Artificial Intelligence, Editorial, Kommentar: 01.03.2018

Künstliche Intelligenz

Wenn man nach einer griffigen Definition dessen sucht, was denn künstliche Intelligenz überhaupt ist, dann merkt man schnell, dass es hier viele abweichende Auffassungen und eine gewisse Unschärfe gibt.

Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen?

Viele Fachworte geistern in dieser Diskussion herum: Künstliche Intelligenz (auch KI oder AI genannt), lernfähige Algorithmen, kognitive Funktionalität, Machine Learning und Deep Learning. Unterschieden wird dabei unter anderem, ob es darum geht, menschenähnliche Intelligenz nachzubilden oder »nur« Intelligenz vorzuspiegeln und menschliches Verhalten zu simulieren (im P.S. finden Sie die Definition von KI, der wir folgen).

Das klingt alles ziemlich abstrakt und theoretisch, ist Ihnen aber in der praktischen Umsetzung möglicherweise schon wesentlich näher auf die Pelle gerückt, als sie vielleicht glauben. So liegen etwa das automatisierte Loggen und auch die vollautomatische Untertitelung von Videos keineswegs mehr in der Zukunft, sondern sind heute schon verfügbar — mit teilweise absolut beeindruckenden Ergebnissen.

Damit wird es aber in unserer Branche bei weitem nicht enden: In der Computeranimation und in der Postproduction werden mittlerweile immer öfter Bilder unter Mitwirkung von KI-Systemen erzeugt oder verändert. Bei der NAB2018 wird es zumindest Ausblicke auf Systeme geben, die automatisiert Schnittaufgaben erledigen. Systeme etwa, die automatisiert Highlight-Zusammenschnitte erzeugen und die in Echtzeit auf intelligente Weise Bildausschnitte erzeugen, um sie parallel auf verschieden Kanälen und Endgeräten jeweils im passenden Bildformat und der richtigen Größe verwerten zu können.

Und auch das ist natürlich keineswegs das Ende der Fahnenstange: Es gibt verschiedene Ansätze, um sogar komplette TV-Übertragungen von Sportereignissen vollkommen automatisiert zu realisieren.

Natürlich kann einem diese Vorstellung auch Angst machen. Angst um den Arbeitsplatz etwa. Oder wenn man ein Stück über den Tellerrand unserer Branche blickt, Angst vor dem Einsatz von KI in Bereichen, wo es letztlich um Leben und Tod geht, etwa in der Waffentechnik.

Hoffnung und Chancen auf der einen Seite, Skepsis und Angst auf der anderen Seite: Auch an KI — so viel scheint sicher — werden sich die Geister scheiden. Deshalb spenden wir Ihnen zum Ende dieses Textes gern noch ein bisschen billigen Trost, der sich allerdings auch ins Gegenteil verkehren könnte: Viel mehr als die KI, sollte man sicherlich die Abwesenheit von menschlicher Intelligenz fürchten.
 
Sie werden sehen.

P.S.: Wir meinen mit KI alle zumindest bedingt lernfähigen Systeme, die eigenständig an der Lösung von Aufgaben oder Problemen arbeiten können und dabei zumindest teilautonome Entscheidungen treffen und/oder komplexe Prozesse automatisieren.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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