Kurznachrichten: 26.09.2019

News: Kurz und knackig – KW 39/2019

Helena hängt Brad und Leo im Kino ab. Wird der Verkauf von Infrastruktur ein Trend? Radioverbreitung geht mit DAB am günstigsten, so eine UK-Studie. Die ARD Audiothek und Funk funktionieren. Neue EU-Studien gibt es zur TV-Produktion und zu den Kinofenstern. Und jede Menge Personalia …

Unternehmen

Am 18. und 19. September wurde beim BR, NDR, WDR und SWR gestreikt. Verdi unterstrich nach vorherigen getrennten Aktionen geballt die Forderung nach Gehaltsverbesserungen von 3,2 Prozent. Die Anstalten: Das ist nur durch Einschnitte bei Personal und Programm machbar.
Der Ymagis-Konzern will seine insolvente Tochter für DCP-Transfers und Postproduktion Eclair Cinema an den Frankreich-Ableger des italienischen Filmrestaurierers L’Immagine Ritrovata verkaufen.
Nach anderen plant auch die Deutschland-Tochter den Verkauf eines Teils ihrer Mobilfunkmasten an Telxius, die Infrastruktur-Tochter der spanischen Konzernmutter. Das Unternehmen will so seine »finanzielle Flexibilität« steigern; sprich: die Kriegskasse füllen.
Der Sat-Betreiber vereinbarte die Entwicklung eines Broadcast-basierten Cloud-Dienstes auf Basis von Microsofts Azure-Plattform. Laut SES sind bis 2023 31% aller Fernseher connected.

Broadcast, Streaming

Der TV-Dienst geht am 1. November in 100 Staaten mit einer Kampfansage an den Start: Der Basispreis liegt bei 4,99 Euro im Monat; bis zu sechs Personen können den Account nutzen. Beim Kauf von Apple-Geräten gibt es ein Gratis-Jahr.
Zehn Jahre nach dem Verkauf von N24 an den Springer-Verlag spielt ProSiebenSat1 wieder mit einem Nachrichten-TV für Deutschland. Das bestätigte Konzernchef Max Conze im österreichischen Newssender Puls24, der als Vorbild dienen könne.
Der ARD-Newskanal hat seine Instagram-Accounts seit Jahresbeginn auf eine Mio. Accounts fast verdoppelt. Der Tagesschau folgen auf Twitter 2,5 Mio., auf Facebook 1,6 Mio. User. Bei YouTube hat sich die Userzahl seit Anfang 2019 auf 280.000 mehr als verdoppelt.
Der MDR schickt die fünfte Mediathek eines ARD-Dritten ins gemeinsame Online-Angebot. Die Plattform umfasst nun knapp 100.000 Videos und 18 TV-Livestreams. Neu vom MDR sind »Originale 89« – unbearbeitete Dokumente aus der Wendezeit.
In Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern wurde Mitte September eine Razzia gegen illegale Streamer von Inhalten des Pay-TV durchgeführt. Allein in Italien seien fünf Mio. Nutzer betroffen. Die TV-Piraten sollen bis zu zwei Mio. Euro umsetzen.

Radio, Audio

DAB-Digitalradio (0,0004 Euro) ist im Vergleich mit UKW (0,0012 Euro) und Webradio (0,0005 Euro) der günstigste Ausspielweg des Hörfunks. Das ermittelte eine Musterberechnung des Netzbetreibers zu Kosten je Hörer und Stunde am Beispiel Londons.
Neu für DAB+ sind der luftgekühlte Mittelleistungssender TMV9evo und der wassergekühlte Hochleistungssender THV9evo mit 350W bzw. 1,3kW Abstrahlleistung.
Die ARD meldet mehr als 41 Mio. Abrufe von Podcasts aus ihrer Audiothek seit dem Start am 8.11.2017. Allein im Mai/Juni »konnte die ARD Audiothek ihre Nutzung über 80 Prozent steigern«. Die App wurde 900.000mal heruntergeladen.

Standards

SevenOne Media testet für ProSiebenSat1 den Transfer von Bumper Ads vom Web ins Fernsehen. Bis Anfang Oktober 2019 laufen Spots von Vodafone in allen TV-Kanälen des Konzerns, die mit der adressierbaren Werbefunktion gekoppelt sind.
Der für Netzwerke mit vielen Nutzern (z.B. Flughäfen, Stadien, Industrieparks) gedachte neue Standard setzt auf IEEE 802.11ax und unterstützt 5G-Dienste. Funktionen wie Kanalteilung mit OFDMA und parallele Downlinks mit Multiuser Multiple Input Multiple Output (MU-MIMO) sollen die Kapazität der Funkzellen steigern.

Kino, Film, Festivals

Leg dich nicht mit Helena an: Die Berlinale-Überraschung und deutscher Oscar-Vertreter »Systemsprenger« eroberte am Startwochenende nach dem Kopienschnitt Platz 1 – vor »Downtown Abbey« und »Once Upon A Time in … Hollywood« mit Pitt und DiCaprio.
Das »Kinofenster« zwischen Kinostart und Videoverwertung ist mit 20,5 Wochen in Deutschland am Längsten und in England mit 17,5 Wochen kurz – aber länger als in den USA (12,3 Wochen). Eine eindeutige Wirkung des Kinoerfolges auf die weitere Verwertung sei nicht erkennbar. Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle untersuchte knapp 1.800 Produktionen in fünf EU-Staaten zwischen 2014 und 2018.

