Test, Top-Story, Zubehör: 21.07.2008

Körperstützen für Handheld-Camcorder

Eigentlich ein Widerspruch: Eine Stütze für einen Handheld-Camcorder. Aber beim stattlichen Gewicht, das etwa EX1 und HVX200 auf die Waage bringen, stellen Körperstützen den besten Kompromiss aus Flexibilität und Komfort dar: Es geht kaum ohne, wenn man kein »normales« Stativ verwenden kann oder will.

Handheld-Camcorder sind kompakter und verglichen mit Schultercamcordern auch recht leicht. Neuerdings gibt es aber auch unter den Handhelds wieder ziemliche Kaliber: der PDW-EX1 von Sony oder Panasonics AG-HVX200 (Vergleichstest hier) wiegen betriebsbereit jeweils rund 2,8 kg. Das ist für den reinen Handheld-Betrieb zu viel, zittrige Bilder und rasche Ermüdung beim Kameramann sind bei längeren Einsätzen vorprogrammiert.

Oft kommen zum Camcorder noch weitere Zubehörteile hinzu: Mikro, Audio-Empfänger, Aufsteckleuchte, Zoomfernbedienung und vielleicht noch ein ordentliches Kompendium, treiben das Gesamtgewicht schnell über das Maß hinaus, das man seinem Handgelenk für längere Dauer zumuten sollte. Die Drehsituation oder die Gestaltung des Films erfordern aber oft hohe Mobilität und Flexibilität beim Drehen, was eigentlich nur mit einem kompakten Camcorder möglich ist und in vielen Fällen den Einsatz eines klassischen Dreibeinstativs ausschließt.

Viele Kameraleute finden das Drehen mit Schultercamcordern wesentlich angenehmer als mit Handhelds, obwohl der Camcorder selbst dabei meist deutlich mehr wiegt: Die Schulter trägt die Hauptlast und der Kraftaufwand verteilt sich auf die gesamte Rumpfmuskulatur. Da liegt es nahe, auch beim Drehen mit Handhelds das Gewicht von den Armen auf andere Körperteile zu verteilen, den Camcorder also auf die eine oder Weise am Körper abzustützen. Ein weiterer Aspekt dabei: bandlose Camcorder sind meist eher frontlastig, weil dem schweren Objektiv kein schweres Laufwerk am anderen Ende des Camcorders mehr entgegensteht.

Einige Filmkameraleute behelfen sich hier mit Schulterstützen aus dem 16-mm-Filmbereich, wo es schon länger ähnliche Probleme gibt. Doch sind diese Produkte rar und meist sehr teuer. Mittlerweile haben sich aber einige Hersteller dieser Problematik angenommen und bieten Schulterstützen an, deren Ziel es ist, das Hauptgewicht von den Handgelenken und Armen zu nehmen. Damit solche Schulterstützen wirklich einen Sinn ergeben, muss der Schwerpunkt des Gesamtsystems weiter nach hinten verschoben werden und das geht nur durch zusätzliches Gewicht und/oder eine Positionierung des Camcorders näher an der Schulter. Eine alternative Lösung stellen Körper- und Hüftstützen dar, bei denen das Gewicht mittels Stütze und Gürteltasche auf die Hüfte und den unteren Rücken abgeleitet wird.

Sechs solcher Lösungen von vier verschiedenen Herstellern hat film-tv-video im Zusammenspiel mit einem AG-DVX100 und einem PMW-EX1 von Sony getestet. Ziel war es, herauszufinden, wie sich Schulter- und Hüftstützen in der Praxis bewähren, wo Schwachpunkte und Stärken liegen.

ABC: Handyman Reporter

Die früher selbstständige und nun zu Movietech gehörende Marke ABC ist den meisten Kameraleuten durch ihre Leichtkräne und Handyman-Schwebestative schon seit langem ein Begriff. Mit dem hier getesteten Handyman Reporter bietet ABC auch eine Schulterstütze an, die als einzige in diesem Vergleich auch wirklich als solche bezeichnet werden kann: Handyman Reporter ist wirklich als reine Schulterstütze konzipiert.

