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Das Kodak-Fanal

Es ist ein Schock mit Vorankündigung: Der Kodak-Mutterkonzern und seine US-amerikanischen Tochtergesellschaften haben Insolvenz gemäß US-Handelsrecht angemeldet (Chapter 11).

Schon länger hatte es Spekulationen über einen solchen Schritt gegeben, nun ist er erfolgt. Und abseits aller ökonomischen Betrachtungen muss man feststellen: Für viele — auch nicht direkt Betroffene — in der Branche hat das eine emotionale Komponente.

Kodak besteht natürlich aus weit mehr als Filmmaterial.

Viel stärker als bei früheren Pleiten in der Branche, kommt es zu Gefühlsäußerungen und Trauer — obwohl ja die Chapter-11-Insolvenz gar nicht das Ende von Kodak darstellen muss. Viele sehen aber in der Kodak-Insolvenz ein Fanal.

Wie konnte es passieren, dass ein so großer, traditionsreicher Konzern wie Eastman/Kodak mit einer so starken, weltbekannten Marke nun in die Insolvenz geht? Kodak hat schließlich auch schon früher Rückschläge hinnehmen müssen — und diese verkraftet.

Im Consumer-Bereich war das etwa der 1985 verlorene Patentstreit mit Polaroid um Sofortbildtechnologien, der für Kodak mit der Zahlung von 873 Millionen Dollar Schadenersatz und der Einstellung der eigenen Sofortbildkameras und -filme endete. Polaroid half das übrigens mittelfristig auch nicht, denn dieser Fotogigant ging schon 2001 in die Chapter-11-Insolvenz. Die von Kodak entwickelte Disc-Kamera wiederum konnte sich nicht im Markt etablieren — und auch die Photo CD fand nie die massenhafte Verbreitung, für die sie konzipiert war. Auf der Profi-Seite gab es ebenfalls Downer: Manche in der Branche erinnern sich vielleicht noch an das von 1993 bis 1997 entwickelte und angebotene Cineon-System für die digitale Filmbearbeitung aus dem Genesis-Scanner, den Post-Systemen Breeze, Storm und Tornado, sowie einem Filmbelichter. Cineon konnte sich nicht durchsetzen — damit war Kodak vielleicht sogar zu früh dran.

Aber Misserfolge bleiben eben nicht aus, wenn man etwas Neues probiert: Und trotz dieser Niederlagen in einzelnen Marktbereichen, stand Kodak noch vor zehn Jahren ganz gut da. Dann aber kamen die Digitalfotografie und schließlich auch die schrittweise Loslösung der Kinobranche vom chemischen Film — in der Produktion und in der Vorführung.

Kodak reagierte spät und fand keine guten Antworten auf diese Herausforderungen: In den vergangenen drei Jahren wies das Unternehmen in neun von zwölf Quartalen Verluste aus. Nun folgt also der harte Schnitt mit der Chapter-11-Insolvenz. Die verschafft dem Konzern eine finanzielle Atempause: Es wird wohl eine drastische Umstrukturierung geben, mit Entlassungen, dem Verkauf von Patenten und von einzelnen Firmenteilen.

Dieses aktuelle Bild des Kodak-Konzerns ist nicht nur für die ganz harten Filmtechniknostalgiker traurig: Schließlich hatte — außer vielleicht den ganz jungen in der Branche — so gut wie jeder auf die eine oder andere Weise Kontakt mit Kodak und den Produkten des Konzerns.

Die Kodak-Insolvenz steht für die dunkle Seite des Technikwandels in der Branche und mahnt uns alle dazu, die Augen nicht vor der Realität zu verschließen, die Herausforderungen anzunehmen und uns weiter zu entwickeln.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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