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Von Fußball bis Nürburgring: Sportproduktion will näher ran
Sky und RTL: Content vor Verbreitungsweg
Stephan Schmitter, CEO von RTL Deutschland, sprach mit Alessandro Reitano, Senior Vice President Sports Production, darüber, wie Sky und RTL zusammenwachsen und wie sich Kultur und Technik beider Häuser vereinen lassen. Schmitter sieht großes Potenzial für das neue Medienhaus. Im Zentrum stehen Kreativität und vor allem Content. Die klassische Trennung nach Verbreitungswegen hält er für überholt: Entscheidend sei, dass der Content ankomme, der Verbreitungsweg sei sekundär.
Wie viele Ü-Wagen hat Broadcast Solutions schon gebaut?Eindrucksvolle Antwort: 843 Stück. Das war nicht die einzige interessante Information, die Jens Fischer von Session-Sponsor Broadcast Solutions zu berichten hatte. Das Unternehmen aus Bingen am Rhein hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Anbieter entwickelt, der in ganz unterschiedlichen Bereichen der (Sport-)Produktion tätig ist, softwaredefinierte Produktionszentren baut, VAR-Systeme installiert, Konzerttourneen begleitet, Spezialkameras anbietet und vieles mehr. |
Bundesliga: Mehr Nähe, aber dosiert
Im Gespräch mit Steffen Merkel, CEO der Bundesliga (ehemals DFL), formulierte Schmitter einen klaren Anspruch: Er will mit Sky/RTL zum wichtigsten Sportproduzenten werden, auch in der nächsten Rechteperiode. Seine zentrale Forderung an die Liga lautet mehr Nähe zu Spielern und Trainern.
Vorbild ist die NFL, wo Interviews sogar in der Kabine möglich sind, wie Alexander Rösner in einem späteren Panel erläuterte. Im deutschen Fußball ist das undenkbar, auch weil die Vereine (noch) nicht mitziehen. Doch in einer Welt, in der jeder Athlet selbst zum Broadcaster geworden ist, brauchen auch die Sender Zugang zu solchen Inhalten, findet Alessandro Reitano. Einen festen Mechanismus dafür wird es laut Merkel nicht geben können. Denkbar sind aber Modelle, bei denen Social-Media-Inhalte von Sportlern auch TV-Sendern zur Verfügung stehen.
Auch Gamification bleibt ein Dauerthema. Schmitter findet aber, dass das Grunderlebnis Fußball nicht mit zu viel Gamification überlagert werden sollte.
Audience first, product first, performance first. – Für Alessandro Reitano sind das zentrale Eckpfeiler der modernen Medienwelt.
Sportcast: Qualität, Daten und KI als Werkzeug
Alexander Günther, Managing Director von Sportcast, setzt auf Qualitätsmanagement und vernetzte Daten. Sportcast hat früh ein Qualitäts- und Evaluierungsprogramm etabliert, an dem sich auch Dienstleister und Hersteller orientieren. Entscheidend sind Top-Qualität bei Audio, Video und Daten.
KI sieht Günther als »nur ein Werkzeug«, das heute als Booster wirkt.
Immersiver SoundRenato Pellegrini, Head of Pro Labs bei Sennheiser, ging in seiner Case Study darauf ein, wie wichtig der Ton für eine Sportproduktion ist. »Audio enlarges the picture«, so Pellegrini, der insbesondere auch immersive 3D Tonproduktion in der Sportproduktion ins Zentrum seines Vortrags rückte. |
WM-Panel: Produktionsmarathon mit 104 Spielen
Die Fußball-WM 2026 war die größte aller Zeiten, und die Produktion hat das gespürt. Vertreter von thinXpool, ARD SportHub, DMC Production Germany und Ross Video zogen Bilanz. Ihr Fazit: Das Team erreichte das Limit, die Motivation blieb hoch.
»104 Spiele waren ein Brett«, sagt Alexander Dechant, Geschäftsführer von thinXpool. Sein Unternehmen wurde für die WM-Produktion für MagentaTV bereits mehrfach ausgezeichnet. Besonders fordernd war die Zeitverschiebung mit langen Nächten bei den Spielen in den USA. Technisch war die Remote-Produktion ein Schlüssel zur Lösung.
