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Medientage München: Digitale Souveränität dominiert die Eröffnung
Die Medientage München feiern 2026 ihr 40-jähriges Bestehen. Was als Veranstaltung begann, bei der sich die Schwergewichte der Medienwelt ordentlich die Meinung geigten, hat sich über die Jahre zu einem wichtigen Kongress entwickelt, der etliche Entwicklungswellen begleitet hat. Auch sich selbst mussten und müssen die Medientage immer wieder neu erfinden.
Moderatorin Eva Schulz eröffnete den Kongress und übersetzte das Jahresmotto »Own it« mit »Übernimm Verantwortung«. Es sei ein Ausrufezeichen hinter der Forderung nach digitaler Souveränität und technologischer Unabhängigkeit.
BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege machte »Own it« zum Auftrag an Branche, Politik und Medienaufsicht: »Digitale Souveränität bekommen wir nicht geschenkt.« Die Branche müsse KI nutzen, dürfe dabei aber die Kontrolle über die eigenen Prozesse nicht abgeben. Mit Blick auf den geplanten digitalen Medienstaatsvertrag nannte er Vielfalt, Plattformverantwortung und faire Wettbewerbsbedingungen für journalistische Medien als zentrale Fragen.
Für digitale Souveränität kämpfen – Dr. Thorsten Schmiege
Söder: Europa muss schneller werden
Markus Söder blickte auf die Anfänge der Medientage zurück, als Privatfernsehen und öffentlich-rechtlicher Rundfunk die Debatten bestimmten. Heute sitzen alle im selben Boot: klassische Medien, internationale Streamingdienste und KI. Die Medienregulierung hinke hinterher. Das deutsche Medienrecht orientiere sich an Realitäten, die es eigentlich nicht mehr gebe, so Söder. Er forderte europäische Lösungen für Zugänge, Vergütung und Inhalte. Gegenüber Desinformation im Netz sagte er: »Wir dürfen uns das nicht einfach so kampflos gefallen lassen.« Zudem verlangte er einen höheren Stellenwert für den Schutz geistigen Eigentums.
Geistiges Eigentum besser schützen – Dr. Markus Söder
Zimmermann: KI-Entwicklung ist nicht alternativlos
In ihrer Keynote kritisierte die politische Philosophin Annette Zimmermann, die gerade das Buch »Democratizing AI« veröffentlicht hat, die Konzentration von Geld, Entscheidungsmacht und Informationen bei wenigen, überwiegend US-amerikanischen Tech-Konzernen. Das sei ein demokratisches Legitimationsproblem. Sie warnte vor dem Narrativ, KI sei zu komplex für demokratische Kontrolle, und vor der Alternativlosigkeit, die die KI-Industrie suggeriere. Marktkonzentration sei außerdem ein Risiko, weil sie einen »Single Point of Failure« schaffe. Medien sollten die politischen Einflussversuche der KI-Firmen transparenter machen.
Politischen Einfluss von KI-Firmen transparent machen – Annette Zimmermann
Giordani: Medienunternehmen, keine Plattform
Marco Giordani, CEO von ProSiebenSat.1, sprach ein Jahr nach dem Umbau des Vorstands von einem klaren Fokus auf Medien. Im ersten Quartal 2027 soll die Streamingplattform in allen fünf Ländern, in denen das Unternehmen aktiv ist, dieselbe sein. Er kritisierte, dass die Algorithmen der Plattformen intransparent seien. Auf Regulierung wolle er nicht warten: Die Branche müsse selbst Lösungen finden, denn Regeln kämen immer (zu) spät.
Nicht warten, sondern Lösungen finden – Marco Giordani
Panel: Abwehrkampf und Kooperation zugleich
Im abschließenden Panel ging es um die Frage, wie souverän Medienmarken gegenüber Big Tech sein können. Jochen Wegner/Die Zeit sagte, dass Google bei der Zeit rund 25 Prozent des Traffics liefere. Zugleich komme von TikTok sehr viel Reichweite, mehr als drei Millionen Nutzer seien darüber auf die Zeit-Angebote gelangt. Beim Umgang mit KI-Anbietern setzt er auf beides: Man müsse sie wegen des Datenklaus verklagen, aber auch Ideen entwickeln, was mit den neuen Möglichkeiten alles machbar sei. Die Zeit hat mit Google einen Pilotversuch laufen, bei dem Gemini gegen Gebühr auf eine kleine Auswahl von Texten zugreifen darf. Wegner rechnet damit, dass es in etwa einem Jahr eine Art API-Abo geben wird, mit dem sich KI-Tools legal an Medienarchive anbinden lassen. Als Kern des Journalismus nannte er den »Journalismus von Menschen für Menschen«.
KI-Firmen verklagen. Jochen Wegner, Die Zeit
BR-Intendantin Katja Wildermuth betonte: Wer Inhalte habe, die die Plattformen nicht hätten, könne die Bedingungen mitdiktieren. Die ARD hat mit BR24 und Tagesschau einen eigenen KI-News-Assistenten gestartet, der auf geprüften Informationen beruht. Das AI for Media Network sei in zwei Jahren von 80 auf rund 1.000 Mitglieder gewachsen. Ihr Fazit: »Wir überleben als Journalisten gemeinsam, nicht getrennt.«
Medienforscherin Alexandra Borchardt plädierte für Vielfalt als Resilienzfaktor. Eine aktuelle Studie habe 21 europäische Medien-Startups gefunden, die profitabel arbeiten und ihr Publikum »besitzen«. Die Lizenzdeals mit KI-Firmen nützten vor allem großen Häusern, lokale und regionale Medien gingen leer aus. Sie empfahl Redaktionen, ihre direkte Publikumsbeziehung zurückzuerobern.
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