Studien, Statistiken

Das ARD/ZDF-Jugendangebot verzeichnete 2018 auf YouTube eine Mrd. Views. Allein die Serie »Druck« hatte seit März 2018 mehr als 70 Mio. Views. Drei Jahre nach dem Start ist Funk bei 73% der Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren bekannt. Unter den rund 70 Formaten wachsen Kanäle der Kategorien Information und Orientierung besonders gut.
Die EU28 produzierten 2017 rund 12.000 Stunden TV-Filme und Serien – 960 Titel. Beides macht laut einer EU-Studie 50% der gesendeten Titel, 44% der Folgen bzw. 45% der Dauer aus. EU28-Titel stellen nach Anzahl 25% des Angebots von SVoD- und 40% von TVoD-Diensten. Von 436 High-End-Serien waren 235 neue Projekte.
Der 13. Foma-Trendmonitor des Digitalbranchen-Verbandes BDVW sieht Addressable TV binnen Jahresfrist um 20%, Digital Audio um 21% wachsen. Dazu tragen vor allem der Absatz von Smart Speakern und die Nutzung von Sprachassistenten bei. Die damit verbundenen Werbemöglichkeiten würden noch nicht ausgeschöpft.

Personalia

Ein Gespräch von Geschäftsführer Hans Joachim Mendig mit Vertretern der AfD-Bundesspitze hatte eine öffentliche Distanzierung der Belegschaft und Proteste der Filmverbände des Landes sowie der Deutschen Filmakademie ausgelöst. Der Aufsichtsrat hat daraufhin »einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Hans Joachim Mendig zu beenden«. Dies nach einer Außerordentlichen Sitzung, »um über die Ankündigung vieler Filmschaffender, nicht mehr mit der HessenFilm zusammenarbeiten zu wollen, die Rücktritte von Jury-Mitgliedern und einen möglichen Imageschaden für das Land und die HessenFilm zu sprechen«, teilte AR-Chefin und Kultusministerin Dorn mit.
Die Sparte MagentaTV leitet ab November Michael Schuld, bisher für Kommunikation und das Vertriebsmanagement der TV-Produkte verantwortlich. Jean Roux, von Tele Columbus kommend, übernimmt die neue Abteilung Wohnungswirtschaft und Breitbandausbau Geschäftskunden.
Von Constantin Film wechselt Sasha Bühler ab Dezember als Director of Original Film für die Produktionen aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien zu dem Streamer.
Der Serienbereich heißt nun »Berlinale Series Market«. Die Leitung hat Julia Fidel, die zuvor u.a. an der Auswahl für Panorama und Generation mitwirkte. Das öffentliche Programm kuratiert Berlinale Co-Chef Carlo Chatrian. Am Fachbesucher-Angebot arbeiten Katharina Böndel und Anna-Katharina Brehm.
Eine Auswahlkommission schlug Christoph Terhechte, den langjährigen Leiter des Berlinale-Forums, ab 2020 als Intendant und Geschäftsführer der Leipziger Dokwoche vor. Er würde Leena Pasanen nach Ablauf ihres Fünfjahresvertrages folgen, wenn die Ratsversammlung dem Vorschlag folgt.
Ab dem 1. Oktober avanciert Marcus Bornheim vom Zweiten zum Ersten Chefredakteur als Leiter von ARD Aktuell. Er folgt Kai Gniffke, der als Intendant zum SWR wechselte. Zum Zweiten Chefredakteur wurde Helge Fuhst, zur Chefredakteurin Digitales Juliane Leopold berufen.
Turnusgemäß übernimmt der WDR ab 2020 den ARD-Vorsitz. Damit folgt WDR-Intendant Tom Buhrow auf seinen Amtskollegen Ulrich Wilhelm vom BR, der die Stellvertretung übernimmt.
Vorsitzender Wolf fordert in einem Brief vom Landtag eine Regelung zu Karenzzeiten und Befangenheiten für den Rundfunkrat. Hintergrund ist die Berufung des im Privatfunk engagierten Helmut Markwort durch den Landtag für die FDP. Wolf wäre selbst betroffen: Er wurde von der Katholischen Kirche entsandt, die zahlreiche Radiobeteiligungen unterhält.
Zu Stellvertretern von Chefredakteurin Tanit Koch in der neuen Zentralredaktion wurden Juliane Eßling und Wolf-Ulrich Schüler ernannt. Das neue Strategieressort leitet Julia Reuter. Die neue Funktion des Chief Data and Analytics Officers übernimmt die von der GroupM kommende Karin Immenroth am 1. Oktober.
Nach heftigen Dissonanzen mit der SLM-Versammlung gibt Michael Sagurna die Präsidentschaft des Entscheidergremiums Medienrat nach halber Amtszeit auf. Ihm folgt der Journalist und Jurist Markus Heinker. Nach der Entlassung von Martin Deitenbeck ist die Direktorenstelle weiter vakant.
Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt verlässt Direktor Uwe Conradt nach nur rund drei Jahren die Saar-Medienanstalt LMS.

Bildrechte
SWR/Thorsten Hein.

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