BR, Colonia Media, die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Nobeo, der SWR, Studio Hamburg, TPC, der WDR und das ZDF Mitglieder sind. Die diesjährigen Sponsoren des Preises waren: Arri, Avid, Kodak, Media Broadcast, Panasonic, RTL, Sony, Volkswagen und WDR Mediagroup Digital.

Weitere Infos

Die Preisträger des Vorjahres finden Sie hier, die aus 2007 hier. Einen allgemeinen Kommentar zum Thema Filmpreisverleihungen finden Sie hier.

Autor
red

Bildrechte
WDR/Fulvio Zanettini

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