Branche, Top-Story: 05.11.2015

Erstes Imax-Laser-Kino Europas in Berlin eröffnet

Das Berliner CineStar wurde als erstes Kino auf dem europäischen Festland mit dem neu entwickelten Imax-Laser-Projektionssystem ausgerüstet. Die neue Lasertechnik für Projektionen in 4K und die 12 Kanal-Tontechnik gingen mit »James Bond 007 – Spectre« am 28. Oktober 2015 im Imax-Kino am Potsdamer Platz an den Start. Peter Dehn war für film-tv-video.de im Cinestar.

Imax und CineStar präsentierten das neue Projektionsystem bei der Wiedereröffnung des Imax-Kinos am Potsdamer Platz in Berlin am 29. Oktober 2015. Installiert wurde dort ein duales 4K-Laser-Projektionssystem, das laut Hersteller für die »schärfsten, hellsten und klarsten Digitalbilder« sorgt, die es jemals gab. Ergänzend zum neuen Projektionssystem hat Imax auch ein neues 12-Kanal-Tonsystem entwickelt, das in Berlin ebenfalls installiert wurde.

Erste Eindrücke

Tatsächlich sind vor allem die Schwärzen und Lichter auf der 500-Quadratmeter-Leinwand beeindruckend, die mit der neuen Laser-Projektion des Imax im Cinestar am Potsdamer Platz erreicht werden.

Der hohe Kontrastumfang und die verbesserte Farbdarstellung (mehr Infos) kommen dadurch zustande, dass Imax die in seinen modernisierten Sälen gezeigten Filme zuvor einem »Digital Media Re-Mastering« unterzieht, das ist eine aufwändige Optimierung von Bild und Ton, die dafür sorgen soll, dass auf der großen Leinwand der Imax-Kinos und mit der modernen Projektorentechnik und dem 12-Kanal-Ton das Maximum aus der jeweiligen Produktion herausgeholt wird. Das funktioniert natürlich am besten, wenn bei einem Film von vornherein klar war, dass es eine Imax-Version geben wird und das bereits in der Drehplanung berücksichtigt wurde. Prinzipiell können im modernisierten, digitalen Imax-Verfahren auch Filme projiziert werden, die mit erhöhter Bildzahl (High Frame Rate) gedreht wurden.

Außerdem gibt es natürlich noch etliche Imax-Filme, die im hauseigenen Bildformat 1,43:1 auf Film gedreht wurden und von denen die besten nun auch digital aufbereitet weiter gezeigt werden können.

Imax-Technik im Einsatz am Set

Bei zahlreichen Hollywood-Filmen wurden zudem in jüngster Zeit zumindest einige Sequenzen mit der speziellen Imax-Kameratechnik gedreht. Die klobigen und schweren 15/70-Filmkameras kommen dabei immer seltener zum Einsatz — auch wenn zuletzt J.J. Abrams für »Star Wars: Das Erwachen der Macht« darauf setzte. Imax hat inzwischen auch eine kleinere und besser handhabbare digitale 4K-Kamera mit parallel montierten Stereoskopie-Optiken entwickelt, die Michael Bay für »Transformers: Ära des Untergangs« als Erster buchte.

Kamera-Kooperation mit Arri

Giovanni Dolci, als Vice President des Unternehmens für die Imax-Spielstätten in der EMEA-Region zuständig, berichtet: »Gemeinsam mit Arri entwickeln wir eine digitale 2D-Kamera.« Dafür wird die Alexa 65 (mehr Infos) mit ihrem großen 6K-Sensor (6.560 mal 3.100 Pixel) an das Imax-Format und dessen Workflow angepasst. Speziell berechnete Optiken sind hierfür vorgesehen.

Erste Erfahrungen mit diesem Aufnahmegerät machten Anthony und Joe Russo im Frühjahr, als sie 15 Minuten für »Captain America: Civil War« im digitalen Imax-Format drehten. Andere Szenen dieser Studio-Babelsberg-Koproduktion entstanden übrigens im Sommer in Berlin — auch am Potsdamer Platz, wohin die Superhelden dann im Mai 2016 zurückkehren.