Die Konstruktion wirkt zwar zunächst recht wuchtig, sie ist aber vergleichsweise leicht. Für den Transport lässt sich Handyman Reporter zusammenklappen und in der mitgelieferten Tasche verstauen. Allerdings können hierfür nur die Griffstangen nach hinten geschwenkt werden, so dass die Schulterstütze insgesamt doch etwas sperrige Transportabmessungen aufweist.

Die Stangen, an denen die Haltegriffe angebracht sind, werden mittels kleiner Metallstifte und eines Schraubverschlusses an einer der Raststufen fixiert. Allerdings muss man bei der Handhabung der kleinen Metallstifte vorsichtig sein, da diese nicht automatisch einrasten und zudem leicht abbrechen können. In der Hektik einer Produktion ist das wohl eine der ersten Bruchstellen der ABC-Schulterstütze.

Die Einstellung der Handgriffe ist durch den einfachen Drehverschluss praktisch gelöst. Die Auflage, um die Stativplatte zu befestigen, erlaubt verschiedene Montagepositionen. Etwas mehr Platz in Schulternähe wäre aber wünschenswert. Die mitgelieferte Stativplatte muss erst am Camcorder und dann ziemlich umständlich mit zwei Schrauben auf der Stütze fixiert werden, so dass der schnelle Wechsel zwischen Schulterstütze und einem Stativ eigentlich nicht möglich, zumindest aber deutlich erschwert ist. Da es keine Möglichkeit gibt, am Handyman Reporter einen Adapter für den Einsatz auf dem Stativ anzubringen, ist eine zusätzliche Befestigungsplatte für den Camcorder dringend zu empfehlen, wenn man vom Einsatz auf der Schulterstütze auf ein Stativ wechseln möchte.

Ist der Camcorder erst einmal auf dem Handyman Reporter untergebracht, ist die Schulterstütze sehr ergonomisch und bietet auch ohne Abstützung auf der Hüfte eine gute zusätzliche Hilfe, um die Arme zu entlasten. Zwar ist der Schwerpunkt immer noch zu weit vorne, aber diesem Manko kann man mittels optionalem Akkuadapter oder zusätzlicher Ausrüstung zu Leibe rücken, man kann natürlich auch einfach ein Gewicht verwenden. Der Netto-Listenpreis für die Schulterstütze Handyman Reporter liegt bei rund 450 Euro.

Rovotech: Krypton

Rovotech Krypton ist eine Mischung aus Schulter- und Bruststütze und lässt sich auf ein sehr kompaktes Packmaß zusammenklappen. Dabei wird die Hauptlast auf die Bruststütze und damit auf die Rippen oder den Oberbauch abgeleitet. Der Arm der Bruststütze ist als gefederte Stange ausgeführt, die allerdings nur bei Kleinst-Camcordern mit einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm Wirkung zeigt. Bei Camcorder-Modellen aus dem unteren Profi-Segment, wie etwa dem DVX100, bietet der Arm kaum noch Federweg.

Schon nach kurzem Betrieb zeigte sich im Test, dass die beim Rovotech Krypton realisierte Abstützung und Gewichtsverteilung bei größeren Camcordern schnell sehr unangenehm und nach längerem Einsatz sogar schmerzhaft wird. Leichtere Camcorder mögen so noch »tragbar« sein, Schwergewichte wie HVX200 oder EX1 sicher nicht.

Auch die an sich gut konstruierte Schnellwechselplatte eignet sich bei Camcordern mit größerem Gewicht nicht und bietet dann nur wackeligen Sitz.

Die Konstruktion des oberen Teils der Schulterstütze wollte bei den Testern einfach nicht richtig sitzen, sie lag nicht besonders gut auf der Schulter auf und wurde als ergonomisch ungünstig empfunden. Dieser Aspekt variiert ganz sicher abhängig vom Körperbau des Anwenders, aber der Eindruck der Tester war hier eindeutig negativ.

