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NAB2018: KI, übernehmen Sie!

»Heute wird so viel Video-Content produziert wie nie zuvor« — diesen auch von film-tv-video.de gern postulierten Satz kann man auch während der NABShow sehr oft hören. Und Belege dafür gibt es an vielen Stellen gleich noch mit dazu: Messebesucher, die auf ihre Handys blicken, News lesen, Videos ansehen oder Podcasts hören.
KI, übernehmen Sie!

Video produziert Video produziert Video.

Bewegbild wird bei der NAB in Massen konsumiert   — und das auf einer Messe, bei der ohnehin schon überall die Bilder zappeln. 

Angesichts der Menge an Inhalten, die dafür bereitgestellt werden muss, kann es kaum verwundern, dass in der Branche an vielen Stellen Technologien aus den Feldern Machine Learning und künstliche Intelligenz Einzug halten. Noch packen die Anbieter das Thema gern in Watte und weisen darauf hin, dass man den Content-Produzenten dadurch viel stupide, unkreative, sich wiederholende Arbeit abnehmen könne.

Und so pimpen heutzutage immer öfter lernfähige Algorithmen die Produktionssysteme, kognitive Funktionalität erweitert Software-Lösungen und per Machine Learning und Deep Learning werden Dinge automatisiert, die bisher von Menschen erledigt werden.

An vielen Stellen ist das nützlich und hilfreich: aufwändige Jobs, die einem bestimmten Muster folgen, lassen sich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz mittlerweile vergleichsweise gut automatisieren. Ein Beispiel dafür ist das Loggen von Inhalten. Auch in der Spracherkennung macht die Technologie teilweise beindruckende Fortschritte, was sich segensreich auf die Untertitelung auswirkt.

Erst mal Machine Learning – und dann automatische Content Produktion. Interesse dafür ist jedenfalls da. 

Aber es geht noch mehr: So gibt es schon jetzt etliche Ansätze, um die Sportproduktion in den unteren Ligen zu automatisieren: mit Remote-Kameras, die ein Spiel auf dem Feld mitverfolgen und dessen Bilder per Software automatisch verwerten, schneiden und auf eine Online-Plattform streamen. In Deutschland hat Sporttotal.tv die Software von Pixelot für diesen Zweck adaptiert.

Angesichts solcher Anwendungen muss man nicht übermäßig fantasievoll sein, um zu interpolieren, dass KI in weiteren Evolutionsstufen auch deutlich anspruchsvollere Jobs übernehmen kann: beispielsweise auch in der Bildregie bei aufwändigeren Produktionen — auch wenn das für manche (noch) ketzerisch klingen mag.

Wenn die Hersteller ihre KI-Systeme präsentieren, betonen sie nicht zuletzt deshalb stets, dass ihre Lösungen eben keineswegs bestehende Jobs ersetzen. Vielmehr übernehme KI mehr oder weniger stumpfsinnige Jobs, sodass endlich dem Operator mehr Zeit bleibe für die wirklich kreative Arbeit. Ein weiteres Argument der Hersteller: Dank solcher KI-Systeme würden auch Produktionen finanzierbar, die es mit den üblichen Systemen und Budgets gar nicht geben könne.

Aber machen wir uns nichts vor: Wenn sich bei einer Produktion der eine oder andere Job künftig von Software statt von einem relativ teuren Operator erledigen lässt, dann wird das früher oder später auch genau so passieren. Und der Operator hat dann tatsächlich mehr Zeit, kreativ zu werden: bei der Suche nach einem neuen Job.
 
Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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