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Echte, gefühlte und offizielle Zahlen

Im modernen »Marketingsprech« gibt es ja eigentlich nur Erfolge — und höchstens noch »Herausforderungen«. Letztere sind aber in der heilen Welt der Euphemismen glücklicherweise in aller Regel schon so gut wie überwunden. Dementsprechend ist zu erwarten, dass die IBC bei ihrer Pressekonferenz am Ende der Messe verkünden wird, dass die IBC trotz der aktuellen Herausforderungen ein überragender Erfolg war und es gelungen sei, ein für alle Aussteller und Besucher höchst befriedigendes Konzept umzusetzen, das neue Wege weisen konnte – oder so ähnlich. Und es wird auch Besucherzahlen geben, die man glauben kann oder auch nicht.

Viel besser als diese offiziellen Zahlen sind aber eigene Zahlen — und die liegen zum Glück bei vielen Firmen vor: Dort werden die Daten von Interessenten, Standbesuchern und Gesprächspartnern erfasst und deren Messeausweise gescannt. So hat man deshalb über die Jahre einen ganz guten Vergleich. Natürlich gibt es hausgemachte Schwankungen, die am jeweiligen Aussteller selbst liegen: Mal hat man interessante Neuheiten und mal nicht, mal bewährt sich das Standdesign sehr gut, mal weniger.

Einige namhafte Firmen stellten in den vergangenen Tagen fest, dass bisher wohl rund ein Drittel weniger Besucher am Stand waren als im Vorjahr. Nach einem stellenweise schwächer besuchten Wochenende überraschte der Montag zwar mit mehr Besuchern, aber dennoch dürften die rund 30% Besucherrückgang, die einige Aussteller intern ermittelten, eine verlässlichere Richtschnur sein, als jede offiziell vom Veranstalter genannte Zahl.

Dennoch muss man anerkennen, dass die Messe damit zwar angeknockt, aber keineswegs k.o. ist: Sie hat den herben Totalverlust von Sony und die schlechte Wirtschaftslage noch ganz passabel weggesteckt und sich über diese Runde gerettet. Gut so, denn eine zentrale europäische Branchenmesse in der einen oder anderen Form wird schließlich gebraucht, weil es derzeit keine bessere Alternative gibt.

Eine Frage stellt sich aber trotzdem: Wie hoch muss der Besucherrückgang ausfallen, bis die Messe reagiert und endlich bessere Bedingungen und Preise für die Aussteller wie auch für die Besucher schafft? Langsam wäre die Zeit reif dafür.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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