Für kleine Camcorder bis etwa 1 kg Gewicht ist Rovotechs Krypton eine Alternative, um den Camcorder nicht ständig in der Hand halten zu müssen, wenn man länger dreht. Für die schwerere Modelle mit Profianspruch ist diese Stütze nicht zu empfehlen. Der Netto-Listenpreis liegt bei rund 230 Euro.

DVTec: DVRigPro / DVRigPro HD

Der israelische Hersteller DVTec bietet ein ganzes Sortiment aus Schulter- und Hüftstützen für unterschiedliche Einsatzbereiche an. Das größte Modell der Produktfamilie gibt es in zwei Ausführungen: als DVRigPro, wie von film-tv-video.de getestet und einer HD-Version. Die HD-Version bietet zusätzlich die Möglichkeit, den Camcorder auf der Mittelstange zu befestigen und unten einen Stativadapter anzubringen.

Die Konstruktion des DVRigPro ist vergleichsweise massiv und schwer, vor allem wegen der großen Adapterplatte an der Schulterstütze. Das ist für den Transport ein klarer Nachteil. Das zusätzliche Gewicht führt aber im Betrieb dazu, dass der Schwerpunkt des Gesamtsystems nach hinten verlagert wird, wodurch das DVRigPro auch gut als reine Schulterstütze ohne zusätzliche Hüftstütze eingesetzt werden kann.

Für den Transport sind aber neben dem Gewicht auch die Abmessungen in Transportstellung ungünstig: Zwar lässt sich die Querstange mit den Handgriffen einklappen, dennoch bleibt das System recht sperrig und eignet sich dadurch weniger für Einsätze, bei denen weitere Fußwege zum eigentlichen Drehort notwendig sind oder wenn Guerilla-Drehs gefordert sind.

Die Schulterauflage des DVRigPro empfanden die Tester zwar nicht gerade als komfortabel, aber brauchbar. Die schnelle Verstellung mittels einer Schraube und die einstellbare Beweglichkeit fand den Zuspruch der Tester.

Die Griffe sind mit einer Drehbewegung schnell entriegelt und lassen sich ein Stück weit entlang der Querstange verschieben. Besonders gut für den Haltekomfort ist, dass die Handgriffe bei Bedarf auch sehr weit auseinander gespreizt werden können.

Der Camcorder kann bei der ProHD-Version wahlweise auf der Querstange oder entlang der Mittelstange montiert werden. Im zweiten Fall lässt sich der Schwerpunkt des Gesamtsystems weit nach hinten verlagern. Die Grenze setzt hierbei meist der Ausklappmonitor der Camcorders. Fast auf der gesamten Länge bieten beide Stangen Möglichkeiten, zusätzliche Ausrüstung unterzubringen: Für eine Leuchte oder einen separaten Kontrollmonitor gibt es verschiedene Montagevarianten. Allerdings sind im Lieferumfang keinerlei Halterungen für solche Instrumente enthalten, einen Zubehörschuh etwa sucht man vergebens.

Die Kameraplatte, auf der sich der Camcorder befestigen lässt, ist in Form einer soliden Schlittenkonstruktion umgesetzt, die sich schnell lösen lässt. Die Hüftstütze ist als Teleskopstange mit zwei Auszügen und unterschiedlich starken Federn ausgeführt. Je nach Gewicht des Camcorders kann man entweder die schwache, die starke oder beide Federn zusammen verwenden, um etwa Schrittbewegungen abzufedern oder genügend Widerstand für saubere Kippbewegungen zu haben. Mit der Schulterstütze wird die Hüftstütze über eine flexible Federbefestigung verbunden. Die Abstützung am Körper erfolgt im Hüftbereich mit einer Gürteltasche, in die das untere Ende der Hüftstütze gesteckt wird. Ein breiter Gürtel mit Klettverschluss liegt dem DVRigPro bei.

Die Praxis zeigte: Es empfiehlt sich, den Gürtel etwas oberhalb der Hüfte zu tragen, da die Stange ansonsten unangenehm drücken kann. Hat man die richtige Position gefunden, kann man aber gut damit arbeiten. Dank der Federung ist die Handhabung flexibel, der Camcorder wird recht gut gestützt, bleibt aber variabel, auch Kippbewegungen sind kein Problem. Bei Schwenks aus dem oder in den Himmel kann die Hüftstütze jedoch schon mal aus der Gürteltasche rutschen.