Weg von analog, hin zu mehr Flexibilität

Die Digitalisierung sieht Dolci nicht nur als technischen Paradigmenwechsel: »Wir hatten mit dem 70mm-Film ein kritisches Geschäftsmodell. Jede Kopie kostete 30.000 bis 70.000 US-Dollar. Um das wieder einzuspielen, mussten die Kinos monatelang drei Filme zeigen. Das langweilte das Publikum und so blieben die Besucher aus.«

Die ab 2013 betriebene Umstellung auf digitales Abspiel in 2K erwies sich, wohl nicht zuletzt wegen der flexibleren Programmgestaltung, als erfolgreich.

Bessere Projektionstechnik

Parallel unternahm der kanadische Großbild-Spezialist laut Dolci mit 60 Millionen US-Dollar sein bisher größtes Investment in den nächsten Schritt seiner Projektionstechnik. Dolci sieht allerdings den Wettkampf um die Pixelmenge auf der Leinwand durch das menschliche Auge limitiert: »Ich glaube nicht, dass man mehr Auflösung als 4K braucht. Jedenfalls nicht im Moment. Man könnte den Unterschied zu einer wesentlich höheren Auflösung gar nicht sehen.« Ohnehin entstehe »die Qualität der Präsentation durch die Kombination vieler verschiedener Faktoren. Ein Beispiel: Die 4K-Auflösung allein bringt ohne guten Kontrast einfach kein besonderes Erlebnis.«

In diesem Sinne ging man den Weg in Richtung Laserprojektion, die systembedingt mehr Helligkeit und Dynamik, sowie einen erweiterten Farbraum in der Projektion erlaubt. In den neuen 4K-Imax-Projektoren stellen die bewegten Mikrospiegel der DLP-Technologie weiterhin die Basis dar, Imax erwarb aber zusätzlich Technologien und Patente von Barco und Kodak. Bei der Konzeption des neuen Projektionssystems ersetzte man also nicht einfach nur die Xenonlampen durch ein Lasermodul, sondern entwickelte einen in vielen Aspekten völlig neuen Projektor.

So wurde etwa auf einen konventionellen Strahlenteiler verzichtet und statt dessen ein neuer 3-Weg-Licht-Engine entwickelt, der aus Invar gefertigt ist, einer extrem temperaturstabilen Eisen-Nickel-Legierung. Die darüber hinaus verwendeten Materialien tragen zudem zu einer wesentlich besseren Lichtausbeute, also einer helleren Projektion bei. Der optimierte Kontrastumfang wirkt sich besonders in der differenzierteren Wiedergabe von Schwärzen und Lichtern aus.

Auch stereoskopische Filme profitieren deutlich von der höheren Lichtausbeute: Die 3D-Brillen verursachen Helligkeitsverluste. Um dies zu minimieren ist Imax einerseits von passiven RealD-Polarisationsbrillen auf das Dolby-3D-Verfahren umgestiegen, das auf einer bei der deutschen Firma Infitec lizenzierten Filtertechnologie basiert. Dann kommt noch die höhere Lichtstärke der Laserprojektion hinzu und dieser Effekt wird noch zusätzlich verstärkt, weil mit 4K-Doppelprojektion gearbeitet wird, also letztlich bei 3D-Projektionen zwei 4K-Projektoren im Einsatz sind. Bei Imax in 4K auf Basis einer Laserprojektion ist für Dolci erst mal ein technischer Schlusspunkt erreicht: »Wir glauben, dass das Laser-System auf Jahre Bestand haben wird.«

Tonverbesserungen

Das Großbild-Erlebnis unterstreicht Imax mit einem neuen 12 Kanal-Soundsystem plus Subwoofer, wofür der Filmton speziell abgemischt wird. Bisherige Imax-Kinos bieten im Tonbereich sechs Kanäle plus Subwoofer. Ein zusätzliches Lautsprecherpaar befindet sich beim neuen Imax-Soundsystem an den Saalseiten, weitere vier Lautsprecher sorgen, von der Kinodecke abgehängt, für eine Rundum-Beschallung.