Alessandro Reitano fragte, ob der World Feed besser oder anders werden müsse. »Weniger ist manchmal mehr«, meinte Dechant. Boris Inanici wünscht sich mehr Skalierungsmöglichkeiten bei der Technik. Für die Com-Cam, die Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger in Szene setzen sollte, hätte sich sein Team mehr Auswahl und bessere Technik gewünscht. Aber auch inhaltlich wünscht er sich Veränderungen, insbesondere bei der Fifa: »Ich will den Fußball wieder mehr fühlen.«
»Interstellar« für BroadcastEinen Blick über den Tellerrand gewährte Martin Born von der European Space Agency. Orion ist das zentrale bemannte Raumfahrzeug im NASA-Programm Artemis, das Menschen zurück zum Mond und später zum Mars bringen soll. Es besteht aus der US-amerikanischen Crew-Kapsel und dem Europäischen Servicemodul (ESM). Airbus in Bremen hat das ESM maßgeblich für die ESA entwickelt. Es liefert Antrieb, Strom und Lebenserhaltung. Wie entscheidend Ausfallsicherheit sowie das konsequente Testen und Auswerten auftretender Fehler bei einem solchen Projekt sind, erläuterte Martin Born von der ESA. Damit schlug er die Brücke zur Broadcastwelt. Wie nahe der Science-Fiction-Film »Interstellar« an der Realität ist, ließ er allerdings offen … |
Beyond Football: Nähe in anderen Sportarten
Stefan Weidner von Session-Sponsor BCE ging vor Beginn des Panels »Beyond Football« kurz darauf ein, dass BCE einen 3-Jahres-Vertrag mit der FIBA zur Aufzeichnung und Archivierung von über 1600 Live-Spielen abgeschlossen hat. Das zeigt, wie wichtig Multi-Cloud-Architekturen auch im Sport werden.
Im Panel ging es darum, wie Sportarten jenseits von Fußball produzieren und Reichweite generieren. Während in der Bundesliga jeder Zentimeter Nähe hart erkämpft werden muss, sind andere Sportarten offener. Robert Kis, CEO von TV Skyline, berichtete vom 24h-Rennen am Nürburgring: Dort entscheidet Nähe über den Produkterfolg. Erzählt wird nicht nur das Rennen, sondern auch die Geschichten drumherum: von Fans, Rennställen, Fahrern und Mechanikern. Nicht nur die Onboard-Kameras erzielen dabei enorme Zugriffszahlen – es gibt kaum ein Thema, für das sich Rennbegeisterte nicht interessieren.
Auch für Rene Alles ist es bei der Produktion von Reitwettbewerben essenziell, nahe dran zu sein. Der Zugang gelingt, weil die Reiter mitziehen, sagt er: »Anders würde es auch nicht funktionieren.«
Bei der NFL-Berichterstattung schöpft Alexander Rösner in puncto Nähe aus dem Vollen. Sogar Coach-Interviews bei laufendem Spiel haben schon stattgefunden (auf dem Pitch), Interviews in der Kabine sind ebenfalls möglich.
Grass Valley AMPP bei RTL NewsAMPP ist eine cloudbasierte Software-Plattform für Live- und Postproduktion. Das Unternehmen hat sie 2020 vorgestellt und seither zum Kern seiner Strategie gemacht. Tim Broenstrup, RTL News, Head of Technical Operations, erläuterte, wie RTL News mit AMPP die Bundesligaproduktion erneuert hat und nun bis zu sechs Spiele parallel produziert. Flexibilität betrachtet er als größten Vorteil der softwaredefinierten Produktion, wenngleich einige Herausforderungen zu bewältigen waren, etwa das Release Management oder auch Timing und Planung. |
Mehr Content – und besserer Content
Die Zeiten der großen Kameraschlachten scheinen vorbei zu sein. Natürlich gibt es sie noch, die Produktionen die nicht ohne auskommen, und je kleiner die Kameras, desto ungewöhnlichere, neue Perspektiven werden auch möglich. Jede Kamera, die eingesetzt wird, muss auch Sinn ergeben, so der Tenor. Es gehe um mehr als um Technik. Letztere ist und bleibt also Mittel zum Zweck. Und das sollte auch bei KI so sein, finden viele der Panel-Teilnehmer.
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