Will man die Federung deaktivieren, um ruhigere, stehende Aufnahmen zu machen, lassen sich beide Federn mit einer Drehung schnell feststellen und dann ebenso schnell wieder lockern.

Die Federung in der Hüftstange ermöglicht es im Zusammenspiel mit einem optischen Bildstabilisator im Camcorder sogar, Bewegungen nahe an einer Kamerafahrt zu realisieren.

Für szenische Ausnahmen mit schweren Camcordern ist das DVRigPro eine gute Lösung, um auch längere Takes realisieren zu können. Für den EB-Einsatz ist sie aufgrund des hohen Gewichts und der sperrigen Packmaße nur geeignet, wenn man nicht auf lange Transporte ohne fahrbaren Untersatz angewiesen ist.

DVRigPro kostet netto 520 Euro, die HD-Variante DVRigPro HD geht für 629 Euro netto an den Start.

Varizoom: DV Media Rig

Der US-Hersteller Varizoom bietet mit DV Media Rig ein ähnliches Konzept an wie das von DVTec. DV Media Rig besteht ebenfalls aus einer massiven Schulterstütze und einer Hüftstütze mit Gürtel. Ein Unterschied zum DVRigPro besteht darin, dass die Schulterstütze seitlich an der Stützkonstruktion für die Kamera angebracht wird.

Diese Konstruktion erwies sich in der Praxis als weniger geeignet, wenn schnelles Zusammenbauen gefordert ist. Um das System in Betrieb zu nehmen, muss nämlich eine Schraube mit Unterlegscheiben eingedreht werden, was etwas fummelig ist und vorsichtig gefühlvolle Handhabung erfordert — unter Stress eher schwierig.

Zwar lässt sich DV Media Rig auch zusammenklappen, doch ist es dann immer noch sehr voluminös, sperrig und gleichzeitig auch noch das schwerste System im Vergleich. Das liegt an der massiven Konstruktion und einem zusätzlichen 1,25 kg-Gewicht, das an der Hinterseite der Schulterstütze befestigt wird.

Was beim Transport nachteilig ist, eröffnet im Betrieb Vorteile: Der Schwerpunkt des Systems mit Gegengewicht liegt sehr weit hinten, was sehr angenehmes und rückenentlastetes Arbeiten ermöglicht. Dank des günstigen Schwerpunkts des Gesamtsystems ist DV Media Rig zwar auch ohne Hüftstütze verwendbar, aber die Schulterstütze neigte im Test etwas dazu, von der Schulter zu rutschen.

Der Camcorder wird auf einem Stativschlitten montiert. Leider ist die Flügelschraube für viele Camcorder-Modelle, wie etwa auch den Panasonic DVX100, zu kurz und greift erst gar nicht. Hier musste im Test eine normalen Stativschraube eingesetzt werden. Der Schlitten wird dann mit einer Stoppnoppe aufgesetzt und kann schließlich in verschiedenen Position festgeschraubt werden. Der Camcorder kann nach links und rechts verschoben werden, die Distanz zum Kameramann ist über die Wechselplatte variabel. Hier bietet auch die Positionierung der Hüftstütze und die Neigung der Schulterstütze Einstellmöglichkeiten.

Für Objektivvorsätze wie einen Mini35-Adapter ist DV Media Rig nicht geeignet. Auf der linken Seite gibt es eine Schraube für zusätzliche Adapter. Allerdings kann das die manuelle Handhabung des Schärferings stark beeinträchtigen. Die Griffe sind fixiert und lassen sich nicht verstellen. DV Media Rig bietet insgesamt kaum Möglichkeiten, zusätzliche Ausrüstung anzubringen.

Die Hüftstütze besitzt zwei Verriegelungen mit Federn, die sich arretieren lassen, das funktioniert genau so gut wie beim DVRigPro. Es wird ebenso mit einer Feder angebracht und mittels eines mitgelieferten Hüftgürtels am Körper fixiert. Allerdings ist die Tasche fest am mitgelieferten Gürtel angebracht und kann nicht mit einem anderen Gürtel verwendet werden. Eine zusätzliche, zweite Fixierung der Stütze am Gürtel mittels eines Plastikrings ist allerdings ein kleines Plus.

