Display, Sonstiges, Test, Top-Story: 16.12.2003

Breitbild am PC

Bei Editing- und anderen Bildbearbeitungs-Applikationen reicht der Platz auf dem Schirm oft nicht aus, um komfortabel arbeiten zu können. Dual-Monitor-Systeme sind aber auch nicht wirklich praktisch, weil sie viel Platz weg nehmen und die Arbeitsfläche durch das Bildschirmgehäuse unterbrochen ist. Eine Alternative stellen 16:10-Flachdisplays dar, die mehr Fläche und höhere Auflösungen bieten.

Das menschliche Blickfeld ist deutlich breiter als hoch, annähernd quadratische Bildschirme entsprechen dieser Ausprägung nicht und nutzen nur einen Teil des Sichtfelds. Nicht nur im Kino, sondern mit 16:9-Bildschirmen auch im TV-Bereich, weiten sich die Schirme, nähern sich mit ergonomischeren Abmessungen den menschlichen Bedürfnissen an. Die Mehrzahl der Computeranwender muss sich aber immer noch mit fast quadratischen Displays abmühen, oder sich mit Doppelmonitorsystemen behelfen, wenn mehr Arbeitsplatz auf dem Schirm benötigt wird, als etwa beim Arbeiten mit einem Schreibprogramm. Editing oder Bildbearbeitung am PC laufen einfach ergonomischer und besser ab, wenn man mehr Paletten, Ordner und eine extragroße Timeline darstellen kann.

Bei Dual-Monitor-Lösungen stört nicht nur der größere Platzbedarf, sondern auch der schwarze Balken zwischen den beiden Bildschirmen. Zudem driften die Monitore in vielen Fällen im Lauf der Zeit in der Farbwiedergabe auseinander, zumindest höherer Kalibrierungsaufwand ist die Folge. Mit Flachbildschirmen im extrabreiten 16:10-Format ist eine bessere, schönere Lösung verfügbar, die ausreichend Platz für die Darstellung von zwei Din-A4-Seiten nebeneinander bietet.

Noch sind die breiten Displays teuer, laufen in Fernost nicht in Millionenstückzahlen vom Band: Bei rund 3.000 Euro beginnt die Preisskala für einen Flachbildschirm mit 23 Zoll Bilddiagonale. Apple, bisher nicht für Schnäppchenpreise bekannt, schert aus: Die beiden Topmodelle der Cinema-Display-Serie mit einer Bilddiagonalen von 20 Zoll (Auflösung: 1.680 x 1.050 Pixel) und 23 Zoll (Auflösung: 1.920 x 1.200 Pixel) kosten inklusive Mehrwertsteuer laut Liste 1.506 Euro beziehungsweise 2.318 Euro. Das ist zwar immer noch relativ viel Geld für ein Computer-Display, verglichen mit den Preisen der Konkurrenz oder den Kosten für ein adäquates Doppelmonitorsystem aber vertretbar.

Formschön aus transparentem Kunststoff gestaltet, taugen die beiden Apple-Schirme nicht nur als Arbeitsgerät, sondern auch als Statussymbol und Designobjekt. Doch die schönen Apple-Displays sind nicht ohne Allüren, sie stellen hohe Ansprüche an die Computer-Umgebung. Ein moderner Mac-Rechner mit ADC-Ausgang (Apple Display Connector) an der Grafikkarte ist laut Apple Grundvoraussetzung, um die Flachmänner anschließen zu können. Das 20-Zoll-Display verlangt gar mindestens nach MacOS 10.2, sonst gelingt die Einstellung der Bildparameter per Software nicht.

Die Verbindung zwischen Rechner und Bildschirm birgt schon seit geraumer Zeit Problempotenzial. Es ist ja noch gar nicht so lange her, da versorgte allein die analoge VGA-Strippe den PC-Monitor mit Bildinformationen. Mit Aufkommen der Flachbildschirme stellte sich die Frage nach einem neuen Übertragungsweg, schließlich arbeiten die TFT-Displays digital. Da wäre es unsinnig und der Bildqualität abträglich, die analogen Signale aus dem D/A-Wandler der Grafikkarte zu nehmen, nur um sie im Bildschirm wieder ins digitale Format zu wandeln. Nach einigen Formatstreitigkeiten hat sich die DVI-Schnittstelle (Digital Visual Interface) als digitale Variante der Bildsignalübertragung zum Monitor im PC-Bereich durchgesetzt. Der im Juli 2000 eingeführte ADC-Bus ist wiederum Apples eigene Interpretation dieser Verbindung. Erweitert um einen USB-Strang sowie um die Stromversorgung, reduziert die ADC-Verbindung den Kabelsalat am Display auf ein Minimum, allerdings auch die Kompatibilität zur Computerwelt jenseits des Macs.

An dieser Stelle kommt der Peripheriespezialist Dr. Bott mit dem DVI-ADC-Adapter DVIator ins Spiel. Mit seiner Hilfe knüpfen sowohl ältere Apple-Rechner wie auch Windows-PCs Kontakt zu den großen Displays. 99 Euro Listen-Endpreis kostet der DVIator, der aus zwei Komponenten besteht: Einem Adapterkabel, das den ADC-Bus in seine drei Bestandteile DVI, USB und die Spannungsversorgung auftrennt, und einem Originalnetzteil von Apple, mit dem sich das Display unter die passende Spannung setzen lässt.