Imax nutzt unkomprimierte Soundtracks, die für die Vorführung in Imax-Kinos neu gemastert werden. Mit dem System ist laut Hersteller eine zehnmal größere Dynamik möglich als mit Standard-Audiosystemen. Ein patentiertes Mehrpunkt-Tuning-Verfahren führt täglich eine Kalibrierung durch, damit das Audiosystem immer auf optimaler Leistungsstufe läuft.

Cinestar: »Wir wollen der Treiber sein«

Das erste Kino Kontinentaleuropas mit der neuen Technik ist das Berliner Cinestar im Sony Center am Potsdamer Platz. Nun steht also in Berlin wieder ein Imax-Kino mit modernster Technik zur Verfügung. Das Berliner Cinestar zeigt seit dem Jahr 2000 in acht Sälen englische Originalfassungen und ist unter anderem auch einer der Spielorte der Berlinale.

Vor der nun in zwei Schritten erfolgten Imax-Renaissance hatte sich Cinestar eine Denkpause verordnet: Weil sich 2011 keine Möglichkeit abzeichnete, den Imax-Saal zu digitalisieren, konzipierte Cinestar dort ein »Event«-Kino, das aber »nicht recht erfolgreich« wurde, wie Geschäftsführer Oliver Fock einräumt.

»Dann war Imax soweit, digitale Projektionen auf 500 Quadratmetern zu machen«, und der Imax-Schriftzug wurde 2013 wieder an der Kinofassade angebracht. »Das war entscheidend, weil wir hier am Potsdamer Platz in unserem Flaggschiff das Beste bieten wollen. Wir sind der größte Kinobetreiber in Deutschland und wollen technisch auch der Treiber sein. Das war der Grund, warum wir uns für die Umstellung auf Laser entschieden haben. Etwas Besseres beim Bild und Sound gibt es auf dem Markt im Moment nicht.«

Zwei Jahre später investierte der größte Kinobetreiber Deutschlands daher nun erneut fast 2 Millionen Euro in Berlin: »Wir versprechen uns sehr viel davon. Wenn das so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, können wir uns weitere Imaxe vorstellen.«

Weitere Imax-Laser-Kinos in Deutschland folgen

Als zweites Kino in Deutschland wird der Filmpalast am ZKM in Karlsruhe mit einem Imax-Laser-System ausgestattet. Die Wiedereröffnung des Filmpalasts wird am 5. November 2015 mit der Imax-Version des neuen James-Bond-Films »Spectre« erfolgen. Die Leinwand im Filmpalast am ZKM in Karlsruhe ist etwa 350 Quadratmeter groß. In Karlsruhe investiert der Betreiber rund 1,5 Millionen Euro in die Modernisierung.

Im März 2016 soll dann der Imax-Saal im Auto & Technik Museum Sinsheim folgen und ebenfalls auf Laserprojektion aufgerüstet werden.

Aktuelle Imax-Filme

The Walk 3D (Start: 22.10.2015). In Imax 3D gedreht.
James Bond 007 – Spectre (Start: 5.11.2015)
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Start: 17.12.2015)
Batman vs. Superman (Start: März 2016)
Captain America: Civil War (Start: Mai 2016)
Avengers: Infinity War I und II (Start: 2018/2019) werden komplett im Imax-Format gedreht.

Das Firmenvideo von Imax erläutert die Kerntechnologien des Imax-Laser-Verfahrens und den Weg zur besseren Bild- und Tonqualität:

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30.08.2001 – Imax: The Big Picture
30.10.2015 – SMPTE-Award für Jan Fröhlich von der HdM in Stuttgart

Autor
Peter Dehn

Bildrechte
Cinestar, Imax

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