Die Konstruktion des Varizoom DV Media Rig ist robust und macht einen stabilen Eindruck. Allerdings ist die Schulterkonstruktion weniger gut und die Variabilität ist geringer als beim DVRigPro. Zudem ist der Transport schwieriger, da das System zusammengeklappt immer noch sehr voluminös und das Abmontieren langwierig ist. Der Netto-Listenpreis liegt hier bei rund 533 Euro.

Varizoom: DV Traveler

Seit kurzem bietet Varizoom mit dem DV Traveler eine kleinere Variante des Media Rig an, das im Grunde aussieht wie eine etwas geschrumpfte Version davon. Es handelt sich ebenfalls um die Kombination aus Schulter- und Hüftstütze. Im Vergleich zum großen Bruder ist die Traveler-Variante aber wesentlich leichter und kleiner, nicht zuletzt, da an der Schulterstütze kein Gewicht angebracht ist.

Kameraplatte und Schulterpolster sind über eine Teleskopstange verbunden. Mit einer Rändelmutter kann die Stange in der richtigen Länge arretiert werden. Die Distanz zwischen Kameramann und Camcorder ist dadurch einfach variierbar. Die im Vergleich zum Varizoom DV Media Rig wesentlich kleinere Schulterstütze kann entfernt werden, die Griffe lassen sich einklappen. So erreicht Varizoom DV Traveler recht kleine Transportmaße.

Leider liegen die Griffe sehr nah zusammen und lassen sich auch nicht verstellen, so dass die Tester keine besonders bequeme Halteposition finden konnten. Vor allem wenn man nur die Schulterstütze ohne zusätzliche Hüftstütze nutzen will, ist die schmale Griffposition ungünstig.

Für das Anbringen des Camcorders kommt derselbe Stativschlitten wie beim DV Media Rig zum Einsatz. Auch die Hüftstütze ist dieselbe. Damit erreicht Varizoom DV Traveler ebenso gute Ergebnisse, wenn es darum geht, Bewegungen abzufedern und das Gewicht des Camcorders auf die Hüfte zu leiten. In Kombination mit der Hüftstütze ist das DV-Traveler-System außer den genannten Abstrichen gut geeignet, als reine Schulterstütze kann man es eigentlich nicht verwenden, eher andersrum: Kombiniert man nur Stativschlitten und Hüftstütze kann man den Camcorder nicht loslassen, aber dafür sehr flexibel und mit Unterstützung und Federung drehen.

Auf der linken Seite des Systems gibt es ein Gewinde, um Zubehör anzubringen. Zum Netto-Listenpreis von 369 Euro ist das Varizoom DV Traveler zu haben.

DVTec: MultiRig Pro

Eine leichte und kompakte Stützkonstruktion mit Schulterauflage hat auch DVTec im Programm, beschreitet hier aber neue Wege. Das MultiRig besteht aus einer zentralen Montageplatte, die den Camcorder trägt, sowie zwei oder drei schwenkbaren Armen, die sich zusammenklappen lassen. MultiRig Pro lässt sich so klein zusammenklappen wie kein anderes System im Test und passt in normal große Camcorder-Taschen.

Das Aufklappen und Herrichten für den Einsatz ist allerdings etwas ungewöhnlich: Zwei der Arme dienen als Haltegriffe, der dritte wird auf die Schulter aufgelegt oder trägt alternativ auch Aufsätze, wie den mitgelieferten Zubehörschuh. Der Zubehörschuh kann aber auch an den beiden anderen Armen befestigt werden.

Ergänzt man den dritten Arm des Systems durch einen weiteren, beiliegenden Haltegriff, wird aus der Schulterauflage eine Schulterstütze, die etwas mehr Halt bietet. Eine richtige Schulterstütze ist das nicht, aber die Anpassung funktionierte bei den Testern recht gut, wenn man sie etwas in Richtung Nacken klappte. Dann war auch ein akzeptabler Tragekomfort erreichbar.