Im Test kam die Kombination aus DVIator und den beiden Cinema-Displays an verschiedenen Non-Apple-PC-Schnittsystemen zum Einsatz. Das Ergebnis kann überzeugen, aber nur wenn die Voraussetzungen stimmen. Diese Einschränkung betrifft in erster Linie die Grafikkarte. Das Problem: Der DVI-Standard ist nur bis zu einer Auflösung von 1.600 x 1.200 Pixel standardisiert, obwohl mehr Bildpunkte technisch möglich sind. Grafikkarte und Bildschirm tauschen beim ersten Kontakt DDC-Informationen (Display Data Channel) aus. Die enthalten verschiedene Informationen, etwa darüber, welche Anzeigeformate sie beherrschen. Die Apple-Displays kommunizieren bei dieser Kontaktaufnahme der PC-Grafikkarte eine Auflösung, die diese nicht erkennt, weil sie laut Spezifikation gar nicht existiert: das Display wird nicht korrekt erkannt. Andere Hersteller großer Bildschirme umgehen das Problem, indem sie bei Auflösungen jenseits von 1.600 x 1.200 Pixels nur noch analoge Signale akzeptieren – eigentlich ein unguter Kompromiss.

Gute Ergebnisse brachte das Zusammenspiel des 23-Zoll-Mac-Displays mit der Grafikkarte ATI Radeon 9000 Pro, auch eine nVidia GeForce 4 Ti4600 zeigt das gewünschte Bild auf dem Cinema-Display an. Letztlich hängt die reibungslose Zusammenarbeit aber immer von den Treibern ab.

Theoretisch unterstützt ATI die hohe Auflösung via DVI seit der Radeon 8500, Konkurrent nVidia seit der Modellreihe GeForce 3. Trotzdem kann es immer wieder zu Problemen kommen, einzelne Anwender berichten etwa über eine Inkompatibilität bei der neuesten Version des nVidia-Treibers mit der Auflösung 1.920 x 1.200. In diesem Fall hilft nur das erneute Installieren der alten Version. Das 20-Zoll-Display macht mehr Probleme: Mit der ATI-Grafikkarte erscheint ein Bild erst nach erfolgreichem Ladevorgang des Treibers, also zur Benutzeranmeldung von Windows. Was davor liegt, also Bootbild, Ladevorgang oder der manchmal benötigte, abgesicherte Modus sind somit auf dem 20-Zöller unsichtbar, ein zweiter Monitor ist dafür erforderlich, was die eingangs geschilderten Vorzüge ad absurdum führt. Mit der GeForce-Karte ist das Bild zwar von Anfang an sichtbar, jedoch in einer verzerrten 4:3-Auflösung. Der Treiber kann das Display erst nach manuellen Eingriffen in seine INF-Datei korrekt ansteuern. Wie das geht, verrät ein technisches Datenblatt von nVidia.

Derzeit kursieren aber erste Informationen darüber, dass der Grafikkartenspezialist Sapphire gerade an einem überarbeiteten BIOS für die PC-Karten mit ATI-Chip arbeite. Damit soll dann auch das fehlende Bild vorm Laden des Treibers der Vergangenheit angehören, das bisher die Kompatibilität der Apple-Displays mit Windows-Rechnern in der beschriebenen Weise einschränkt.
Einen Totalausfall gibt es bei Matrox zu vermelden, weder die moderne Parhelia noch die ältere Millenium G550 lieferten ein Bild auf den Cinema-Displays.

Im täglichen Einsatz bewähren sich die Apple-Schirme am PC dann bestens, ein kleiner Haken aber bleibt: Die beiden Tasten für Stromversorgung und Helligkeit haben beim PC-Einsatz keine Wirkung. Beim Netzschalter ist das nicht weiter tragisch, ist der Rechner aus, schläft auch das Display ein. Probleme kann aber die Einstellung der Bildparameter bereiten. Apple setzt hier allein auf Software – und die gibt es vom Hersteller selbst nur für Mac-Rechner. Beim Thema Geometrie ist das nicht weiter schlimm, dank der digitalen Übertragung sitzt das Bild und es gibt keine Verzerrungen. Bildhelligkeit und Kontrast möchte man aber schon hin und wieder mal einstellen, da hilft es auch nichts, dass das Cinema-Display ab Werk kräftige Farben, ein sattes Schwarz und feine Graustufen bietet.

Dem PC-Anwender bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder auf die Optionen seines Grafikkartentreibers zu setzen, oder ein kleines Tool zu installieren, das speziell für diesen Zweck entwickelt wurde.

Variante 1: Die ATI 9000 Pro etwa erlaubt das Einstellen der Helligkeit und aller drei RGB-Farbräume. Probleme entstehen jedoch, wenn farbverbindliche Inhalte auf Ihrem Display entstehen sollen, denn die Einstellung der Farbtemperatur ist nicht möglich. Nur wer die Vorschau auf einem externen Videomonitor betrachtet, den stört das nicht und er kann sich auch am Windows-PC über die große Arbeitsfläche der schicken Apple-Schirme freuen.
Version 2: Mit einem kleinen, kostenlosen Tool von André Beckedorf, von der Firma metaException (www.metaexception.de), kann man auch am PC die Helligkeit des Apple-Displays beeinflussen. Das Programm steuert, wie der Apple-Treiber unter MacOS, direkt die Helligkeit der Leuchstoffröhren im Display. Das ist natürlich besser und komfortabler, als nur die Helligkeit des Bildsignals zu regeln, wie das der Grafikkartentreiber eines PCs tut. Vollständig kompatibel ist das Tool aber zumindest nach ersten Tests nur mit der 23-Zoll-Variante des Apple-Displays: Beim 20-Zöller ist nur die Verringerung der Helligkeit möglich und die lässt sich mit dem Tool selbst nicht rückgängig machen.

WEITERE INFOS
Das Cinema-Display von Apple kann auch genutzt werden, um ohne einen Rechner HD-Video-Signale dar zu stellen. Mehr dazu finden Sie hier.

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Autor
Michael Ludwig
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