Editorial, Kommentar: 28.09.2016

Innovation der Alten — Frischzellenkur für die Branche

Die Stimmung in etlichen etablierten Firmen in der Branche ist derzeit durchwachsen: Es knirscht und knarzt noch an manchen Stellen. Beim einen oder anderen passt das Produktangebot nicht so ganz zu den aktuellen Kundenwünschen. Außerdem finden derzeit an sehr vielen Stellen der Branche gleichzeitig tief einschneidende Veränderungen statt — und das mit atemberaubender Geschwindigkeit. Das zusammengenommen, zieht oft schmerzhafte Anpassungsprozesse nach sich, die natürlich auf die Stimmung drücken.

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Firmen wie Arri haben es eindeutig geschafft, neue Ansätze zu verwirklichen.

Wenn es um Innovation geht, oder um »disruptive Technologien«, die das Bestehende obsolet machen können, dann schweift der Blick meist auf Newcomer oder nach außerhalb der Branche. Dieses Schema wollen wir heute mal durchstoßen und eine Lanze brechen für die alteingesessenen Unternehmen der Branche.

Natürlich gibt es jene Firmen, die einfach mehr oder weniger weiter wursteln wie bisher: Kodak lässt grüßen. Die Mehrheit der Firmen hat hingegen schon längst begonnen, sich umzuorientieren, sich zu erneuern und neu zu erfinden — und legt dabei eine enorme Innovationskraft und Energieleistung an den Tag.

Vergleicht man etwa die aktuellen Produktpaletten der allermeisten Unternehmen unserer Branche mit dem, was sie jeweils vor zehn Jahren im Angebot hatten, dann erkennt man: Es liegen Welten dazwischen. Die meisten Unternehmen haben es eindeutig geschafft, neue Ansätze zu verwirklichen und sich zu adaptieren: sie haben sich auf der technologischen Seite grundlegend erneuert.

Bei vielen davon ist das nicht freiwillig geschehen, sondern es bedurfte definitiv der »jungen Wilden«, um diese Entwicklung in Gang zu bringen. Ein konkretes Beispiel: Ohne Red, GoPro und Blackmagic hätten Sony, Panasonic und Arri heute sicher nicht die Kameras im Angebot, die sie im Angebot haben. Aber sie haben es geschafft, sich zu verändern und zu erneuern — in einem wirklich sehr beeindruckenden Maß. Und das ist nur ein Beispiel, ein Branchensegment von vielen, für die das zutrifft.

Wenn sich auch die Automobilbranche ähnlich schnell gewandelt hätte wie unsere, dann müssten wir längst alle fliegende Elektroautos in der Garage haben. Hätte diese viel größere, reichere Branche einen solch heftigen Wandel gepackt? Manche glauben, er stehe hier in naher Zukunft mit neuen Herstellern unmittelbar bevor. Wenn selbstfahrende Autos und Elektrofahrzeuge Realität werden, dann werden wir schlauer sein.

Unsere Branche und in ihr die etablierten Marktteilnehmer, können also schon auch ein bisschen stolz sein auf das, was bisher geschafft wurde: auf den Erfindergeist, auf die Innovationskraft, auf die Wandlungsfähigkeit.

Natürlich ist der Wandel keineswegs vorbei. Er wird sich sogar fortsetzen und möglicherweise auch noch weitere Opfer fordern. Es heißt also: Bloß nicht nachlassen und sich von den Untergangstrompetern weder einschüchtern, noch ins Bockshorn jagen lassen. Ein gutes Stück des steinigen Weges liegt jedenfalls schon hinter uns.

 

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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