Da das MultiRig Pro zusammengeklappt werden kann, gibt es viele bewegliche Teile: die Griffe können in zwei Positionen arretiert werden. Weitere wären wünschenswert, denn dann ließe sich die »Schulterstütze« besser anpassen. Eine Möglichkeit, hier etwas mehr Flexibilität zu schaffen besteht darin, die Gelenkschraube mit einem Inbus-Schlüssel schwergängiger zu machen, dann hält der Griff auch in Zwischenpositionen. Die Schrauben müssen ohnehin immer wieder mal nachgezogen werden, denn auch in den Rastpositionen der Handgriffe ist die Arretierung nicht ganz spielfrei.

Die Position des Camcorders lässt sich einfach variieren, das System ist aber nicht für den Einsatz von größeren Objektivvorsätzen geeignet. Problematisch am linken Griff ist, dass dieser im hochgeklappten Zustand je nach Camcorder die Handhabung des Displays und des Schärferinges behindern kann. Als weiteres Zubehör gibt es beim MultiRig Pro eine Platte, an der mit Gummibändern Funkstrecken oder Akkus fixiert und auf der Schulterauflage befestigt werden können.

Die Hüftstütze des MultiRig Pro ist fast genauso aufgebaut wie die des DVRigPro. Allerdings ist die Feder hier, geschützt von einer Plastikabdeckung, an der Stange und nicht an der Haltekonstruktion angebracht. Sie wird an einer von zwei Positionen eingesetzt und mit einer halben Drehung verriegelt, was auch die schnelle Verstellung und Demontage erlaubt. Im Unterschied zum DVRigPro legt DVTec dem MultiRig Pro nur eine Gürteltasche und keinen Gürtel bei.

Ein großer Vorteil des MultiRig Pro besteht darin, dass sich an einem der Arme auch eine Adapterplatte für ein Stativ anbringen lässt. Das ganze System kann also auf einem Stativ befestigt werden, ohne den Camcorder demontieren zu müssen, man muss dazu nur die beiden anderen Arme einklappen. Dadurch wird der flexible Wechsel zwischen Stativ- und Schulterbetrieb möglich.

Als reine Schulterstütze ohne Hüftabstützung ist das MultiRig nur bedingt geeignet. Vor allem die leicht wackelnden Handgriffe sind zu bemängeln. Im kompletten Setup mit Hüftstütze stellt es die leichteste Variante dar, um das Gewicht des Camcorders auf die Hüfte zu verlagern. Das Zubehör ist reichhaltig, nur einen passenden Klettgürtel vermisst man. Der Netto-Listenpreis liegt hier je nach Ausstattung zwischen 223 und 403 Euro.

Fazit

Eine optimale Lösung bietet keines der gestesteten Modelle. Die gepolsterten Griffe, die alle gemeinsam haben, sind vor allem für das Anbringen von Zoomwippen hinderlich. Dazu muss man einen Teil des Schaumstoffes abschneiden.

Als reine Schulterstützen sind der Handyman Reporter von ABC wegen der guten Schulterauflage und das DVRigPro, wegen der Möglichkeiten den Schwerpunkt zu verlagern und wegen der größten Variabilität im reinen Schulterbertrieb, die beste Wahl. Die umständliche Montage des Camcorders und die Einstellungsstifte trüben aber das Bild beim Handyman Reporter.

Als reine Schulterstützen sind MultiRig Pro von DVTec und DV Traveler von Varizoom allenfalls für kurze Einsätze geeignet.

Die beiden Modelle von Varizoom bieten zwar dank der Hüftstütze ebenfalls eine gute Unterstützung, sind aber den beiden direkten Konkurrenten von DVTec nicht gewachsen.

Insgesamt sagten den Testern die Stützen von DVTec am besten zu. Das DVRigPro von DVTec ist das vielfältigste und praktikabelste System, das MultiRig von DVTec kann vor allem durch seine geringen Packmaße, die gute Halteposition und durch die Einstellungsoptionen punkten.

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Autor
Christoph Harrer
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